Bahnübergang Jägerspfad: Stadt hat die Wahl zwischen Pest und Cholera

Von: Rudolf Müller
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Kaum Licht am Ende des Tunnels: Mit einer Aufweitung der Unterführung am Sticher Berg ist in den nächsten Jahren nicht zu rechnen. Und: Verweigert die Stadt ihre Zustimmung zur Schließung des Übergangs Jägerspfad, hält in Eschweiler demnächst kein Regionalexpress. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Stimmt die Stadt der Schließung des Bahnübergangs Jägerspfad nicht zu, dann wird die neue Generation des Regionalexpresses RRX (Rhein-Ruhr-Express) in Eschweiler nicht halten. Jedenfalls nicht, wie geplant, anno 2020, sondern allenfalls Jahre später. .

Und ebenso lange werden die Indestädter auch auf die Modernisierung des überalterten Hauptbahnhofs warten müssen, der längst kein Aushängeschild mehr ist, sondern ein Schandfleck, das so manchem Eschweiler, der hier Besucher empfängt, die Schamröte ins Gesicht treibt. Barrierefreiheit, wie sie seit Jahren von der Stadt gefordert wird, bleibt dann vorläufig ein frommer Wunsch

Mehr als zwei Stunden beschäftigte sich der Stadtrat am Mittwochabend mit dem Thema, das zahlreiche Bürger empört und Böses befürchten lässt: Wird der Bahnübergang Jägerspfad geschlossen – das soll Mitte 2019 erfolgen –, kommt es auf der Ausweichstrecke Stich-Langwahn, die schon heute häufig überlastet ist, zu chaotischen Verkehrsverhältnissen. 6000 Fahrzeuge, die bislang den Bahnübergang passieren, müssen dann durch ein neues Wohngebiet, vorbei an einem Altenheim und einem Kindergarten, zum Stich rollen, um dort das Nadelöhr der Bahnunterführung zu passieren.

Weigert sich die Stadt, der Schließung des Übergangs zuzustimmen, so wird die Bahn dagegen klagen und eine Anordnungsentscheidung des Bundesverkehrsministeriums beantragen. Geschlossen wird der Übergang dann sicher auch – allerdings später. Mit Mehrkosten, die die Bahn der Stadt anzuhängen versuchen wird. Und: Eschweiler wird auf Jahre hinaus sowohl auf einen barrierefreien, modernen Bahnhof als auch auf den neuen Regionalexpress verzichten müssen.

Was Bahnsprecher da am Mittwoch im Rat vortrugen, war für Ratsvertreter glatte Erpressung, für die Bahn allerdings lediglich technische Notwendigkeit: Das seit 2009 geltende Baurecht für die Modernisierung des Bahnhofs gehe von nämlich einem Nichtmehrvorhandensein des Bahnübergangs Jägerspfad aus; bleibe dieser bestehen, müsse ein neues Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden, das bis zu zwei Jahre in Anspruch nehme. Die jetzt gesteckten Termine (RRX 2020) seien dann nicht einzuhalten. Diplom-Ingenieur Manfred Gutfrucht, Leiter Großprojekte im Knoten Köln der Bahn, konnte den Ratsvertretern wenig Hoffnung machen, dass die Forderung zahlreicher Ratsvertreter und Bürger, den Engpass Sticher Berg möglichst zeitgleich mit der Schließung des Jägerspfad-Übergangs aufzuweiten, umsetzbar sei: Beide Vorhaben seien nicht miteinander verknüpft.

Während für das Maßnahmenpaket, das die Schließung des Jägerspfads beinhalte, Baurecht bestehe, sei man in Sachen Aufweitung Sticher Tunnel noch im Anfangsstadium des Planverfahrens. Das werde noch Jahre dauern. Gutfrucht konnte nur zusagen, dass die Unterführung für Fußgänger und Radfahrer, die an der Burgstraße geplant ist, nicht erst sechs Monate nach der Schließung des Jägerspfads, sondern möglichst zeitnah fertiggestellt werden soll.

Für die Eschweilers Ratsvertreter ist die Abstimmung zwischen Bahnübergang und Bahnhofsausbau eine Wahl zwischen Pest und Cholera. Die Verantwortung für die verfahrene Situation hat in ihren Augen die Bahn: Die hätte den Sticher Tunnel schon vor Jahrzehnten aufweiten müssen. Eine Maßnahme, die sie immer wieder angekündigt, aber nie umgesetzt hat. Stattdessen wurde die Stadt immer wieder vertröstet. UWG-Sprecher Manfred Waltermann zitierte aus einer Tageszeitung vom Juli 1978: „Das Nadelöhr wird bald beseitigt“. Waltermann: „Hätten Sie das getan, dann gäbe es heute über die Schließung des Bahnübergangs gar keine Diskussion.“

Während Stefan Kämmerling (SPD) vorschlug, in einer gemeinsamen Resolution des Rates an das Bundesverkehrsministerium auf eine Lösung des Problems in Sinne der Stadt zu drängen, erhoffen Rat und Verwaltung sich von der Bahn bis zur Ratssitzung im Dezember, wo die Vereinbarung über die Übergangsschließung erneut auf der Tagesordnung steht, Zusagen über eine möglichst zeitnahe Tunnelaufweitung. Die aber wird vor 2022 kaum möglich sein. Was bedeutet: Ist der Übergang Jägerspfad dicht und wird der Tunnel zur Baustelle, wird der Verkehr auf dieser Hauptachse wohl vollständig zum Erliegen kommen.

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