Eschweiler - Barrierefrei lautet das große Zauberwort

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Barrierefrei lautet das große Zauberwort

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:
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Barrierefrei zum Bahnsteig: In Weisweiler werden ab April 60 Parkplätze und drei Bushaltestelle geschaffen. Behindertengerecht soll natürlich auch alles sein. Foto: Stefan Herrmann

Eschweiler. Gertrud Lankes möchte mobil bleiben, auch im Alter. Die 86-Jährige schätzt die Lage des Senotels direkt im Stadtzentrum. Von der Englerthstraße aus ist es nur ein Katzensprung zu den Geschäften der Fußgängerzone: ein paar Erledigungen im Supermarkt, danach noch ein Stück Kuchen im nahen Café - für Gertrud Lankes eine Selbstverständlichkeit.

Da sie nicht mehr ganz so gut zu Fuß unterwegs ist, benutzt die Heimbewohnerin eine Gehhilfe. Und damit Gertrud Lankes und all die anderen jungen und alten Menschen mit Gehbehinderung mobil und aktiv bleiben können, passt die Stadt seit Jahren ihr Straßenbild an. „Barrierefreiheit” heißt das große Zauberwort.

In der Innenstadt, bestätigt die Seniorin, seien in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht worden. „Nur das Kopfsteinpflaster ist Gift für die Gehhilfe”, meint Lankes.

Trotzdem, es tut sich was in der Indestadt. Als nächstes werden die Euregiobahn-Haltestelle Weisweiler und auch der Eschweiler Hauptbahnhof aus- und umgebaut. Stets mit der Maxime, Barrierefreiheit zu gewähren.

Gerhard Handels von der Abteilung Straßenraum und Verkehr erläuterte dem Behindertenbeirat, was alles für die P+R-Anlage in Weisweiler geplant ist.

„Momentan ist die Nutzung eher schlecht als recht”, spielt der Angestellte der Stadtverwaltung auf die schlechte Befestigung an. Das soll sich bessern, und damit auch die Erreichbarkeit des Inselbahnsteigs der Euregiobahn.

Denn neben den 60 Parkplätzen, die für die zahlreichen Pendler entstehen, wird auch der Zugang zu den Zügen so gestaltet, dass auch Geh- und Sehbehinderte die Euregiobahn, die ab Sommer auch weiter bis nach Langerwehe fährt, problemlos nutzen können.

Der Bahnsteig ist bereits mit 76 Zentimeter Höhe derart angelegt, dass ein barrierefreier Einstieg ermöglich wird. Ebenso werden die drei neuen Bushaltestellen mit speziellen Busbordsteinen ausgestattet.

Wenn die modernen Niederflurbusse die Station anfahren, können Rollstuhlfahrer ohne Umstände in das Gefährt gelangen. Behindertengerechte Rampen sind bereits vorhanden. Durch gerillte und genoppte Aufmerksamkeitsfelder vor den Schranken und den Ampelanlagen können auch sehbehinderte Menschen genau erkennen, wo sie stoppen müssen. Dazu gibt es natürlich die akustischen Warn- und Hinweissignale.

Für Diskussionen sorgen die teilweise gegensätzlichen Anforderungen, die ein Fußgängerüberweg für geh- und sehbehinderte Menschen erfüllen muss. All diejenigen, die mit Gehhilfen, Rollatoren und Rollstühlen unterwegs sind, plädieren für eine möglichst übergangsfreie Absenkung des Bordsteins hin zur Straße. Blinde und Sehbehinderte dagegen sind auf ein ertastbares Signal angewiesen, um die Straßenüberquerung zu erkennen.

Am Verkehrskreisel an der August-Thyssen-Straße wurde nun erstmals im Stadtgebiet ein Sonderbordstein eingebaut: das Kasseler Rollbord. Der stufenlose Bordstein ist mit Rillen versehen, so dass sowohl die Bedürfnisse geh- als auch sehbehinderter Menschen berücksichtigt werden.

Der Blinden- und Sehbehinderten-Verein Aachen Stadt und Land kritisiert diese neue Methode jedoch und setzt sich weiterhin für den bisherigen Standard, die drei Zentimeter hohe Bordsteinkante, ein.

Dr. Bernd Hartlich vom Planungs- und Vermessungsamt bestätigte daher in einem Schreiben: „Bei dem Einbau des Sonderbausteins am Kreisverkehr hat es sich um einen Test gehandelt. Bis auf weiteres wird in Eschweiler weiterhin die Lösung mit einer drei Zentimeter hohen Bordsteinkante umgesetzt.”

Mittlerweile wird in Fachzeitschriften sogar eine dritte Möglichkeit diskutiert. Das Separationsprinzip sieht eine räumliche Trennung der Überwege von Geh- und Sehbehinderten vor. Ob sich dieser Ansatz allerdings in der Praxis angemessen umsetzen lässt, steht noch in den Sternen. Wichtig ist, gerade für Blinde und Sehbehinderte, vielmehr ein einheitliches System.

Dies sei, so Gerhard Handels , gewährleistet: „Auch wenn wir unterschiedlich Firmen haben, die die Signaltechnik für Sehbehinderte herstellen, sind die Funktionsweisen identisch. Standardisierung ist wichtig, damit die Nutzung auch verstanden wird.”

Zumindest in der Innenstadt und an noralgischen Punkten wie an den Euregiobahn-Haltestellen habe sich in den vergangenen Jahren einiges getan, bestätigt der Behindertenbeirat.

„Eigentlich läuft es, bis auf einige Holpersteine, ziemlich rund”, ist Agnes Zollorsch (SPD) zufrieden mit der behindertengerechten Bauweise in Eschweiler. Eine komplett barrierefreie Stadt ist und bleibt trotzdem Zukunftsmusik. Dafür hat man an der Inde aber den Anspruch, Stein für Stein eine barrierefreiere Stadt zu schaffen.
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