Eschweiler - Bienendrama stört das Gleichgewicht

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Bienendrama stört das Gleichgewicht

Von: Guido Jansen
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Eine Königin und ihr Volk: TÀ
Eine Königin und ihr Volk: Täglich legt die Bienenkönigin bis zu 2000 Eier. Dass täglich ebensoviele sterben ist normal - doch in diesem Jahr sind es Foto: Guido Jansen (2), imago (4)

Eschweiler. Das Massensterben ist Albert Müller gewohnt. Die Königin eines Bienenvolks legt täglich bis zu 2000 Eier. Und genauso viele Bienen sterben jeden Tag. Dieses Gleichgewicht ist im Moment jedoch massiv gestört. „30 Prozent meiner Bienen sind eingegangen. Das habe ich noch nie erlebt”, sagt Müller, der der Vorsitzende des Bienenzuchtvereins Eschweiler ist.

Und er weiß, dass es vielen seiner Kollegen ähnlich geht. Die genauen Gründe, warum alle Imker und deren Bienen derzeit zu kämpfen haben, sind noch nicht genau bekannt. Es könnte mit dem Nervengift zu tun haben, das die Landwirte auf ihren Feldern verspritzen, um beispielsweise den Raps vor seinen Schädlingen zu schützen.

Vermutlich spielt aber das verrückte Klima die Hauptrolle im Bienendrama der vergangenen Monate. Der zurückliegende Sommer war fast so nass und kalt wie der aktuelle. Das ist schlecht für die Bienen, vor allem im Hochsommer. Dann nämlich versuchen die Imker, dem größten Feind der fleißigen Insekten zu Leibe zu rücken. Varroa-Milbe heißt der Schädling.

Kann sich die Milbe ungehindert ausbreiten, dann geht das Bienenvolk zu Grunde. Deswegen behandeln der passionierte Imker aus Eschweiler und seine Kollegen die Bienenvölker im Sommer mit Ameisensäure. Ist der Sommer jedoch zu kalt, verdampft die Säure im Bienenstock nicht genügend und zu viele Milben-Eier überleben. Der Brut-Befall im Winter ist dann besonders groß, ein Massensterben kann die Folge sein.

Das nächste Klima-Problem für Bienen und Imker war der heiße Frühling. Ersten hemmt er das Wachstum der Pflanzen. Das bedeutet im Umkehrschluss weniger Blüten, die die Bienen anfliegen können. „Dieser Frühjahr war von den Temperaturen wie ein Sommer”, blickt Albert Müller zurück. Und das hatte unter anderem zur Folge, dass die Blütezeit kürzer und intensiver war. Die klassische Reihenfolge, dass beispielsweise Raps vor der Akazie blüht, verschwindet immer mehr. „In diesem Jahr blühte alles auf einmal”, erklärt der 75-Jährige, warum nicht nur die Imker aus Eschweiler weniger reinen und mehr Misch-Honig anbieten müssen.

Für dieses Jahr ist die Honig-Ernte gelaufen. „Mitte Juli ist meistens Schluss. Danach fliegen die Bienen bei gutem Wetter zwar munter weiter, sie finden aber nicht mehr viel”, schildert Albert Müller, dessen Vater schon Imker war, die Lage.

Im Flugverkehr dürften die Bienen dieser Tage vielen Wespen begegnen.Wespenköniginnen gründen ihre Völker neu und sind zu Beginn für den Nestbau und das Füttern der Larven zuständig. „Normalerweise haben sie im Frühjahr wegen des unbständigen Wetters Probleme, genügend Nahrung zu finden”, sagt Biologe und Imker Dr. Bruno Weyers aus Aachen.

Viele Wespen, wenig Nahrung

Deswegen würden viele Wespenvölker früh eingehen. Der zurückliegende Frühling war beständig warm. „Darum gibt es im Moment sehr viele Wespen. Mehr als sonst”, so Wespen-Experte Weyers. Die beiden Wespen-Arten, die die größten Völker bilden, sind die gewöhnliche und die deutsche Wespe. Während andere Wespenvölker aus 100 bis 300 Insekten bestehen, kann die Zahl mehrere tausend Tiere stark sein. Beide Arten sind jetzt erst auf dem Höhepunkt der Vermehrung, während die sechs anderen schon weniger werden. Gleichzeitig wird die Nahrung knapp.

Die Wespen merken das und sind daher besonders hartnäckig, wenn sie Nahrung gefunden haben. „Deswegen empfinden viele Menschen sie als aggressiv”, erklärt Weyers. Dabei fliegen die Insekten vor allem auf Süßes. Das dürfte Jedem in Eschweiler, der dieser Tage picknicken will, schon aufgefallen sein. Bis November oder Dezember kann die Wespenzeit dauern. Dann sterben alle Tiere bis auf die Königin. Nestbau und Aufzucht beginnen dann von Neuem.

Grund zur Angst vor Wespen-Stichen sieht der promovierte Biloge in den meisten Fällen nicht. Zum einen stechen Wespen in den allermeisten Fällen erst, wenn sie sich bedroht fühlen. Zum anderen sei der Stich zwar schmerzhaft und ziehe eine Schwellung und einen Juckreiz nach sich. Aber gefährlich sei er nicht. Anders sehe das bei Menschen aus, die allergisch auf eines der drei Eiweiße im Gift der Wespe reagieren. Weyers rät Personen, die von ihrer Allergie wissen, dazu, ein Notfallset in Reichweite zu haben.

„Noch besser wäre es, eine Desensibilierung zu machen. Denn sonst lebt man in ständiger Gefahr”, so Weyers. Dabei werden Allergiker in zunehmenden Dosen an das Gift gewöhnt.
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