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Contergan: „Sie wussten, wie giftig es war”

Von: Robert Flader
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„Es geht auch um Respekt”: S
„Es geht auch um Respekt”: Stephan Nuding (rechts) bei der Präsentation seines Contergan-Buches in der Stadthalle. Foto: R. Flader

Eschweiler/Stolberg. Stephan Nuding, gerade 50 Jahre alt geworden, ist grundsätzlich ein eher ruhiger Zeitgenosse. Wenn es aber um sein Geburtsjahr geht, 1961, dann war es das schnell mit der Gelassenheit. Nuding ist Schriftsteller, Historiker - und Contergan-Geschädigter.

Einer von etwa 2800, die heute noch in Deutschland leben und deren Mütter ab Ende der 1950er Jahre das Schlafmittel Contergan des Pharma-Unternehmens Grünenthal einnahmen, und das massenhaft missgebildete Kinder zur Folge hatte.

Nuding meint, vieles hätte verhindert werden können. Nach mehrjährigen Recherchen im In- und Ausland will er nun, gemeinsam mit der in Heerlen beheimateten „Dr. Rath Health Foundation”, ein Zeichen setzen: Mit seinem Buch „Profit vor Menschenrecht - Die Geschichte des Contergan-Verbrechens vom Dritten Reich bis heute”, das er am Dienstag in der Stolberger Stadthalle vorstellte, wirft er Grünenthal vor, Contergan wider besseren Wissens verkauft und somit weitere Missbildungen in Kauf genommen zu haben.

„Die Grundsubstanz von Thalidomid wurde bereits 1947 patentiert”, sagt der Bergisch-Gladbacher. „Und spätestens ab Frühsommer 1960 handelte das Unternehmen vorsätzlich, da Kinderärzte damals feststellten, dass Thalidomid zu Missbildungen bei Ungeborenen führen kann.”

Auf knapp 250 Seiten beschreibt Nuding die Vorgänge rund um einen der größten deutschen Arzneimittelskandale, den die Opfer „Verbrechen” nennen, das Unternehmen selbst spricht von einer „Tragödie”. Dabei geht es im Kern darum, „dass der Firma die Nebenwirkungen bekannt waren. Sie verkauften Contergan aber einfach weiter und handelten damit grob fahrlässig.”

Nuding behauptet, die Entwicklung von Contergan hätte bereits in den 1940er Jahren begonnen und seinen Ursprung in der Schweiz - und nicht in Stolberg - gehabt. Ob Nudings neue Erkenntnisse - und in welcher Form - ausreichen, um den Prozess noch einmal ins Rollen zu bringen, darüber sind sich selbst die Geschädigten untereinander uneins. Nuding aber sagt: „Es geht auch um Respekt. Irgendjemand muss die Verantwortung übernehmen.”
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