Christliches Abendland - mehr als ein Kampfbegriff

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Rechtsanwalt Hans Coenen vom Forum Gott und die Welt organisiert auch in diesem Jahr wieder Vorträge im Gemeindezentrum St. Michael Steinstraße. Die Reihe unter dem Motto „!Christliches Abendland?” beginnt am 17. März.

Eschweiler. „Christliches Abendland” - Ausrufezeichen! Oder doch Fragezeichen? Mit einem religiös geprägten und oft politisch gemeinten Begriff und seiner Deutung setzt sich das Eschweiler „Forum Gott und die Welt” auseinander.

Das Forum bietet drei Vorträge im Gemeindezentrum St. Michael an, den ersten am Donnerstag, 17. März, unter dem Titel „Das Kreuz mit dem Kreuz: Was geschah am Karfreitag tatsächlich?”

Seit Jahren sorgen die Vortragsreihen des Forums, das aus der Erwachsenenbildungsarbeit der katholischen Pfarre St. Michael entstanden ist, für gut gefüllte Stuhlreihen und spannende Diskussionen in dem Gemeindezentrum an der Steinstraße, das inzwischen zur Stadtmitte-Pfarrgemeinde St. Peter und Paul gehört.

Der Eschweiler Rechtsanwalt Hans Coenen ist Motor und Ideengeber des Forums, das geprägt ist von katholischen Christen, die sich ebenso kritisch wie konstruktiv mit religiösen Fragen und gesellschaftlichen Themen auseinandersetzen. Auch dem ökumenischen und dem interreligiösen Dialog fühle man sich verpflichtet, sagt Hans Coenen. Um das Miteinander der Religionen und den Dialog zwischen Christentum und Islam wird es in diesem Jahr bei den Vorträgen von „Gott und die Welt” gehen.

„Der Begriff Christliches Abendland ist in den vergangenen Jahren öfters in gesellschaftspolitischen Debatten bemüht worden, oft dann, wenn es um Themen wie Integration und Zuwanderung ging”, erläutert Hans Coenen das Motto der Vorträge. „Interessanterweise oft auch von jenen, die mit Religion und Kirche im Grunde nichts am Hut haben.”

Oft werde das „christliche Abendland” geradezu als Kampfbegriff gegen Muslime verwendet. Aber was bedeutet der Begriff eigentlich? Welchen Inhalt hatte es früher und welchen Inhalt kann es heute haben? Und taugt dieser Begriff als Abgrenzungs- und Ausgrenzungskriterium gegenüber Andersglaubenden, besonders gegenüber Muslimen?

Ethos der Liebe

Coenen beantwortet die selbst gestellte Frage mit einem entschiedenen „Nein”. Und zitiert den Tübinger Professor und Ökumene-Forscher Dr. Karl Josef Kuschel: „Christliche Identität wird, nimmt man Maß an der Bibel, konkret in einem Ethos der Liebe gerade auch zum Anderen, zum Fremden, ja sogar zum Feind, woraus konsequenterweise nur eine Praxis der Geschwisterlichkeit im Individuellen und kollektiven Bereich entstehen kann.”

Für 2011 plant das „Forum Gott und die Welt” drei Vortragsabende. Sie finden im Gemeindezentrum St. Michael, Steinstraße 88, statt, der Eintritt ist frei - beziehungsweise „freiwillig”.

Donnerstag, 17. März: „Das Kreuz mit dem Kreuz: Was geschah am Karfreitag tatsächlich?” Das österliche Thema wird von Dr. Martin Bauschke behandelt, der das Berliner Büro der Stiftung Weltethos leitet. Er geht die Frage bewusst aus interreligiöser Sicht an. „Schon die Evangelien des Neuen Testaments unterscheiden sich in ihrer Schilderung, stimmen jedoch darin überein, dass Jesus am Kreuz starb. Einige urchristliche Gruppen bestreiten dies jedoch und sprechen von einer Scheinkreuzigung Jesu.” Ähnliches finde man im Koran, und schließlich gebe es sogar die These, Jesus sei nach Kashmir ausgewandert.

Donnerstag, 30. Juni: „Wie wurde Europa ein christlicher Kontinent?” Antworten zu dieser Frage gibt Kirchenhistoriker, Professor Dr. Klaus Schatz von der Philosophisch-theologischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt. Er untersucht, wie das Christentum Europa geprägt hat - im Guten wie im Schlechten. Der Vortrag ist ebenfalls im Gemeindezentrum St. Michael, Beginn 20 Uhr. Dieser Abend wird unterstützt vom Eschweiler Geschichtsverein.

Der Vortrag am Donnerstag, 13. Oktober, soll die Frage „Vom christlichen Abendland zum abrahamitischen Europa?” behandeln. Als „Abrahamitische Religionen” werden die drei monotheistischen Bekenntnisse Judentum, Christentum und Islam bezeichnet, weil sie sich alle drei auf Abraham, den Stammvater der Israeliten, berufen. Referent ist bei diesem Vortrag der Theologie und Soziologe Dr. Jürgen Micksch, langjähriger Vorsitzender des Interkulturellen Rates in Deutschland.

Auf einen weiteren Vortrag, der die Themenstellung des „Forums Gott und die Welt” in diesem Jahr beleuchtet, weist Hans Coenen hin. Dr. Berthold Drube referiert am 14. April um 19.30 Uhr im Talbahnhof über „Die Kreuzzüge ins Heilige Land 1095 bis 1291”. Angeboten wird dieser Vortrag vom Eschweiler Geschichtsverein.
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