alemannia logo frei Teaser Freisteller

Ausstellung „Wind färbt Stein“ mit Werken von Rainer Bauer

Letzte Aktualisierung:
6590766.jpg
Außergewöhnliche Landschaften sind die Motive von Rainer Bauers Bildern, die jetzt in der Städtischen Kunstsammlung zu sehen sind.

Eschweiler. In Rainer Bauers Bildern gibt der Boden nach, mutieren benachbarte Parkanlagen zu subtropischen Regenwäldern, führt schwankendes Rohr im Spiegel von Brackwasser zittrige Tänze auf. Vor schwirrenden Leuchtspuren, phosphorisierendem Glimmen verflachen Gewächse, Bäume, Inseln und Gebilde zu dunklen, körperlosen Silhouetten. Rainer Bauer folgt den Schatten, den Spuren, den Spiegelungen und Reflexen, dem Glimmen und Glitzern - dem Auftauchen und Verschwinden von Erscheinungen.

Nichts ist lokalisierbar, nichts vermessen oder von einem Standort aus fixiert, eher - so scheint es - zwischen Schlafen und Wachen im lautlosen Gleitflug erlebt. Es ist die Straße vor der Tür, der Park nebenan, menschenleer. Seinen Wahrnehmungen gehen immer Bilder voraus.

„Schließe Dein leibliches Auge, damit Du mit dem geistigen Auge zuerst siehest Dein Bild. Dann fördere zutage, was Du im Dunkeln gesehen, dass es rückwirke auf andere von außen nach innen“. Die allbekannte Empfehlung von C.D. Friedrich trifft auf Rainer Bauer zu. Und um gleich mit Goethe fortzufahren: „Den Stoff sieht jedermann vor sich, die Form ist ein Geheimnis den meisten“.

Nicht Konstruktion und Perspektive, sondern Überlagerung und Verschmelzung von Bildebenen ist das Bauprinzip dieser Bilder. Analog zur Musik erleben wir die Exposition und Durchführung eines Themas: Variationen, Sequenzen, Kontrapunkte, Melodiebögen, Leitmotive. Was immer wir auf seinen Bildern wieder erkennen, ist Teil einer sich selbst genügenden Bildpartitur, eines bildimmanenten Systems.

Dies ist die eigentliche Leistung Rainer Bauers: Sein Thema zu malerischer Komplexität zu entfalten und im Zusammenklang zur Einheit zu verbinden. Spannung - Entspannung, Aufbau - Destruktion, Figuration - skripturale Kürzel und freie Rhythmisierung der Bildfläche.

Die eigentümliche Atmosphäre dieser Bilder: das im Diffusen geisternde Licht, das Neon-Ballett auf regenfeuchtem Asphalt, das unwirkliche Tiefblau der frühen Morgenstunde, gibt es nur bei Rainer Bauer. Diese eindringliche Wirkung ist die Folge eines langwierigen und skrupulösen Malprozesses, in dem Form- und Farbentscheidungen nach den strengen Gesetzen des Bildes, der Malerei getroffen werden.

Rainer Bauers jüngere Umsetzungen von Stein- oder Schieferwänden rühren von einem stärkeren materiellen Umgang mit Ölfarbe, einer Hinwendung zur Durchdringung von Strukturen und einer Konzentration auf Farbmodulationen über flächige Dekompositionen - wie schon in den 80ern bei seinen Reifenspurenbildern. Jüngst sind Pflanzendarstellungen entstanden, aus dem Wunsch heraus, die Farbpalette zu erweitern und auch die Gestik einer Malspur figurativ zu thematisieren. Doch sind es nach wie vor innere Bilder und Übertragungen oder Äquivalente von und zu Seherfahrungen über längere Zeiträume.

Dem Künstler geht es nicht um eine topografische Deckung mit der Realität, sondern um seine gedankliche innere Landschaft über den Weg der Abstraktion.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert