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Christian Lindner: „Kein Grund zum Selbstekel“

Von: Andreas Röchter
Letzte Aktualisierung:
Christian Lindner
Der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner verrät im Interview mit unserer Zeitung, dass er in keinem anderen politischen System leben möchte und dass er die AfD-Wähler in drei Gruppen einteilt. Foto: Roland Weihrauch

Eschweiler. Ihn aktuell als „das Gesicht“ der Freien Demokraten zu bezeichnen, ist wohl keinesfalls übertrieben: Christian Lindner hat seit Dezember 2013 das Amt des Bundesvorsitzenden der FDP inne und fungiert darüber hinaus auch als Vorsitzender des NRW-Landesverbandes sowie der FDP-Landtagsfraktion.

Im Mai 2017 bewirbt er sich zunächst erneut für ein Landtagsmandat, hofft aber, im weiteren Verlauf des Jahres seine Partei zurück in den Bundestag führen zu können.

Sollte letzteres gelingen, plant der 37-Jährige, seinen politischen Lebensmittelpunkt von Düsseldorf nach Berlin zu verlegen. Am Dienstag war Christian Lindner nun als Referent beim 8. Kambacher VIP-Talk in Eschweiler zu Gast. Vor seiner Rede stand er unserer Zeitung zu einem Interview zur Verfügung.

Das Jahr 2016 neigt sich dem Ende zu. Wie wird man in einigen Jahren auf diese sehr ereignisreichen Monate zurückblicken?

Lindner: Ich hoffe, dass das Jahr 2016 als Weckruf verstanden werden wird. Der sogenannte Brexit und die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten sollten ein Signal sein, nicht auf zu einfache Botschaften zu hören und sich keinesfalls ausschließlich auf das Bauchgefühl oder gar Emotionen wie Wut zu verlassen. Wir müssen registrieren, dass Werte wie Freiheit, Meinungsfreiheit und Toleranz offensichtlich immer wieder neu errungen werden müssen und eben nicht selbstverständlich sind.

Wie können diese Werte verteidigt beziehungsweise neu errungen werden?

Lindner: Indem man denen, die diese Werte mit Füßen treten, widerspricht und dabei Vernunft und Ernsthaftigkeit an den Tag legt. Selbstbewusstsein tut dabei unbedingt Not. Es ist kein Grund zum Selbstekel vorhanden. Wobei sicherlich unstrittig ist, dass es in Berlin Politiker und Medienvertreter gibt, die zu viel mit sich selbst beschäftigt sind. Dennoch möchte ich in keinem anderen politischen System leben. Ich bin stolz auf diesen Staat des Grundgesetzes.

War Ernsthaftigkeit in der Vergangenheit immer das Merkmal der FDP?

Lindner: Nein! Deshalb sind wir auch aus dem Bundestag abgewählt worden und sind aus den Schlagzeilen verschwunden. Doch wir haben die Zeit genutzt und uns erneuert. Seriosität und Sachlichkeit haben bei der FDP wieder Einzug gehalten. Und gerade in der aktuellen Situation ist eine liberal agierende Partei bitter notwendig. Gäbe es die FDP nicht, müsste man sie jetzt erfinden.

Auch als Gegenentwurf zur Alternative für Deutschland?

Lindner: Aus meiner Sicht kann man die AfD-Wähler in drei Gruppen einteilen: Zum ersten in Bürger, die fassungslos darauf reagierten, dass der Rechtsstaat im vergangenen Jahr zeitweise die Kontrolle verloren hat. Dies kann ich nachvollziehen. Die zweite Gruppe bilden notorische Hilfssheriffs mit dauerhaft schlechter Laune. Doch die dritte Gruppe besteht aus Menschen mit einer harten autoritären und völkischen Ausrichtung. Damit kann ich nun gar nichts anfangen. Ich bin aber davon überzeugt, dass man die AfD mit Argumenten sehr gut stellen kann. Denn Lösungen hat diese Partei bisher noch für kein Problem aufgezeigt. Viel mehr wollen sie zum Beispiel die sogenannte Flüchtlingskrise gar nicht lösen, denn damit würden sie sich ja überflüssig machen.

Ihre Ziele für 2017?

Lindner: Politikwechsel sowohl im Bund als auch im Land: Nordrhein-Westfalen wird seit sieben Jahren weit unter seinen Möglichkeiten regiert. Und auf Bundesebene wird das Saatgut fleißig verteilt, statt Deutschland zukunftsfähig zu machen.

Was erwarten sie hinsichtlich der Wahlkämpfe?

Lindner: Die werden nicht zuletzt auf Grund der sozialen Medien härter werden als in der Vergangenheit. Wir müssen mit massiven Versuchen fremder Mächte rechnen, die durch gezielte Desinformationen bestimmte Interessen durchsetzen wollen. Deshalb wird eines ganz wichtig werden: Nerven bewahren!

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