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Cybermobbing: Plötzlich steht mein Foto im Internet

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
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Der Streit geht nach der Schule im Internet weiter: Immer wieder werden Schüler Opfer von Cybermobbing. Foto: stock/imagebroker

Eschweiler. Tanja (Name von der Redaktion geändert) hat sich nichts dabei gedacht, sie will nur ihren Freund überraschen. Die 12-Jährige schickt ein Foto von sich in Unterwäsche per Handy. Als die Beziehung endet, stellt er das Foto ins Internet. Mitschüler sehen das.

Damit rollte eine Welle Häme auf die Schülerin zu. Im Büro der Schulsozialarbeiterin sagt sie in Tränen aufgelöst: „Alle haben das gesehen, ich will nicht mehr leben...“

Solche und ähnliche Fälle treten in den Schulen der Indestadt inzwischen häufiger auf. Wo man sich früher auf dem Schulhof beschimpfte, wird heute der Weg über das Internet oder Handy gesucht. Manches hält sich in Rahmen und endet schnell. Wenn die Angriffe sehr persönlich, beleidigend und dauerhaft stattfinden, dann spricht man von Cybermobbing. „Das Schlimme ist, dass Mobbing in der Schule früher zu Hause endete, heute geht es aber am Computer im eigenen Kinderzimmer weiter“, berichtet Marianne Gammersbach, Schulsozialarbeiterin am Städtischen Gymnasium. Einen Schutzraum gebe es nicht mehr, alles ist öffentlich.

Die Schulen in Eschweiler befassen sich intensiv mit Cybermobbing in allen Facetten. Meistens sind es die Schulsozialarbeiter, die sich um die Betroffenen kümmern. Die Hilfe kann dabei sehr unterschiedlich sein: „Mal schauen wir, dass alle Beteiligten an einen Tisch kommen und die Sache klären, mal bleibt uns nichts anderes übrig, als den Weg zur Polizei vorzuschlagen“, sagt Lothar Horndt, Schulsozialarbeiter an der Gesamtschule. Auch im weltweiten Netz gibt es gesetzliche Grenzen. Ein Bild eines anderen ohne dessen Erlaubnis ins Netz zu stellen, ist zum Beispiel strafbar. Tatbestände der Verleumdung und Beleidigung gelten auch im Internet.

In den Schulen setzen die Sozialarbeiter früher an. Sie klären darüber auf, was es bedeutet, wenn man etwas im Internet von sich preisgibt. „Viele denken gar nicht darüber nach, dass man dies dann auf der ganzen Welt nachlesen kann und dies für jeden zugänglich ist“, sagt Marianne Gammersbach. Manches sei zudem nur schwer oder gar nicht zu löschen. Gerne lassen sich die Schulen von externen Experten wie die Polizei bei ihrer Aufklärungsarbeit unterstützen, die schon in der 5. Schulklasse beginnt. Dazu werden häufig auch Eltern eingeladen. Die Tipps sind relativ einfach: Kennwörter sollte man auch den besten Freunden nicht verraten. Auch von Treffen mit einer Bekanntschaft aus dem Internet wird abgeraten.

Mobbing war schon immer an Schulen ein Thema, durch Internet und Handy setzt es sich zu Hause fort. Deswegen ist es wichtig, dass auch Eltern informiert sind. „Es ist gut, wenn die Kinder und Jugendlichen nicht alleine gelassen werden, und Eltern früh auf Gefahren hinweisen“, meint Gammersbach. Bis Lehrer oder Sozialarbeiter Wind von einem Mobbingfall bekommen, ist es meist zu spät. „Wir können dann nur noch nach einer gemeinsamen Lösung suchen und den Betroffenen stärken“, sagt Horndt.

Bei Cybermobbing lassen sich weder Unterschiede in den Schulformen, noch im Geschlecht feststellen. Ist jemand Opfer geworden, kann er sich an die Sozialarbeitern in den Schulen wenden. Dort wird jeder Fall vertraulich behandelt. „Manchmal müssen wir natürlich auch die Eltern mit hinzuziehen“, berichtet Marianne Gammersbach. Aber auch das geschehe nur in Abstimmung mit dem betroffenen Schüler.

Wie man sich schützen und was man als Opfer tun kann, zeigt die Polizei im Internet unter: www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/gefahren-im-internet/cybermobbing.

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