Bischöfe berichten: Zerrissenheit zwischen Armut und Gewalt

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Sie berichteten bei einer Begegnung mit Eschweiler Katholiken von ihrer Arbeit in und für Kolumbien: Dr. Markus Büker von der Bethlehem-Mission Immensee, Bischof José Figueroa Gómez, Bischof Guillermo Orozco, der Direktor der Caritas im Bistum Quibdó Padre Luis Carlos Hinojosa Moreno und der Kolumbienbeauftragte des Bistums Aachen Dr. Stefan Dückers (von links)

Eschweiler. Seit 50 Jahren sind die Katholiken im Bistum Aachen und im südamerikanischen Land Kolumbien partnerschaftlich miteinander verbunden. Aber wie viel weiß man wirklich voneinander?

Austausch und Begegnung stehen im Mittelpunkt eines mehrtägigen Besuchs kolumbianischer Bischöfe und Kirchenvertreter im Bistum. In Eschweiler informierte die Delegation sich im St.-Antonius-Hospital über das Gesundheitswesen und schilderte in einer Gesprächsrunde im Gemeindezentrum St. Michael die Rolle der Katholischen Kirche in einem von Drogenhandel und Gewalt zerrissenen Land, das zugleich eine der ältesten Demokratien der Welt ist.

Der Zugang zur Gesundheitsvorsorge ist eines der großen Probleme in Kolumbien. Das Land ist nicht arm, doch der Wohlstand ist extrem ungleich verteilt. Es gebe kaum vorstellbaren Luxus und bittere Armut, und die medizinische Versorgung der Menschen in den Elendsvierteln der großen Städte sei unzureichend, erläuterten Bischof José Figueroa Gómez, Bischof Guillermo Orozco Montoya, Pater Luis Carlos Hinojosa Moreno und Dr. Markus Büker. Der Leiter der Pfarre St. Peter und Paul, Pfarrer Dr. Andreas Frick, hatte sie in Eschweiler willkommen geheißen. Gemeinsam mit Krankenhausseelsorger Christoph Graaff besuchte die Gruppe das Herzkatheter-Labor und die neue Dialysestation des Krankenhauses, dessen Träger die Pfarre St. Peter und Paul ist.

Bevölkerung schützen

Die Gäste aus Kolumbien, die von Dr. Stefan Dückers, Kolumbienbeauftragter des Bistums Aachen, und Pastoralreferent Thomas Hoogen begleitet wurden, trafen sich am Abend mit Mitgliedern der Pfarrgemeinde zu einem Gottesdienst im Gemeindezentrum St. Michael. Bischof Montoya zelebrierte die Messe gemeinsam mit den Eschweiler Priestern in deutscher Sprache. Auf Spanisch wünschte Dr. Frick, dass „uns noch mehr ans Herz wächst, was die Schätze Kolumbiens an kirchlicher Erfahrung und kirchlicher Tapferkeit sind”. Die kamen dann in einer informativen Gesprächsrunde zur Sprache, moderiert von Hans Coenen vom Eschweiler Forum „Gott und die Welt”.

Die beiden Bischöfe und Padre Luis Carlos Hinojosa Moreno, der in seiner Diözese für die Caritasarbeit verantwortlich ist, sowie Dr. Markus Büker, Theologe bei der Bethlehem Mission Immensee in Bogotá, schilderten die Strukturen in ihren jeweiligen Bistümern und ihre pastoralen Schwerpunkte. Im Bistum Quibdó ist die Mehrheit der Bevölkerung afrikanischer Abstammung, wie Padre Moreno berichtete. Eine der Hauptaufgaben neben Gesundheitsfürsorge und Bildungsarbeit liege darin, die Bevölkerung in ihrem Widerstand gegen die großen transnationalen Konzerne zu unterstützen, die sie von ihrem Land vertreiben, um die Bodenschätze auszubeuten.

2000 Morde nachgewiesen

Der Schwerpunkt seiner Arbeit im Bistum Girardota sei die kontinentale Mission, sagte Bischof Montoya. Die Verkündigung sei früher mehr auf die Sakramente als auf den lebenden Glauben ausgerichtet gewesen, viele Mitglieder der Kirche seien nur Taufchristen. Dies versuchte man nun zu ändern.

Im Bistum Granada im Südosten Kolumbiens kämpft Bischof Gómez vor allem mit der Gewalt durch den Konflikt zwischen Militär, Paramilitärs und Guerilleros. Die bäuerliche Bevölkerung sei verarmt. „Es sind gute Leute, die daran gehindert werden, ihre Felder zu bestellen”, erzählte er. Die bewaffneten Auseinandersetzungen vertreiben die Bauern von ihrem Land. Zudem versuchen Guerilla-Gruppen ebenso wie die Paramilitärs ständig, Kinder und Jugendliche für ihre Kämpfe zu rekrutieren. Und schließlich stünden die Bauern unter dem Generalverdacht des Militärs, diese Gruppen zu unterstützen.

In 2000 Fällen sei nachgewiesen, dass Männer aus Bauernfamilien vom Militär entführt und getötet wurden, um so Erfolge im Kampf gegen Guerilleros vorzutäuschen. Der Bischof zeigte den Zuhörern in St. Michael ein Plakat mit den Gesichtern von 148 Menschen, deren Leichen wurden auf drei Friedhöfen entdeckt und exhumiert wurden. In dieser schwierigen Situation seien sie als Seelsorger tätig. Sie seien bemüht, Hoffnung und Kraft aus ihrem Glauben zu schöpfen und ihre Arbeit mit Freude zu tun.

Mit Armut, Gewalt, Kriminalität wird auch Markus Büker in seiner Arbeit in der Neun-Millionen-Stadt Bogotá konfrontiert: „Unter den Menschen, die in die Stadt flüchten, herrscht großes Misstrauen, soziale Netze müssen wieder neu geknüpft werden.” Ihr Ansatz sei, den Glauben immer wieder am Leben der Menschen festzumachen. Als positiv beschrieben alle vier, dass die Regierung die Rolle der Kirche immer mehr anerkennt. Die Regierung habe die Kirche jetzt gebeten, im Friedensprozess eine aktive Rolle zu übernehmen.

Priester getötet

Gibt es auch Bischöfe, die es mit den Herrschenden besser können als mit den Armen, wollte Hans Coenen wissen. Padre Moreno beschrieb als Antwort ein Bild, das in der Kathedrale von Quibdo hängt. In der Mitte der auferstandene Christus mit einem Buch in der Hand, in dem steht „Die Wahrheit wird euch frei machen”. Hinter ihm liegen die zerrissenen Ketten der Sklaverei, und vor ihm ist die große Sonne, die die Freiheit symbolisiert: „Dieses Bild ist ein Bild der Kirche Kolumbiens.” Und Dr. Markus Büker fügte an, dass seit 1984 fünf Bischöfe entführt, drei Bischöfe und 79 Priester ermordet worden seien: „Wenn ein Dorf vertrieben wird, ist der Priester der letzte, der geht.”

Diese Schilderungen führten schließlich zur Frage nach der Befreiungstheologie. In den 70er Jahren bestimmte diese Bewegung mit ihrem Einsatz für Arme und Entrechtete die Diskussion um die Kirche in Lateinamerika. Gibt es sie noch, nachdem der Vatikan sich gegen diese Richtung gewandt hat und führenden Vertretern die Lehrbefugnis entzogen hat? Der Boom der befreiungstheologischen Rede sei zurück gegangen, war die Antwort, „doch in den Zonen, die stark betroffen sind von den Konflikten in unserem Land, ist die Realität der Befreiungstheologie da.”
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