AWO fürchtet Qualitätsverlust in integrativen Kitas

Von: ger
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Kritik am LVR-Rückzug: Awo-Geschäftsführer Michael Mommer fordert ein tragfähiges Finanzierungskonzept für Therapeuten in integrativen Kitas. Foto: Gerhards

Eschweiler. Wie sollen Therapeuten in integrativen Kindertagesstätten künftig bezahlt werden? Vor dieser Frage stehen aktuell die Träger solcher Einrichtungen. Bislang übernimmt der Landschaftsverband Rheinland (LVR) die anfallenden Kosten. Künftig zieht sich der Verband aus der Finanzierung zurück. Das sorgt für Unsicherheit.

Aktuell übernimmt der LVR für eine Kita-Gruppe mit behinderten Kindern die Kosten für eine Vollzeittherapeutenstelle. Das heißt, dass in einer Gruppe mit 15 Kindern, von denen fünf einen besonderen Förderbedarf haben, zwei Therapeuten mit Halbtagsstellen fest angestellt werden können. Zum Beispiel ein Logopäde und ein Physiotherapeut. Ab dem Kindergartenjahr 2014/15 soll es vom LVR eine jährliche Pauschale in Höhe von 5000 Euro pro behindertem Kind geben. „Das ist dann in etwa eine Halbtagsstelle“, sagt Michael Mommer, Geschäftsführer des AWO-Kreisverbands Aachen-Land. Ob diese Pauschale mit der Zeit einsetzende Kostensteigerungen berücksichtigt, ist derzeit noch völlig offen. Alle weiteren Kosten sollen ab August 2015 über die Krankenkassen finanziert werden. Dafür benötigen Eltern eine ärztliche Verordnung. Das würde für die Eltern einen teils erheblichen Mehraufwand bedeuten. Auf die Eltern könnte neben dem höheren Aufwand auch eine finanzielle Mehrbelastung zukommen. Denn sie sollen in Zukunft auch Kita-Gebühren bezahlen. Bisher waren die davon befreit.

Dass die Krankenkassen die Kosten in Zukunft tragen sollen, stellt Mommer nicht grundsätzlich in Frage. Allerdings fordert er, dass der LVR eine „tragfähige Lösung“ mit den Kassen verhandelt. „Ich habe die Befürchtung, dass wir zwischen LVR und gesetzlichen Krankenkassen zerrieben werden“, sagt er. Als Kita-Träger mit den gesetzlichen Kassen zu verhandeln sei sehr schwierig, deshalb sieht er den LVR in der Pflicht. An eine einfache, unbürokratische Lösung glaubt Mommer allerdings nicht.

Er befürchtet vielmehr, dass die Qualität der Betreuung sinken wird. „Ziel der Therapie ist auch, dass die Kinder am normalen Kita-Alltag teilnehmen können“, sagt Mommer. Das könne man nur mit Therapeuten erreichen, die regelmäßig und langfristig mit den Kindern in der Kita arbeiten – also eine Beziehung aufbauen. Wegen des neuen Finanzierungsmodells könne es dazu kommen, dass Therapeuten nur stundenweise in die Kita kommen und – losgelöst von der Gruppe – mit den Kindern arbeiten.

Der LVR stellt die Finanzierung auch um, damit behinderte Kinder auch Regel-Kitas besuchen können. Daraus ergibt sich allerdings ein neues Problem: Um die 5000-Euro-Pauschale zu bekommen, muss die Kita die Gruppengröße für jedes behinderte Kind um einen Platz reduzieren. In „unterversorgten Bereichen“ könnte das zum Problem werden.

Personal ist schwer zu finden

Die AWO Aachen-Land hat aktuell zehn Kitas, ab Januar kommt eine weitere hinzu. Es gibt drei integrative Einrichtungen mit sechs integrativen Gruppen. Dafür hält die Awo aktuell fünf Therapeutenstellen vor. Mommer hofft, dass LVR und Krankenkassen schnell zu einer sinnvollen Lösung kommen: „Sonst ist unser Personal weg.“ Das wäre für die Awo besonders ärgerlich, denn in der neuen Eschweiler Kita „Zauberhut“ habe man gerade erst Therapeuten eingestellt. Mommer: „Und die waren gar nicht so einfach zu finden.“

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