Bäume müssen der Artenvielfalt weichen

Von: Andreas Gabbert und Annika Pütz
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Packen die Arbeit gemeinsam an: Ute Röpke (Wabe e.V.), Christoph Vanberg (Biologische Station), Udo Thorwesten (Umweltamt Städteregion) und Franz-Josef Emundts (BUND) (von links). Foto: Andreas Gabbert

Eschweiler. Wenn im Namen der Natur Bäume gefällt werden, klingt das zunächst ein wenig befremdlich. Ist es aber nicht. Im ehemaligen Munitionsdepot des verlassenen Camps Astrid im Propststeier Wald soll wieder Leben einkehren und neuer Raum für andere Pflanzen- und Tierarten enstehen. Deshalb wird dort jetzt „renoviert”.

Nach der Aufgabe des Camps im Jahr 1995 hat sich einiges getan. Neben der geplanten Gewerbeansiedlung spielt auch die Renaturierung von Flächen eine Rolle. Besonders interessant ist ein rund 8000 Quadratmeter großer Bereich mit Erdwällen, die 72 ehemalige Munitionslager umgeben.

„Dort hat sich eine schutzwürdige Tier und Pflanzenwelt angesiedelt, die ihresgleichen sucht”, sagt Udo Thorwesten vom Umweltamt der Städteregion Aachen. Dazu gehören neben der seltenen Magerwiesenflora auch bedrohte Tierarten wie Schlangen, Fledermäuse, seltene Vögel und Schmetterlinge.

Einige von ihnen stehen auf der „Roten Liste” der bedrohten Arten. Auch am Fuß der Wälle, wo sich das Wasser sammelt und es etwas feuchter ist, finden seltene Farne und Kräuter gute Lebensbedingungen.

Von Vorteil für Flora und Fauna ist auch, dass das Gelände nicht betreten werden darf, außerdem wird nicht gedüngt und es werden auch keine Pestizide gesprüht. Leider wird das Gelände aber immer wieder von Vandalen heimgesucht, die ähnliche Probleme bereiten, wie die noch vorhandenen Altlasten.

Da fast alle der dort lebenden Tiere und Pflanzen auf offene und sonnige Flächen angewiesen sind, entfernen freiwillige Helfer des BUND und der Initiative Wabe e.V. das Gehölz von den Erdwällen. Anschließend wird das gerodete Holz zu Hackschnitzeln verarbeitet, die zur Energiegewinnung genutzt werden.

„Wir sind nicht gegen Büsche und Bäume, aber sie müssen an der richtigen Stelle stehen”, sagt Christoph Vanberg von der Biologischen Station in der Städteregion Aachen. Vor zehn Jahren seien bei einer ersten Zählung rund 300 Pflanzenarten entdeckt worden. Er ist sich sicher, das sich der Aufwand der derzeitigen Maßnahme lohnt.

In erster Linie geht es nämlich darum, die Artenvielfalt zu erhalten und das dominante Ausbreiten einiger weniger Spezies zu vermeiden. „Wir müssen irgendwann loslegen, bevor es zu spät ist”, sagt der Biologe. Thorwesten sieht das ähnlich: „Irgendwann muss man mal das Tablett abwischen, um eine Grundordnung reinzubringen.”

Die Biologische Station betreut dieses Gebiet schon seit mehreren Jahren. Dazu gehört auch zweimal jährlich der Einsatz einer Schafherde zur Beweidung, mit dem Ziel, den Nährstoffgehalt der Flächen zu senken. „Je weniger Nährstoffe dort vorhanden sind, desto blütenreicher ist die Pflanzenwelt”, erklärt Thorwesten. Durch die bisherigen Maßnahmen konnte die fortschreitende Verwaldung aber nicht gestoppt werden.

Deshalb roden zurzeit vier Mitarbeiter der Wabe die Bereiche, die für schweres Gerät nicht zugänglich sind. An den anderen Stellen kommt eine Holzerntemaschine zum Einsatz. Anschließend werden die Flächen maschinell gemulcht.

Nach diesem Rundumschlag, dürfen im September die Schafe wiederkommen und sich die Bäuche vollschlagen. Bissfreudige Ziegen sind aber auch jederzeit willkommen. „Im Gegensatz zu Schafen sind sie zwar Querulanten, aber sie gehen auch dahin, wo die Schafe nicht hinkommen”, sagt Thorwesten.

Aber nicht nur Ziege und Schafe sollen dort in Zukunft weiden. Auch den Wildtieren soll es bald wieder besser schmecken, wenn das Gehölz zurückgedrängt wurde und sich Gräser, Klee und Kräuter wieder ausbreiten.
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