Büttenredner Alfred Wings: Von Backenzähnen und Kinderkommunion

Von: Sonja Essers
Letzte Aktualisierung:
6760092.jpg
Alfred Wings ist den Indestädtern vor allem als Büttenredner „Der Lange“ bekannt. In seinen Reden behandelt er alltägliche Situationen wie die Kinderkommunion oder den Besuch beim Zahnarzt. In diesem Jahr stellte er zum ersten Mal eine Weihnachtsrevue auf die Beine. Foto: Sonja Essers

Eschweiler-Dürwiß. Seit 1997 begeistert Alfred Wings als „Der Lange“ Karnevalisten in der ganzen Region. In diesem Jahr hat der 50-Jährige gemeinsam mit seinen Büttenrednerkollegen Helmut Schröders und Hedwig Sieberichs zum ersten Mal eine Weihnachtsrevue auf die Beine gestellt. Im Interview erklärt der Polizeibeamte, wie es zu dieser Idee kam, warum er seine Reden grundsätzlich im Urlaub schreibt und warum seine Requisiten nicht immer etwas mit seinem Bühnenprogramm zu tun haben.

Herr Wings, Sie sind den Indestädtern vor allem als Büttenredner im Karneval bekannt. In diesem Jahr haben Sie jedoch zum ersten Mal mit einer Weihnachtsrevue begeistert. Wie entstand diese Idee?

Wings: Helmut Schröders, Hedwig Sieberichs und ich hatten uns zu diesem Projekt im Sommer entschlossen. Wir kennen uns seit gut zehn Jahren und uns verbindet mittlerweile eine Freundschaft. Das erkennt man auch daran, dass man Karnevalsvereinen, die anrufen, um einen zu buchen, die Nummern von qualifizierten Rednern weitergibt, wenn man selbst an diesem Abend schon Auftritte hat.

Wie haben Sie sich auf Ihre Weihnachtsrevue vorbereitet? Wie sah die Probenarbeit aus?

Wings: Seit den Sommerferien haben wir uns ungefähr 15 bis 20 Mal getroffen. Diese Leichtigkeit des Seins auf der Bühne entsteht schließlich nur, wenn man auch eine gute Vorarbeit leistet. Und unsere eigenen Ansprüche waren sehr hoch, ich glaube, dass wir gerade deshalb auch so oft geprobt haben. Man könnte das Ganze mit einem Theaterstück vergleichen mit verschiedenen Rollen.

Haben Sie aus dieser Erfahrung denn etwas mitgenommen?

Wings: Ich denke, dass wir alle von dieser kreativen Gemeinschaftsarbeit profitiert haben und dass der eine vom anderen etwas mitgenommen hat. Schließlich standen drei unterschiedliche Rednertypen auf der Bühne. Der Reimredner Wings war eher der seriöse Part, Engel Hettwich kokettiert mit ihrem Gewicht und Helmut Schröders hat eine wirklich gute Stimme.

Der Gesang kam an diesem Abend auch nicht zu kurz.

Wings: Das stimmt. Man kann kein zweistündiges Programm auf die Bühne bringen ohne Gesang.

War das für Sie ungewohnt?

Wings: Ich bezeichne mich selbst nicht als guten Sänger, aber ich kann schon einen Ton halten. In meinem Karnevalsprogramm baue ich ja auch immer wieder kleine Gesangspassagen ein und während meiner Prinzenzeit gehörte das Singen auch dazu. Vor vier Jahren haben ich mit dem Eschweiler Paul Santosi dann noch ein weiteres Projekt begonnen. Er hat Mundarttexte von mir vertont. Das zeigt, dass ich nicht nur die Reden im Karneval nutze, sondern seit Jahren auch über den Tellerrand schaue. Die Sprache ist ein unglaubliches Instrument des Alltäglichen. Allein durch meinen Job bei der Kripo bin ich dafür sensibilisiert, in bestimmten Situationen die richtigen Worte zu finden.

Wie schaffen Sie denn grundsätzlich den Spagat zwischen Ihrem Job und den Auftritten? Gibt es auch Momente in denen Ihnen das Lustigsein schwerfällt?

Wings: Manchmal ist es wirklich nicht einfach, aber ich brauche die Auftritte, um mich zu entspannen und abzulenken. Wenn ich auf der Bühne stehe, empfinde ich einfach Spaß und Freude.

Wie bereiten Sie sich auf die Session vor? Wann schreiben Sie Ihre Reden?

Wings: Das mache ich im Urlaub am Gardasee. Wenn meine Kinder am See liegen, sitze ich im Schatten, schaue auf den See und schreibe meine neue Rede. Andere Leute lesen im Urlaub Bücher und ich schreibe meine Reden.

