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Bertram will den Rotstift stecken lassen

Von: Patrick Nowicki
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Will auch in schwierigen Zeiten investieren: Bürgermeister Rudi Bertram. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Natürlich gefallen dem Verwaltungschef Rudi Bertram die jüngsten Schlagzeilen nicht. Der städtische Haushalt schreibt rote Zahlen. „Wir arbeiten seit den 80er Jahren permanent am Rande eines Haushaltssicherungskonzept”, ist er sich der Herkulesaufgabe bewusst.

Allerdings warnt er davor, nun die falschen Schlüsse zu ziehen. Der Bund mache es vor, dass Investitionen eine Krise beseitigen können.

Die Ideen der Aufsichtsbehörde Kreis Aachen, auch über die Personaldecke im Rathaus nachzudenken, stößt hingegen auf wenig Gegenliebe. „Wir haben die Personalkosten seit 2005 um insgesamt 800.000 Euro reduziert”, rechnet der Verwaltungschef vor. Dies sei gelungen, weil man Führungspositionen intern besetzt oder sogar darauf verzichtet habe.

Wenn Rudi Bertram über die Zahlen spricht, dann nennt er immer wieder Dinge, die die Stadt in den vergangenen Jahren meistern musste, obwohl sie finanziell nicht auf Rosen gebettet ist. Die Feuerwache wurde von 39 auf 52 Mann aufgestockt, aus rechtlichen Gründen. Die Finanznot des Bistums zwang die Stadt dazu, kirchliche Kindertagesstätten mit ihrem Personal zu übernehmen: 16 Mitarbeiter kamen hinzu.

Auch das neue Kinderbildungsgesetz (Kibitz) erforderte die Einstellung weiterer 13 Mitarbeiter, ansonsten hätte das Land die Betriebskostenzuschüsse gekürzt. „Den einzigen Luxus, den sich diese Verwaltung leistet, ist die Tatsache, dass wir Jahr für Jahr jungen Leuten eine Ausbildungsstelle anbieten”, so Bertram. Dies sei aber erforderlich, weil in den nächsten 15 Jahren insgesamt 36 Prozent der Rathausbelegschaft aus Altersgründen ausscheiden.

Bertram will sich bei seiner Kritik nicht in eine Parteiecke drängen lassen: „Ich habe schon 2002 beim Dürwisser Appell gesagt, dass Kommunen anders finanziert werden müssen. Damals regierte noch Rot-Grün!” Vor sieben Jahren setzte sich Bertram an die Spitze zahlreiches Bürgermeister mit der Forderung an die Bundesregierung, die Finanzierung der Städte auf stabilere Beine zu stellen.

Er sieht sich bestätigt, dass die Bundesregierung nun ein Konjunkturpaket schnürt. Investiert wurde schließlich auch in Eschweiler - „und das waren in der Regel immer einstimmige Beschlüsse.”

Vor allem in die Schulen flossen Millionen, und diese nicht nur aufgrund von PCB-Belastungen und Vormittagsbetreuung. „In Bohl wurden die Kinder im Keller unterrichtet”, erinnert sich Bertram. Schulerweiterungen und Sanierungen werden auch weiter die Arbeit im Rathaus begleiten, als nächste Baustelle steht vor allem das Städtische Gymnasium auf dem Plan. Aber auch in Sportstätten und Straßen wurden große Summen gesteckt. Alleine elf Millionen Euro flossen von Stadt, Land und Bund in Eschweiler-Ost. „Das Ergebnis kann man heute sehen und gibt uns Mut”, so Bertram.

Den Rotstift will er in keinem Fall ansetzen. Im Gegenteil: „Wenn wir nun weiter investieren, werden wir in einigen Jahren weniger Geld in die Sanierungen stecken müssen”, glaubt Bertram. Von dem Verkauf von städtischen Anteilen hingegen hält er nichts. So spülen die RWE-Aktien jedes Jahr zwei Millionen Euro in den Haushalt. Als Standortkommune sitze man zudem bei wichtigen Entscheidungen mit am Tisch.

Eine Arbeitsgruppe im Rathaus sucht nun konkreten Sparmöglichkeiten. Groß ist der Spielraum nicht. Denn nach wie vor schafft es die Kommune nicht alleine, sich aus dem Finanzsumpf zu ziehen. „Hätte die Stadt Eschweiler als einzige dieses Problem, ich würde sofort die Notbremse ziehen”, betont Bertram. Aber ein erneutes Haushaltssicherungskonzept, es wäre das vierte in der Geschichte Eschweilers, soll unbedingt vermieden werden.

Inmitten der Finanzkrise sieht Bertram Licht am Ende des Tunnels: „Diese Region hat ein enormes Potenzial.” Deswegen sollen weitere Gewerbegebiete ausgewiesen werden in der Stadt. Schließlich sei erst dann ein Haushalt auszugleichen, wenn noch mehr Menschen in Arbeit und Brot stehen. Auch die Entwicklung des Indelandes mit dem Blausteinsee sei ein Aspekt, mit dem die Region punkten könne. „Man hat an der Seebühne gesehen, welche Wirkung eine solche Investition hat”, so Bertram. Und dort wird auch weiter gebaggert, weil laufende Maßnahmen nicht von der Haushaltssperre betroffen sind.

Neun Millionen Euro groß ist die Lücke, die gestopft werden soll. Diese Summe errechnete zumindest die Kommunalaufsicht. Und weitere Projekte stehen bereits bevor. „Wir müssen auch schauen, wie wir die Betreuung der unter Dreijährigen regeln”, blickt Bertram nach vorne.

Den CDU-Vorschlag, auf einen Beigeordneten aus Kostengründen zu verzichten, lehnt Bertram übrigens ab. „Man kann auf der einen Seite nicht die Weiterbeschäftigung des derzeitigen Beigeordneten fordern, um diese Stelle auf der anderen Seite streichen zu wollen”, argumentiert Bertram. Eschweiler brauche einen Technischen Beigeordneten.

Es bleibt der einzige Ausflug in den bald beginnenden Wahlkampf. Vielmehr hebt er immer hervor: „Was wir bisher geleistet haben, dass haben Verwaltung und der Stadtrat gemeinsam geschafft”, gibt er sich versöhnlich. „Wir haben schon viele Krisen in den vergangenen Jahren bewältigt, wir werden auch die aktuelle bestehen.”
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