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Bangen um Eschweilers Norden nach dem Hertie-Aus

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
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In Schieflage geraten: Die Eschweiler Hertie-Filiale soll Ende März ihre Pforten schließen. 42 Mitarbeiter sind von dieser Entscheidung betroffen. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Die Entscheidung überraschte nicht, doch sie traf hart: Die Hertie-Filiale im City-Center schließt Ende März, 42 Mitarbeiter sind davon betroffen. Diese Einzelschicksale wiegen schwer. Doch die gesamte nördliche Innenstadt rutscht damit tiefer in die Krise.

Denn mit dem Aus von Hertie fehlt dem City-Center der Kaufmagnet. Die betroffenen Mitarbeiter hielten sich am Mittwoch zurück, wollten sich nicht öffentlich äußern. Dies liegt darin begründet, weil hinter den Kulissen über den Interessenausgleich verhandelt wird.

Wie auch die Hertie-Leitung bestätigt, ist noch nicht geregelt, wie die Menschen abgefunden werden, und ob es Alternativen zur Arbeitslosigkeit gibt. Bürgermeister Rudi Bertram schaltete sich am Mittwoch früh ein und knüpfte Kontakt zur Agentur für Arbeit. Im Rathaus soll nun eine Informationsveranstaltung stattfinden.

Ungewiss bleibt auch die Zukunft der Hertie-Immobilie mit ihren etwa 5000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Eigentümerin ist Dawnay Day, ein weltweit operierendes Unternehmen, das die maroden Karstadt-Warenhäuser kaufte und die Immobilien vom Verkaufsgeschäft trennte. Darin liegt auch eine der Ursachen für das Hertie-Aus. „Die Mieten liegen weit über dem Marktdurchschnitt”, sagt ein Hertie-Unternehmenssprecher. Von 20 Prozent des Umsatzes ist die Rede.

Hohe Miete bricht das Genick

Dass die indestädtische Filiale zu den ersten 12 in NRW zählt, die ihre Pforten schließen müssen, hat viele Gründe: Man habe viele Kennzahlen miteinander verglichen und sich dann entschieden, hieß es am Mittwoch in der Essener Hertie-Zentrale. „Es ist zu kurz gedacht, wenn nur die Ertragszahlen den Ausschlag gegeben hätten.” Aber auch für Eschweiler gilt: Die hohe Miete hat dem Standort letztlich das Genick gebrochen.

Dies macht die Situation für die Stadt nicht einfacher. Bürgermeister Rudi Bertram und Wirtschaftsförderer Dietmar Röhrig bemühen sich seit Monaten um einen Kontakt zum Eigentümer - bisher vergeblich. Auch aus gut informierten Hertie-Kreisen war zu hören, dass es durchaus schwierig sei, einen klaren Ansprechpartner zu finden. Dies liegt daran, dass die Immobilien auch nochmal in kleinere Gesellschaften gestückelt wurden.

Mitarbeiter in Eschweiler sprachen deswegen von einer „Heuschrecken-Mentalität”, wonach Dawnay Day die Warenhauskette ausbluten lasse, um einen möglichst hohen Mietertrag zu erwirtschaften. Parkhaus und City-Center werden von der Estama GmbH in Berlin verwaltet, mit der die Stadt in ständigem Kontakt steht. Auch der Hertie-Insolvenzverwalter Binner Bähr informierte regelmäßig über den Stand der Dinge.

Mit der Schließung der Hertie-Filiale wächst nun die Zukunftsangst bei den verbliebenen Geschäften im City-Center. „Es muss schnell ein Nachfolger gefunden werden”, fordert Apotheker Martin Katzenbach. Er sieht nicht nur eine Gefahr für die Einkaufsmeile, sondern für die gesamte nördliche Innenstadt. Einen so großen Leerstand könne sich die Stadt nicht lange leisten. „Man kann sich vorstellen, wenn dieser Block lange leer steht, was dann damit passiert. Am Ende bleibt eine Ruine.”
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