Und worum geht es in Ihren Reden?

Wings: Ich versuche Alltagssituationen aufzugreifen. Wenn du es schaffst, dass das Publikum sich darin erkennt und du dich selbst auch noch auf die Schippe nimmst, dann hast du gewonnen. Da ich Vater von vier Töchtern bin, rede ich über das, was sich im Alltag an Problemen ergibt.

Können Sie dafür einige Beispiele nennen?

Wings: Als meine Tochter den Führerschein mit 17 Jahren gemacht hat, habe ich Blut und Wasser geschwitzt. Darüber habe ich dann später eine Rede geschrieben. Oder über einen Besuch beim Zahnarzt, bei dem ich einen Backenzahn verloren habe. Dieses Erlebnis habe ich auch in einer meiner Reden verarbeitet. Im Moment bastel ich an einer Rede über den Ausflug der Jugendabteilung der Narrengarde ins Phantasialand.

Und da gibt es ja noch Ihre berühmte Rede über die Kinderkommunion.

Wings: Genau. Das ist ein Klassiker (lacht). Die ist 2003 nach der Kinderkommunion meiner Tochter entstanden. Wenn ich auf Veranstaltungen in Heinsberg oder in der Eifel auftrete und ich dort schon längere Zeit nicht mehr war, kann es passieren, dass das Publikum ruft: „Kinderkommunion“.

Was ist das Besondere an dieser Rede?

Wings: Die Rede lebt von der Aktion und Reaktion des Publikums. Wenn du es schaffst, dass die Leute im Saal mitbrüllen, dann ist das schon eine ganz besondere Situation.

Wie kam es überhaupt dazu, dass Sie Büttenredner geworden sind?

Wings: Ich habe schon in der fünften Klasse Gedichte geschrieben und gern den Klassenclown gespielt. In der Grundschule stand ich schon vorne im Bus und habe Lieder aus der Hitparade gesungen. Außerdem habe ich als Jugendlicher Theaterstücke geschrieben, die dann auch hier in der Pfarre in Dürwiß aufgeführt worden sind. Mit Mitte 30 habe ich dann gedacht: „Eigentlich könntest du jetzt noch mal loslegen.“

Wie ging es dann weiter?

Wings: In Aachen gab es damals eine Büttenrednerschule. Da saßen Herren aus dem Theater und Persönlichkeiten aus dem Aachener Karneval, die mir allerhand über Mimik und Gestik beigebracht haben. Es war gut, dass ich außerhalb Eschweilers meine ersten Karnevalsschritte lernen konnte.

Wieso war das wichtig?

Wings: Bei jungen Rednern treten häufig Probleme auf, wenn sie aus der Nestwärme der eigenen Gesellschaft heraustreten. Dann ist der Welpenschutz weg und man erlebt oft kritische Situationen. Das ist einer der Gründe dafür, dass es heute so wenig Redner gibt.

Sie unterstützen auch junge Redner aus Eschweiler.

Wings: Ich bin Pate für Redner, die mit Reimreden ankommen. Ich habe auch mit Stefanie Bücher ihre Reden besprochen. Solche Leute wie sie und Jonas Wintz sind unheimlich wertvoll. Wenn du die nicht bei der Stange hältst, laufen wir Gefahr, dass es in 20 Jahren Karnevalsveranstaltungen ohne Redner gibt. Aber das ist nicht das einzige Problem. Wirst du gebucht, ist es egal, mit welchem Herzblut du auf die Bühne gehst, du hast deine Leistung abzuliefern. Auch wenn man krank ist. Da muss man sich dann durchschleppen.

Ist Ihnen das schon einmal passiert?

Wings: Ich bin mal mit einer Magen-Darm-Grippe auf die Bühne gegangen. Dann hatte ich einen Eimer dabei und das Publikum dachte, dass der zum Programm dazugehört. Dabei war mir einfach nur schlecht (lacht).

Wann geht für Sie die Session wieder los?

Wings: In Eschweiler ist die Session immer auf sechs Wochen begrenzt, im Umland ist das anders. Ab der zweiten Januarwoche bin ich wieder unterwegs und hoffe, dass ich gute Auftritte habe, alle Auftritte wahrnehmen kann und von einer Erkältung verschont bleibe.

Bevor es aber wieder so richtig losgeht, steht heute noch einmal Weihnachten auf dem Programm.

Wings: Das stimmt. Wir geben eine Zusatzveranstaltung unserer Weihnachtsrevue in der Gaststätte „Beim singenden Wirt“ in Heinsberg.

Interessierte können einige Restkarten für den Preis von zehn Euro bei Alfred Wings unter Telefon 54260 erwerben.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert