Berührende Songs, bekannte Lieder: Klaus Lage kommt in den Talbahnhof

Von: Rudolf Müller
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Gute Musik und intelligente Texte sind seit jeher das Aushängeschild von Klaus Lage. Am Donnerstag kommender Woche ist er mit seinem Soloprogramm „Zeitreisen“ im Talbahnhof zu erleben.

Eschweiler. Eigentlich sollte er Großhandelskaufmann werden. Doch dazu hatte der junge Mann aus Soltau in der Lüneburger Heide bald keine Lust mehr. Er ging nach Berlin, arbeitete als Erzieher und Sozialarbeiter. Und fand seine große Leidenschaft in der Musik.

Rund 40 Jahre und zwei Dutzend Alben ist das jetzt her. 40 Jahre, in denen Klaus Lage Dutzende von Hits produziert, sich bei Schimanski als Schauspieler und in „Stars“ als Musical-Hauptdarsteller ausprobiert, für Joe Cocker komponiert, mit Jazz-Posaunist Albert Mangelsdorff gespielt und etliche Hörbücher eingelesen hat.

Jetzt kommt der Mann, der mit „Tausend und eine Nacht“, „Monopoli“, „Faust auf Faust“ und vielen anderen Songs die Charts eroberte und aus der deutschen Musikszene nicht wegzudenken ist, nach Eschweiler. Am Donnerstag, 21. November, ist er zu Gast im Talbahnhof. Am Dienstag erreichten wir ihn in seiner Wahlheimat Bremen zu einem Gespräch.

Herr Lage, wie ist die Lage?

Klaus Lage: Gut. Ich habe gerade ein paar Tage Pause. Die ersten beiden Wochen der Tour sind rum. Es läuft gut, es macht Spaß, es ist herrlich! Das Soloprogramm ist sicher ein bisschen was anderes, als die Leute von mir kennen. Aber ich finde es immer wieder schön, sich Kreise schließen zu lassen. Ende der 70er Jahre war ich ja auch allein auf Tournee.

Wenn man seit gut 40 Jahren auf der Bühne steht, denkt man da mit inzwischen 63 nicht mal an Vorruhestand?

Klaus Lage: Natürlich – ab und zu. Aber solange meine Stimme noch da ist und die Finger mitmachen, gibt es keinen Grund, aufzuhören. Es gibt wenig Schöneres im Leben, als auf der Bühne zu stehen und seine Lieder zu singen. Ich fühle mich gut!

Ihre Hits sind längst Klassiker. Und neben den bekannten gibt es ja einige hundert Songs, die vielen nicht so geläufig sind. Haben Sie ein persönliches Lieblingsstück?

Klaus Lage: Nein, sicherlich nicht. Es gibt allerdings eine interne Top 5 von Songs, die ich auf jeder Tour und in möglichst jeder Besetzung spiele. Und da deckt sich der Geschmack des Publikums weitestgehend mit meinem eigenen: Zwei oder drei der Songs, die die Leute immer wieder hören wollen, zählen auch zu meinen Kandidaten für eine persönliche Top 5. Andererseits gibt es auch ein paar Nummern, die ich irgendwann geschrieben habe, die aber heute durch den Rost fallen. Die reproduziert man dann eben nicht mehr. Es gibt aber kein Stück, von dem ich sagen würde: Das spiele ich auf keinen Fall mehr! Auch die tausendmal gespielten großen und kleinen Hits nehme ich persönlich immer gern ins Programm, spiele sie aber anders als früher. Anders, aber nicht weniger intensiv.

Was hört Klaus Lage, wenn er nicht Klaus Lage hört?

Klaus Lage (lacht): Klaus Lage hört relativ selten Klaus Lage. Die Stücke hört man schließlich im Studio Dutzende Male, und vor Touren höre ich mich immer mal wieder rein. Ansonsten: querbeet. Ich bin immer wieder dankbar für Tipps von Freunden, die mich auf gute Musik hinweisen. Zu Hause läuft das Radio oder je nach Stimmung auch Klassik oder Jazz. Rock und Pop sowieso. Free Jazz allerdings ist nicht so mein Ding. Schön groovy muss es sein. Jetzt in der Vorweihnachtszeit höre ich mir zum Beispiel gerne Chet Baker an – lieber als manches Weihnachtslied.

Sie kommen mit Ihrem Soloprogramm „Zeitreise“ nach Eschweiler, setzen in der Clubatmosphäre des Talbahnhofs auf engen Kontakt zum Publikum, statt Ihre Zuhörer von der großen Bühne aus phongewaltig zu beschallen. Gilt für Sie als gestandenen Rocker nicht der Satz: „60 Jahre und kein bisschen leise“?

Klaus Lage: Für mich gilt: Das eine tun, das andere nicht lassen. Es ist gut, dass ich beide Möglichkeiten habe. Als Liedermacher ist man sicher nicht so impulsiv wie als Band, aber nicht weniger intensiv. Im Januar endet meine Solotour. Im nächsten Jahr werde ich mit der Band wieder auf einigen Festivals spielen. Und eine Studio-CD ist auch in Planung. Mal schauen, was sonst noch möglich ist: Ich hätte Lust, mal etwas mit einer Big Band zu machen. Das bedeutet aber eine Menge Organisation – schließlich hat man nicht mal eben eine Big Band zur Verfügung. Oder vielleicht mache ich etwas mit einer kleinen Jazz-Formation.

Kann jemand, der auf Tour und so voller Pläne ist, gleichzeitig ein Familienmensch sein?

Klaus Lage: Jetzt eher als früher. Ich bin jetzt Großvater – und genieße es. Ich nehme mir zum Beispiel die Zeit und fahre mit den Kindern in Urlaub. So etwas funktioniert heute besser als vor 20 Jahren.

Vor Ihrer Musikerkarriere waren Sie als Erzieher und Sozialarbeiter tätig. Hat das Einfluss auf Ihre Lieder gehabt? Oder kann man mit erhobenem Zeigefinger schlecht Gitarre spielen?

Klaus Lage (lacht): Den Zeigefinger habe ich immer wegzulassen versucht. Man kann nur versuchen, seine Lebenswirklichkeit in Texte umzusetzen. Ein bisschen Fantasie gehört natürlich auch dazu, um Liebeslieder in einen passenden Kontext zu stellen. „Ich liebe dich“ und „Du hast so schöne blaue Augen“ zu singen, davon hat man nach dem dritten Mal genug. Also muss man eine Geschichte da herumbauen. Und da spielen die Erfahrungen meines früheren Lebens natürlich auch eine Rolle. Wenn auch eine immer kleinere – schließlich ist das schon Jahrzehnte her. Was gleich geblieben ist, ist die Tatsache, dass soziale Berufe, die den Reparaturbetrieb der Gesellschaft leisten müssen, scheiße bezahlt werden. Ich bin aber kein klassischer Politsänger, sondern nur jemand, der die Augen aufhält und das Gesehene zu reflektieren versucht. Ich finde es doof, auf die Bühne zu gehen und den Leuten sagen zu wollen, wie das Leben funktioniert.

Eine nicht ganz ernst gemeinte Frage: Einer Ihrer ersten Hits war die deutsche Fassung von Janis Joplins „Mercedes Benz“. Heute leben Sie in Bremen, wo Mercedes ein riesiges Werk unterhält. Sicher purer Zufall.

Klaus Lage (lacht): Ich erinnere mich noch: Damals habe ich in Berlin gewohnt und auf der Autobahn Janis Joplins Song gehört. Ich bin dann von der Autobahn abgefahren, hab mir die Platte besorgt und einen deutschen Text dazu gemacht... Gefahren habe ich so einen Wagen auch mal: einen Kombi mit Hinterradantrieb. Mit dem bin ich im Winter steckengeblieben. Heute fahre ich Audi. In Bremen wohne ich, weil das eine ganz schnuckelige Stadt mit guter Infrastruktur ist. Hier gibt‘s ein kompaktes Zentrum mit allem, was man braucht, und Unmengen Einfamilienhäuser im Grünen. Und wenn‘s nötig ist, ist man auch schnell weg von hier: Wir haben einen Flughafen und vier Autobahnen. Im Hamburg bin ich in 50 Minuten, in Köln in drei Stunden. Da lebt meine Tochter.

Nicht nur deswegen, sondern auch, weil sie seit 40 Jahren durch ganz Deutschland touren, dürfte Ihnen die Eschweiler/Aachener Gegend auch bekannt sein.

Klaus Lage: Das ist richtig. Ich habe ja auch selbst im Rheinland gewohnt. Ich bin acht Jahre in Düsseldorf aufgewachsen, habe später südlich von Bonn am Rhein gewohnt. Ich bin gerne da. On isch kenn dat joot!

Sie haben sich nicht nur in Schimanski als Schauspieler gezeigt, sondern auch im Musical „Stars“. War das Thema damit für Sie ausgereizt?

Klaus Lage: Es kommen schon noch Angebote, aber das muss passen. Ich wollte nie auf Biegen und Brechen Schauspieler sein. Die Mitwirkung im Tatort war eine ganz tolle, spannende Erfahrung. Das hatte so etwas Hitchcockmäßiges, dass der Interpret der Titelmelodie dann auch in einer kleinen Rolle – als Koch – im Film erscheint. In „Stars“ war ich dagegen ein schauspielernder Sänger; die Rolle war mir auf den Leib geschrieben. Wenn ich so etwas noch einmal ergibt, bin ich nicht abgeneigt. Ich laufe aber nicht durch die Gegend und biete mich an. Mag sein, dass ich auch ein wenig Schauspieltalent habe, aber man muss auch seine Grenzen kennen.

Eines Ihrer jüngeren Alben trägt den Titel „Die Welt ist schön“. Stimmt dieser Satz immer noch?

Klaus Lage: Natürlich ist dieser Satz nicht 1:1 zu nehmen. Es gibt keine heile Welt, es gibt immer wieder Idioten, Betrüger, jeden Tag neuen Mist. Aber natürlich ist die Welt trotz aller Widerlichkeiten schön. Das muss man sich immer wieder neu erkämpfen. Es gibt zwei Sprichworte, die stimmen: Geld allein macht nicht glücklich, und die schönsten Dinge im Leben gibt‘s umsonst. Und es gibt immer wieder schöne Momente, auch wenn man nicht alles rosarot und himmelblau sieht. Das sagen mir auch Leute, die nicht über das „nötige Kleingeld“ verfügen. Das darauffolgende Album hieß übrigens „Zug um Zug“. Und das spielt darauf an, dass man mit kleinen Schritten zum Ziel kommt. Gerade junge Leute machen häufig den Fehler, gleich große Sprünge machen zu wollen. Dabei kommt man mit kleinen Veränderungen im persönlichen Bereich auf Dauer viel weiter.

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