Eschweiler - Damit auf dem Schulweg nichts passiert

Damit auf dem Schulweg nichts passiert

Von: Andreas Gabbert
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Schülerlotsinnen
Haben am Kreisverkehr Langwahn/Marienstraße/August-Thyssen-Straße alles im Griff: Sandra Diederichs (links) und Dagmar Dollhausen arbeiten seit vier Jahren als Schülerlotsinnen. Foto: Andreas Gabbert

Eschweiler. Morgens vor Schulbeginn haben Dagmar Dollhausen (47) und Sandra Diederichs (35) nur Augen für ihre „Lotsenkinder”, wie sie ihre Schützlinge liebevoll bezeichnen. Wer in den vorbeifahrenden Autos sitzt, interessiert sie in diesem Moment nicht.

Da passiert es auch schon mal, dass der eigenen Mutter nicht zurück gewunken wird. „Die ganz Kleinen darf man nicht aus dem Blick verlieren, die verschwinden ganz schnell hinter den geparkten Fahrzeugen”, sagt Sandra Diederichs.

Wenn in der nächsten Woche die Schule beginnt, werden die beiden Frauen wieder auf ihrem Posten sein, damit vor allem die i-Dötzchen sicher über die Straße kommen. Seit vier Jahren arbeiten sie als Schülerlotsinnen - zunächst an verschiedenen Orten, jetzt gemeinsam am Kreisverkehr Langwahn/Marienstraße/August-Thyssen-Straße.

Zu zweit sind sie dort für vier Übergänge verantwortlich. „Das ist ein Knotenpunkt an dem sich alles durchwälzt”, sagt Dollhausen. Doch sie und ihre Kollegin haben alles im Griff. Das Zusammenspiel zwischen Kindern und Lotsinnen funktioniert gut. Auch die i-Dötzchen lernen schnell, wie sie sich zu verhalten haben. Wie es sich gehört, bleiben sie stehen und warten, bis sie über die Straße begleitet werden. Nach einer Woche rufen sie schon: „Hallo Frau Schülerlotsin!”

Dollhausen und Diederichs sind für die Kinder der Evangelischen Grundschule Stadtmitte zuständig, aber auch bei den älteren Schülern der Real-, der Hauptschule und der Don-Bosco-Schule kommen die Lotsinnen gut an. „Gerade den Fünftklässern bietet unsere Anwesenheit ein Gefühl von Sicherheit”, sagt Dollhausen.

Nur eine Sache ärgert die beiden Lotsinnen jeden Tag aufs Neue. Es sind die Autofahrer, die morgens auf dem Weg zur Arbeit keine Zeit haben und nicht freiwillig am Zebrastreifen anhalten. „Das dürften wohl um die 90 Prozent der Autofahrer sein”, sagt Dollhausen. Obwohl sie durch ihre Warnwesten schon von Weitem gut zu erkennen sind, fahren viele einfach durch, wenn eine der Beiden die Kelle raushält, bevor sie auf die Straße tritt. Andere bremsen noch im letzten Moment, was besonders im Winter oft zu Auffahrunfällen führt.

Radfahrer sind da nicht besser. „Die fahren sogar hinter einem vorbei, wenn man auf der Straße steht”, sagt Diederichs. Auch wenn sie solch rüpelhaftes Verhalten wütend macht, bleiben die Lotsinnen ruhig und gelassen. „Schließlich haben wir gegenüber den Schülern auch eine Vorbildfunktion”, erklärt Dollhausen.

Für die Kinder sind sie Bezugspersonen, große Freundinnen eben. Die Kinder erzählen von ihren Problemen zu Hause und in der Schule, von der neuesten Mode und von ihren Ferienerlebnissen. Dollhausen und Diederichs kennen die Namen ihrer „Lotsenkinder”, manchen haben sie auch schon Spitznamen gegeben.

Die Lotsinnen wissen auch, wenn noch jemand fehlt und meist auch, wo der Schüler gerade sein könnte - etwa beim Spiel auf einem Parkplatz. Ihre Schützlinge sind ihnen ans Herz gewachsen. Umgekehrt ist das nicht anders. Wenn eine der Beiden krank ist, wird sie gleich vermisst.

Die Lotsinnen sind zwar in erster Linie für die Schüler da, aber sie helfen auch gerne älteren Menschen über die Straße. Mehrfach haben sie auch schon Erste Hilfe geleistet, zum Beispiel einer Frau die mit einem epileptischen Anfall am Kreisverkehr zusammengebrochen war. Das ein Kind bei einem Unfall verletzt wurde, hat Dollhausen bisher einmal erlebt. „Zum Glück war das bisher der einzige Fall”, sagt die 47-Jährige.

Zu Schülerlotsinnen wurden Dollhausen und Diederichs weil sie als Mütter (Dollhausen hat eine 14-jährige Tochter, Diederichs hat zwei Jungen im Alten von zehn und 16 Jahren) eine Halbtagsstelle suchten, da kam die Ausschreibung gerade recht. Nach der Erfolgreichen Bewerbung stand zunächst eine Einweisung durch einen Polizisten auf dem Programm. „Die nächsten Tage haben wir dann unter seiner Aufsicht probehalber den Verkehr geregelt”, erklärt Diederichs.

Ihre Entscheidung haben die Lotsinnen bis heute nicht bereut - im Gegenteil.

Die Polizei gibt Tipps für die Vorbereitung der Kinder auf den Schulweg

Die Polizei hat einige Hinweise, wie Eltern ihre Kinder auf den Weg zur Schule vorbereiten können. Zwei Grundsätze sollten stets befolgt werden:
1. Der kürzeste und schnellste Weg ist nicht immer der sicherste.
2. Der Schulweg muss eingeübt werden.

Deshalb sollte der Weg mit den wenigsten Gefahrenquellen ausgesucht werden. Dennoch mögliche Gefahren sollten ausführlich erklärt werden. Auf schlechte Vorbilder, zum Beispiel falsche Verhaltensweisen Erwachsener, sollten die Kinder aufmerksam gemacht werden.

Da das Überquerender Fahrbahn Unfallursache Nummer eins bei Kindern ist, sollte das besonders geübt werden. Stets sollten Querungshilfen benutzt werden. Eltern sollten beim Üben darauf achten, dass die Kinder vor dem Betreten der Fahrbahn vor dem Bordstein stehen bleiben und nach allen Seiten schauen, zuerst nach links, dann rechts und dann wieder nach links.

Die Polizei findet es richtig, dass Eltern ihre Kinder in den ersten Tagen auf dem Schulweg begleiten. Auch um festzustellen, ob sich Kinder durch Freunde, Klassenkameraden ablenken lassen. Auch diese Situationen sollten zu Hause besprochen werden.

Sollten Kinder durch Fremde angesprochen werden, sollten sie sich auf nichts einlassen und sich mit anderen Kindern sofort verständigen, oder nötigenfalls in ein nahe gelegenes Geschäft gehen und dort um Hilfe bitten. Nach Schulschluss sollten Erstklässler direkt nach Hause gehen. Es sei denn, mit den Eltern ist vorher etwas anderes abgesprochen worden.

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