Ausstellung im Rathaus: Was geschah am 17. Juni 1953?

Von: ran
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Aufmerksam studierten die Gäste der Ausstellungseröffnung die detaillierten Darlegungen der Geschehnisse, die zum Aufstand der Menschen in der DDR am 17. Juni 1953 führten.

Eschweiler. Es begann mit dem lautstarken Protest der Arbeiterschaft gegen die Erhöhung der Arbeitsnormen, wuchs zu einem Volksaufstand, bei dem Forderungen wie „Rücktritt der Regierung“, „Freie Wahlen“ und „Freiheit für politische Häftlinge“ im Mittelpunkt standen und mündete in der gewaltsamen Niederschlagung des Freiheitsstrebens durch sowjetische Panzer.

Am 17. Juni 1953 gingen rund eine Million Bürger der DDR in mehr als 700 Ortschaften des Landes auf die Straßen, um für bessere Lebensbedingungen zu demonstrieren. 60 Jahre später und mehr als zwei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten sind die damaligen Geschehnisse, die mehr als 50 Todesopfer forderten, zwar nicht in Vergessenheit geraten, erhalten aber nur selten die ihnen zustehende Würdigung.

Seit Montag, dem 60. Jahrestag des Aufstands, präsentiert nun der Europaverein „Gesellschaftspolitische Bildungsgemeinschaft“ (GPB) die von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur erarbeitete Ausstellung „Wir wollen freie Menschen sein! Der 17. Juni der deutschen Geschichte“ im Foyer des Rathauses. Bis Freitag, 28. Juni, können die Besucher auf 20 großformatigen Plakaten die Geschichte des DDR-Volksaufstandes detailliert nachvollziehen.

Mit Annelene Adolphs begrüßte am frühen Montagabend die Geschäftsführerin der GPB die Gäste der Ausstellungseröffnung und informierte über Dr. Stefan Wolle, den Autor der Ausstellung. Dieser wurde 1950 in Halle an der Saale geboren, studierte Geschichte an der Humboldt-Universität und wurde 1972 wegen „intellektueller Arroganz“ der Universität verwiesen. Heute ist Dr. Stefan Wolle Mitarbeiter des Forschungsverbundes SED-Staat der Freien Universität und Wissenschaftlicher Leiter des DDR-Museums Berlin. Eschweilers stellvertretende Bürgermeisterin Helen Weidenhaupt betonte, dass der Wille, frei zu sein, zu den Grundbedürfnissen jedes Menschen gehöre.

Das Aufbegehren der Menschen in der DDR sei ein wichtiges Kapitel der deutschen Geschichte. Dies unterstrich auch der Landtagsabgeordnete Stefan Kämmerling: „Die Erinnerung als Auftrag ist der Leitgedanke dieses Tages.“ Der Volksaufstand in der DDR sei der Versuch der Menschen gewesen, die Diktatur aus eigener Kraft zu beenden. „Im Osten totgeschwiegen, verlief das Gedenken im Westen oft pflichschuldigst und ohne echte Anteilnahme“, kritisierte der SPD-Stadtverbandsvorsitzende.

Es gelte vor allem, den Opfern des Aufstands, der sich spontan gegen das Regime im ganzen Land formiert habe und dem keine organisierte Untergrundorganisation vorangestanden habe, zu gedenken. „Die unvollendete Revolution des Jahres 1953 beinhaltete ein Vermächtnis, das erst 1989 eingelöst wurde“, schloss Stefan Kämmerling.

Ausführlich führte der GPB-Vorsitzende Peter Schöner in die Ausstellung ein. „Wenn das Wissen um die Vergangenheit einen Schlüssel zum Verständnis von Gegenwart und Zukunft bietet, dann dürfen wir Deutschen das Erbe des 17. Junis nicht ausschlagen“, begann er seine Ausführungen. Doch das Wissen um die Ereignisse am und um den 17. Juni sei im gesellschaftlichen Gedächtnis defizitär geblieben, kritisierte Peter Schöner, bevor er die Entwicklungen, die zum Aufstand führten, den Aufstand selbst und auch die Nachwirkungen unter die Lupe nahm.

„Dass Volk der DDR war politisch entmündigt worden, die Macht der SED ohne Mandat“, nannte der GPB-Vorsitzende einen der Hauptgründe für den Protest. Deshalb hätten die Bauarbeiter der Stalin-Allee auf ihrem Zug zum „Haus der Ministerien“ am 16. Juni 1953 die Parole „Wir wollen freie Menschen sein“ auf den Lippen gehabt. „Die Sehnsucht nach Freiheit war es, die die Rebellion beseelte“, so Peter Schöner, der die Abschaffung des 17. Juni als gesetzlicher Feiertag nach der Wiedervereinigung für geschichtlich sinnlos, ja sinnwidrig hält. „Diese Entscheidung deutet auf einen offenkundigen Mangel an Respekt vor dem Mut, der Entschlossenheit und der Opferbereitschaft der Aufständischen hin.“

Der 17. Juni 1953 sei der erste Schritt auf dem Weg einer historischen Umwälzung in Ost- und Südosteuropa gewesen, die zum Zusammenbruch des „sozialistischen Weltsystems“ geführt habe. „Ein unmittelbarer Erfolg blieb den Aufständischen versagt. In historischer Perspektive hat die friedliche Revolution im Herbst 1989 vollendet, was im Sommer 1953 seinen Anfang genommen hatte.“

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