Eschweiler - César-Franck-Duo im Ratssaal: Eine ungewöhnliche Kombination

César-Franck-Duo im Ratssaal: Eine ungewöhnliche Kombination

Von: ran
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Nicht nur ungewöhnlich, sondern ungewöhnlich gut: das César-Franck-Duo mit Nicole Schillings und Oliver Drechsel. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Saxophon? Keine Frage: Jazz und Swing! Aber Saxophon und Klassik? Aber sicher doch! Der Beweis erfolgte am Sonntagvormittag im Ratssaal des Rathauses, wo die Verantwortlichen der Franz-Liszt-Gesellschaft Eschweiler das César-Franck-Duo präsentierten.

Nicole Schillings am Alt-Saxophon und Pianist Oliver Drechsel machten auf beeindruckende Art und Weise deutlich, dass auch diese ungewöhnliche Kombination von Instrumenten einen musikalischen Hochgenuss bieten kann.

„Das Saxophon wurde im Jahr 1840 vom Belgier Adolphe Sax erfunden und im Jahr 1846 in Paris patentiert. Es ist also ein junges Instrument, das auch deshalb nur selten Einzug in die klassische Musikwelt gefunden hat. Äußerlich eher an ein Blechblasinstrument erinnernd, gehört es in Wirklichkeit zur Familie der Holzblasinstrumente, da sein Ton mit der Hilfe eines Rohrblatts erzeugt wird“, ließ mit Günther Wopperer der Vorsitzende der Franz-Liszt-Gesellschaft die Gäste zur Begrüßung wissen.

„Mit diesem Konzert möchten wir den Freunden der klassischen Musik aber die Bedeutung, die das Saxophon für die Klassik inzwischen dennoch erreicht hat, näher bringen“, schloss er seine Ausführungen, um den Interpreten Gelegenheit zu geben, die Musik sprechen zu lassen.

„Der Liebestraum Nr. 3“

Auf Bitte von József Ács, dem musikalischen Leiter der Franz-Liszt-Gesellschaft, starteten Nicole Schillings und Oliver Drechsel mit einem der bedeutensten Werke des Namensgebers der indestädtischen Gesellschaft: „Der Liebestraum Nr. 3“ von Franz Liszt erklang als Hommage an den ungarischen Komponisten in einer bearbeiteten Form, die dem Original in Gesangsversion sehr nahe kam. Mit melodisch-fließenden Klängen nahmen Nicole Schillings und Oliver Drechsel ihre Zuhörer gleich mit in andere Sphären.

Dann widmete sich das Duo dem Komponisten, dessen Namen es trägt: César Franck. Der französische Komponist deutsch-belgischer Abstammung, dessen Mutter aus Aachen stammte, komponierte seine „Sonate A-Dur“ im Jahr 1886 ursprünglich für Violine und Klavier. „Doch das Saxophon verfügt über derart viele Klangfarben, dass wir uns zutrauen, dieses große kammermusikalische Werk zu interpretieren“, betonte Oliver Drechsel, bevor der Pianist gemeinsam mit Nicole Schillings das melancholisch feinfühlige „Allegretto moderato“, das heftig und intensiv fordernde „Allegro“, das verspielte „Recitativo – Fantasie“ und abschließend das schnelle und heitere „Allegretto poco mosso“ der Sonate auf den Punkt brachte.

Der Beginn des zweiten Konzertteils stand dann mit Manuel de Fallas „Suite populaire espagnole“ im Zeichen des Lieds. Während der sechssätzigen Suite konnten die beiden Musiker nahezu die gesamte Gefühlstonleiter spanischer Klangfülle von temperamentvoll und mächtig donnernd über melancholisch schwermütig bis hin zu leichtfüßig, heiter und fröhlich zelebrieren. Die fünf „Danses exotiques“ von Jean Francaix machten anschließend ihrem Namen alle Ehre.

„Dabei bewegen wir uns in manchen Sequenzen nicht weit entfernt von der Atonalität“, „warnte“ Oliver Drechsel die Zuhörer vor. Was nicht notwendig gewesen wäre, denn mit „Pambiche“, „Baiao“, „Mambo“, „Samba lenta“ und „Merengue“ brachte das César-Franck-Duo lateinamerikanisches Flair in den von der Maisonne durchfluteten Ratssaal. Die Suite „Scaramouche“ von Darius Milhaud brachte weiteren „Pfiff“ mit der schönen, schnellen und lebhaften „Vif“, dem träumerischen „Modéré“, bevor die abschließende „Brazileira“ laut Oliver Drechsel einen vielversprechenden „Vorboten der Fußball-Weltmeisterschaft“ wiederspiegelte.

Zu wenige Besucher

Vehementer Applaus der leider nur recht wenigen Zuhörer belohnte die beiden Musiker, die eine größere Resonanz verdient gehabt hätten. Doch auch davon ließen sich Nicole Schillings und Oliver Drechsel nicht aus der Fassung bringen.

Im Gegenteil: Das César-Franck-Duo präsentierte seinem Publikum eine wohlklingende Rarität als Zugabe. Denn die „Aria“ von Eugène Bozza ist im Original tatsächlich für Saxophon und Klavier komponiert.

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