Eschweiler - Das Jugendamt muss 340 Kindern helfen

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Das Jugendamt muss 340 Kindern helfen

Von: dmü
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Seit Oktober erhalten Eltern von Säuglingen ein „Begrüßungspaket” der Stadt. Foto: Désire Müller

Eschweiler. Vernachlässigung sowie Gewalt an Kindern und Jugendlichen sind Themen, die die Menschen immer begleitet haben. Durch einige gravierende Fälle in der Vergangenheit sind sie in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt.

Aus diesem Grund hatte der SPD-Ortsverein West zu einer offenen Mitgliederversammlung eingeladen, bei der das Jugendamt der Stadt über seine Arbeit berichtete und einen Überblick über Präventionsmaßnahmen aufzeigte.

Nach der Begrüßung durch den Ortsvereinsvorsitzenden Peter Kendziora machte Jugendamtsleiter Heinz Kaldenbach die zentrale Aufgabe seiner Einrichtung deutlich: „Es ist Pflichtaufgabe, sich unserer Verantwortung gemäß darum zu kümmern, das Kindeswohl in allen Aspekten zu schützen.”

Seine Kollegin Gabi Brettnacher, die die Abteilung Soziale Dienste innerhalb des Jugendamtes leitet, erläuterte, dass der Begriff Kindeswohlgefährdung nicht eindeutig zu definieren sei. Gleichwohl spielten oft seelische Vernachlässigung, häusliche Gewalt oder sexueller Missbrauch eine bedeutende Rolle.

Oft gebe es komplexe Misshandlungssysteme in den betroffenen Familien. Auch die Risikofaktoren für die Vernachlässigung eines Kindes seien breit gefächert. „So sind gerade Armut, Schulden, Trennungen, ein schlechtes Wohnumfeld oder Suchtproblematiken Auslöser für die Vernachlässigung eines Kindes”, erklärte Gabi Brettnacher. Momentan sind die Mitarbeiter des Jugendamtes auch oft mit chronisch oder psychisch erkrankten Eltern konfrontiert.

Derzeit betreut die städtische Institution 340 Kinder bzw. deren Familien. 109 Kinder befinden sich momentan in Pflegefamilien, 17 in Erziehungsstellen, 53 in Heimpflege und 14 in Spezialheimen. Desweiteren gibt es momentan 44 Einzel- und 120 Familien-Betreuungen seitens des Jugendamtes. Wichtig dabei: „Diese Zahlen sind nicht parallel mit Kindeswohlgefährdungen gleichzusetzen. Vielmehr holen sich Familien auch freiwillige Hilfe und Beratung bei uns”, berichtet Brettnacher. „Gleichwohl nehmen die Mitarbeiter des Jugendamtes Meldungen über mögliche Kindeswohlgefährdungen sehr ernst. Wenn eine Nachbarin bei uns anruft und sagt, dass das Kind in der Etage über ihr seit zwei Wochen schreit, überprüfen wir dies sofort”, macht sie deutlich.

Um gerade im Bereich Kindeswohlgefährdung Präventionsarbeit zu leisten, gibt es seit Oktober 2008 das Baby-Begrüßungs-Paket der Stadt Eschweiler. Dieses freiwillige Angebot der Verwaltung ist eine Wertschätzung den Familien mit einem Neugeborenen gegenüber und wird von Seiten des Jugendamtes als Präventionsmodell verstanden. Das Paket enthält einen Rauchmelder, Salbe, Spielzeug sowie einen Ordner mit Broschüren und wichtigen Informationen und Anlaufstellen für frisch gebackene Eltern.

„Natürlich gibt uns diese Maßnahme nicht die Garantie, dass nichts mehr passiert, aber wir sind dadurch auf einem guten Weg, die Gefahren einzugrenzen”, erklärt Christiane Preuschoff vom Netzwerk „Frühe Förderung und Hilfsangebote in Eschweiler”. Mittlerweile hat die Mitarbeiterin des Jugendamtes fast 200 Familien besucht.

„Die Zahl der überforderten Familien steigt stetig”, weiß Jugendamtsleiter Kaldenbach. Aus diesem Grund werden vom Jugendamt weiter engagierte Pflegeeltern und Tagesmütter gesucht.
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