Behinderte beklagen Lohnkürzungen

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Einige Beschäftigte des Weisweiler Caritas-Werks streikten am Donnerstag. Foto: Tobias Röber

Eschweiler-Weisweiler. Einige Beschäftigte der Caritas Behindertenwerk GmbH haben am Donnerstag vor dem Werk in Weisweiler gestreikt. Ab 9.30 Uhr legten sie die Arbeit nieder. Der Grund: Sie beklagen Lohnkürzungen, den Wegfall eines sogenannten AZV-Tages (Arbeitszeitverkürzung) und die fehlende Lobby.

Der AZV-Tag fällt in der Tat im kommenden Jahr weg. Caritas-Geschäftsführer Michael Doersch sagte gestern dazu, dass einer von zwei AZV-Tagen bei den hauptamtlichen Mitarbeitern bereits vor drei Jahren weggefallen sei und man in Absprache mit dem Werkstattrat beschlossen habe, auch bei den Beschäftigten einen AZV-Tag zu streichen, um „produktiver“ zu werden. „Die meisten Beschäftigten haben derzeit 35 Urlaubstage und zwei AZV-Tage“, ergänzte Doersch.

Die Beschäftigten Michael Voss und Ramona Stumpf hatten den Streik gestern organisiert. Rolf Idel vom Sozialverband Deutschlands war ebenfalls mit dabei. Das Trio betonte die fehlende Lobby der behinderten Beschäftigten. Zudem werde man eingeschüchtert. Auch die Lohnkürzungen wurden erneut angeprangert. Andere soziale Träger hätten in den vergangenen Jahren nicht gekürzt.

Michael Doersch sagte gestern zu den weiteren Vorwürfen: „Warum von Lohnkürzungen die Rede beim Streik ist, kann ich nicht nachvollziehen. Wenn auch andere soziale Träger nicht kürzen, dann handeln sie ebenso wie die CBW. Wir kürzen auch nicht. Wir kümmern uns um unsere Beschäftigten. So können die in jedem Fall entscheiden, ob sie streiken.“ Zudem hob Doersch hervor, dass man den Beschäftigten auf Grund des guten Ergebnisses 120 Euro Weihnachtsgeld auszahle.

Die Diskussionen um den Lohn sind nicht neu. So hatten die Beschäftigten Im Januar 2014 die Nachricht bekommen, warum der Lohn zumindest für das laufende Jahr gekürzt werden musste. So sei der Personalaufwand in den vergangenen fünf Jahren um 20 Prozent gestiegen, der LVR refinanziere aber nur knapp 14 Prozent, erklärte Michael Doersch. Unter dem Strich blieb somit weniger Geld, das verteilt werden kann. Die Zahlen: Um maximal 90 Euro sollte der Lohn pro Beschäftigtem gekürzt werden. Ein Leistungsträger könne maximal 400 Euro verdienen, durchschnittlich liege ein Beschäftigter bei etwa 200 Euro. Um etwa 40 bis 60 Euro werde dieser sogenannte Steigerungslohn in diesem Jahr gekürzt, so Doersch. Fredi Gärtner fügte hinzu, dass niemand Angst haben müsse, seine Rechnungen nicht mehr bezahlen zu können. Was fehle, werde über die Grundsicherung ausgeglichen.

Das Gesetz legt genau fest, was gezahlt werden muss. Jeder Behinderte bekommt mindestens 75 Euro monatlich. Dieser gesetzliche Grundlohn hat sich nicht geändert. Zusätzlich ist das Einkommen der Beschäftigten an das Arbeitsergebnis gekoppelt. 70 Prozent des Gewinnes werden an die Menschen mit Behinderungen ausgeschüttet, 30 Prozent bleiben der Caritas GmbH. Aus eben dieser Rücklage habe man in den vergangenen Jahren seit 2011 einiges an Geld entnehmen müssen, sagte der Geschäftsführer.

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