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Bessere Wasserqualität: Blausteinsee Gmbh ist zuversichtlich

Von: Tobias Röber
Letzte Aktualisierung:
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Die Labortests lassen die Blausteinsee GmbH hoffen, dass der See besser eingestuft wird. Foto: stock/Ipon

Eschweiler-Dürwiß. Der Blausteinsee: Kleinod, Freizeitmagnet und seit dem vorigen Jahr mit der Note „Mangelhaft“ in Sachen Badegewässer-Qualität belegt. Dieses „Mangelhaft“ soll weg. Es gab etliche Maßnahmen: Eine Frischluftschneise, ein Fütterungsverbot für Wasservögel und neue Mülltonnen. Seit Anfang Mai finden wöchentliche Proben (bislang wie vorgeschrieben etwa monatlich) statt, um die Qualität zu prüfen. Die Ergebnisse kann jeder im Internet sehen. Aber was genau verbirgt sich hinter den für Laien teils komplizierten Begriffen?

Seit über 30 Jahren wird die Qualität der Badegewässer nach der europäischen Badegewässerrichtlinie geprüft. 2006 wurde die Richtlinie komplett überarbeitet. Mit der Richtlinie hat die Europäische Union einen EU-weit flächendeckenden Schutz für das Baden in den Binnen- und Küstengewässern eingeführt. Die neuen europäischen Regelungen wurden 2008 von Bund und Ländern in nationales Recht umgesetzt.

Die aktuelle Badegewässerverordnung stammt aus dem Jahr 2012. Die nordrhein-westfälische Badegewässerverordnung orientiert sich dabei eng an den europäischen Vorgaben. Nach den Regeln der Richtlinie wird die Qualität eines Badegewässers anhand der Daten aus den zurückliegenden vier Jahren beurteilt.

Die Einstufung des Gewässers erfolgt nach einem Abgleich mit den Grenzwerten. Die Bewertung nimmt die EU vor. Auftraggeber der Proben am Blausteinsee ist die Städteregion, die Geotaix Umwelttechnologie GmbH aus Würselen nimmt diese.

Es gibt für die Messungen natürlich genaue Vorschriften: So müssen die Proben 30 Zentimeter unter der Wasseroberfläche bei einer Wassertiefe von mindestens einem Meter entnommen werden. Im Labor wird auf verschiedene Parameter untersucht.

Transparenz: Die Sichttiefenprüfung erfolgt mit einer sogenannten Secchi-Scheibe (benannt nach dem italienischen Universalgelehrten und Jesuitenpater Angelo Secchi). Im Blausteinsee lag dieser Wert bei den Messungen bei den Proben zwischen 1,20 und 2,50 Meter. Für die Einstufung ist dieser Parameter unerheblich.

pH-Wert: „Ein pH-Wert zwischen 6,5 und 8 ist für ein Freilandgewässer vollkommen in Ordnung“, sagt Dr. Jörg Eckert vom Gesundheitsamt, Abteilung Hygiene- und Umweltmedizin, der Städteregion Aachen. Genau in diesem Bereich bewegt sich der Wert im Blausteinsee.

Elektrische Leitfähigkeit: Bei diesem Parameter wird die Konzentration der gelösten Ionen im Wasser angegeben. Je mehr Stoffe (z. B. Salze) gelöst sind, desto höher ist die Leitfähigkeit. Ein „gut“ oder „schlecht“ gibt es bei diesem Parameter nicht. Für die Einstufung ist dieser Wert ebenfalls unerheblich.

Coliforme Keime: Dieser Wert wird am Blausteinsee mal bestimmt, mal nicht. Das liegt daran, dass er für die Einstufung unerheblich ist. Coliforme Keime gehören seit 2008 nicht mehr zu den Parametern zur Beurteilung der Badegewässergüte. Sie stellen Indikatoren für eine unspezifische Verunreinigung dar, da sie sowohl Umweltkeime als auch fäkalen Ursprungs sein können.

Escherichia coli (E. coli) und Intestinale Enterokokken: Um Auskunft über den Grad der fäkalen Verunreinigung geben zu können, werden diese gesundheitlich relevanten Parameter untersucht. Beides sind Darmbakterien, die – als natürliche Darmbewohner von Mensch und Tier – mit Ausscheidungen in das Badegewässer gelangen und bei erhöhten Konzentrationen zu Krankheiten wie Übelkeit oder Durchfall führen können.

Im gesamten Prüfzeitraum 2013 lagen diese Werte unter den Grenzwerten, die zu einem Badeverbot führen würden (700 pro 100 ml bei den Intestinalen Enterokokken und 1800 pro 100 ml bei den E. coli). Meistens deutlich, bei der bislang letzten Messung am 5. September wurden 490 E.-coli-Bakterien pro 100 ml nachgewiesen. Das ist der höchste Wert für die gesamte Badesaison.

Die Ausscheidungen von Wasservögeln wurden als ein Hauptproblem ausgemacht, weshalb es auch das Fütterungsverbot für Wasservögel gibt. Aber warum ist die Zahl des Grenzwertes für ausreichende Qualität (900) niedriger als die des Wertes für gute Qualität (1000)? Das liegt an einer recht komplizierten mathematischen Berechnung.

Die Berechnung erfolgt auf Grundlage sogenannter Perzentilwerte (Zehntelwerte). Mit der statistischen Auswertung der Probenwerte der vergangenen vier Jahre wird der Wert ermittelt, den voraussichtlich 90 oder 95 Prozent aller Proben für dieses Gewässer unterschreiten werden. Die Grenzwerte für ausgezeichnete und gute Qualität wurden auf der Grundlage einer 95-Perzentil-Bewertung festgesetzt, der Grenzwert für ausreichende Qualität auf der Grundlage einer 90-Perzentil-Bewertung.

Ist etwas kompliziert, und für den Badegast und die Behörden ist das wichtigste, dass das „mangelhaft“ verschwindet. „Das kann frühestens zur nächsten Badesaison geschehen“, sagt Dr. Jörg Eckert. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz wird nach Ende dieser Badesaison einen Bericht verfassen und diesen an die EU schicken. Ob die Note dann geändert wird, hängt von einer Berechnung der Werte ab.

Die gemessenen Werte geben Anlass zu zumindest vorsichtigem Optimismus. „Die Blausteinsee-GmbH geht davon aus, dass der See im kommenden Jahr besser bewertet wird“, sagt Hermann Gödde von eben der Blausteinsee GmbH. Der Grund für diese Hoffnung: Die Werte der für die EU relevanten Parameter Escherichia coli und Intestinale Enterokokken seien bei den Messungen unter den Grenzwerten geblieben.

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