Eschweiler - Blues-Gitarrist Eric Steckel überzeugt im Talbahnhof

Blues-Gitarrist Eric Steckel überzeugt im Talbahnhof

Von: vr
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„Blues meets Rock”: Der 20 Jahre junge Bluesgitarrist Eric Steckel aus den USA machte dem Namen der Musikreihe im Talbahnhof mit seinem virtuosen Gitarrenspiel alle Ehre. Foto: Volker Rüttgers

Eschweiler. Am Ende dröhnt es in den Ohren, und das gute Gefühl im Bauch bestätigt: „Das war Blues, echter Blues, aber verpackt in einem Rock-Hurricane”. Aus dem Wunderkind an der Gitarre, dem jüngsten „Bluesbreaker”, ist längst ein gestandener Bluesman geworden, mit eigenem Sound und einer eigenen musikalischen Identität.

Eric Steckel ist erst 20 Jahre alt und gilt bereits als Legende im Bluesgeschäft, die dem Eschweiler Talbahnhof am Dienstag einen Besuch abstattete. Steckels Auftritt machte dem Namen der Musikreihe „Blues meets Rock” alle Ehre und dürfte zum Besten zählen, was in Sachen Bluesrock-Gitarre je dort zu hören gewesen ist.

Eingefleischte Bluesfans werden kritisieren, dass dem jungen Ausnahmegitarristen aus den USA die Muße und der ruhige Groove des Blues fehlen, doch Eric Steckel kann den Blues durchaus, er interpretiert ihn nur auf seine Art und Weise. Die ist laut, schnell und unglaublich virtuos, rockig und verzerrt. Natürlich fehlt Steckel auch die rechte Bluesstimme, obwohl selbige im Vergleich zu seinen ersten Auftritten (noch vor dem Stimmbruch) wesentlich nachgedunkelt ist.

Was der unscheinbare junge Mann im blauen T-Shirt jedoch am Dienstag mit seiner Stratocaster vollbrachte, lässt jede Kritik verblassen, denn dieser Bluesrock-Wirbelsturm zieht wahre Bluesfans am Ende mit sich. Die Augen geschlossen, singt Steckel dann mit seiner Gitarre nicht enden wollende Songs, ohne ein Wort zu sagen.

Nach seinem 2002er Debütalbum „A Few Degrees Warmer” folgte 2003 das Schlüsseljahr für die Karriere Eric Steckels, als er gemeinsam mit John Mayall & The Bluesbreakers nicht nur auf die Bühne, sondern im Anschluss auch auf Tour ging. Supports für Bluesgrößen wie Tommy Castro, Shemekia Copeland und B. B. King folgten, und mit seinem aktuellen Album „Milestone” hat Steckel eine weitere Duftmarke in der Bluesszene gesetzt. „Shaolin Faith” oder auch „Sooner or later” sind beste Beispiele für den reifen Sound Eric Steckels, dessen Melodie dank einfallsreicher und immer wieder überraschender Wendungen, Tempi und Anschlagstechniken nie eintönig klingt.

Seinem hohen Anspruch, möglichst viel von seiner Technik in die Songs einfließen zu lassen, opfert Steckel stellenweise einen eigenen Sound, der sich als roter Faden durch seine Musik ziehen würde. Dafür ist der 20-Jährige viel zu experimentierfreudig und technisch auch zu versiert. Dennoch bleibt er dem Bluesschema als solchem immer treu. Der Blues ist seine Heimat, davon konnte sich auch das Talbahnhof-Publikum überzeugen.

Doch wenn dieser Joe Satriani des Blues Jimi Hendrix´ „Little Wing” spielt, eben ohne Gesang oder Strophen-Refrain-Struktur, dann scheint die Blueswelt für ihn zu klein, und der virtuose Rock bricht durch. Steckel startet Melodielinien, bricht diese wieder ab, nimmt Tempo raus, dreht dann wieder auf und überrascht sein Publikum, das nur noch bewundernd zuhören und genießen kann. Das ist sicher nicht jedermanns Geschmack, vor allem nicht der von Oldstyle-Bluesfans, doch Steckel singt in einem seiner ruhigeren, fast balladiösen Nummern: „I don´t mind”.

Fest steht, dass dieser Ausnahmegitarrist eine atemberaubende Technik hat, schon mit 20 Jahren ein enormes Gespür für die Bluesmusik und bereits als feste Größe in der Szene anerkannt ist. Alles, was Eric Steckel jetzt noch braucht, ist eine Band, die ihn ab und zu wieder einfängt, wenn er mal wieder auf seinen Gitarrenriffs davondriftet, denn dies gelingt der derzeitigen Besetzung mit dem eher farblosen Peter Lewis am Schlagzeug und Sergio Pajarro am Bass leider nicht.
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