Ausstellung: 30 lehrreiche Plakate zur Geschichte der Reformation

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Pfarrer Wolfgang Theiler erläutert die Ausstellung „Here I stand“ zu Martin Luther und der Reformation. Die 30 Plakate sind noch bis Mittwoch im Gemeindezentrum Weisweiler zu sehen. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Mit einer Plakat-Ausstellung informiert die Evangelische Gemeinde Dürwiß/Weisweiler über Hintergrund, Ablauf und Folgen der Reformation, die vor 500 Jahren begann. Die Ausstellung ist noch bis Mittwoch, 18. Oktober, im Gemeindezentrum Weisweiler zu sehen, Burgweg 7. Sie ist von 9 bis 18 Uhr geöffnet.

„Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt.“ Mit solchen Sprüchen wurde vor 500 Jahren für den Ablasshandel geworben. Ablässe – es gibt sie heute noch – sollen nach dem Glauben der katholischen Kirche die Zeit der Seelen im Fegefeuer verkürzen. Dass dies gegen Geld möglich sein sollte, empörte Martin Luther. Seine gegen den Ablasshandel gerichteten 95 Thesen führten zur Reformation und zur Spaltung der Kirche.

Wie hat ein solcher Kasten damals ausgesehen? Im Gemeindesaal der Weisweiler Burg ist er zu besichtigen, auf einem der 30 Plakate der Reformationsausstellung: Eine mit eisernen Bändern gesicherte Truhe, obendrauf der Einwurfschlitz für die Gold- und Silberstücke der frommen Ablasskäufer. Eine Grafik darunter macht deutlich, wie die Geldströme liefen, wo überall Geld kleben blieb auf dem Weg nach Rom. Der Ablasshandel war damals ein riesiges Geschäft, ein Wirtschaftsunternehmen zu Lasten der überwiegend armen europäischen Bevölkerung.

Tod und Teufel

Es war damals, im ausgehenden Mittelalter, eine völlig andere Welt, auch im religiösen Verständnis der Menschen. „Die Leute glaubten an Tod und Teufel, das Leben der Massen war unfrei und ärmlich und manches, was Luther und die anderen Reformatoren sagten, kommt uns heute völlig unakzeptabel vor“, erläuterte Pfarrer Wolfgang Theiler bei der Eröffnung der Ausstellung. Diese andere, zeitlich so ferne Welt wird in der Ausstellung lebendig und begreifbar. Die Lebens- und Glaubensumstände vor einem halben Jahrtausend werden grafisch anschaulich gemacht, ebenso wie das Leben Martin Luthers, seine Verbindungen zu den anderen Reformatoren; auch die Auswirkung der Reformation auf die Emanzipation der Frauen ist eines der vielen in Bild und Text erläuterten Themen.

Spannend auch ein Plakat über die Stadt Wittenberg als Ausgangspunkt der Reformation. Eine Karte der Altstadt macht deutlich: „Hier hockten sie alle zusammen, wie eine Clique“. So beschreibt es Pfarrer Theiler. „Luther, Cranach, Melanchthon – alle die Künstler, Theologen, Professoren, sie brauchten nur die Straße runter zu gehen und konnten sich treffen. Das war so etwas wie eine revolutionäre Zelle.“

Wie wichtig für den christlichen Glauben, den protestantisch organisierten ebenso wie den katholischen, die Reformation vor 500 Jahren war und ist, hat Pfarrer Wolfgang Theiler im Lauf dieses Jahres auch in einer Serie von sieben Vorträgen deutlich gemacht. Theiler möchte, auch mit der jetzt laufenden Ausstellung, zeigen, was von der Reformation, bei allen damaligen Irrtümern und Fehleinschätzungen, als Kernbestand heute unverzichtbar bleibt: „Das ist erstens die Rückkehr zur Bibel und zum Evangelium als der alles entscheidenden Grundlage des Glaubens und der Kirche. Zweitens ist es die Konzentration auf die Gnade und die Barmherzigkeit Gottes.“

„Here I stand“ ist der Titel der Ausstellung – der berühmte, wenn auch wohl nie so gesagte Luther-Ausspruch „Hier stehe ich und kann nicht anders“ in einer englischen Fassung, weil die 30 Plakate vor allem für Ausstellungen in den USA entworfen wurden. Das wird auch deutlich bei Themen wie etwa dem, was den Reformator Martin Luther mit dem amerikanischen Pastor und Kämpfer gegen den Rassismus Martin Luther King verbindet.

Wer die Ausstellung und ihre Themen vertiefen möchte, wird im Internet fündig. Auf der Website www.here-i-stand.com/de lassen sich die Inhalte in einer didaktisch hervorragend gestalteten Weise nachvollziehen. Dort kann man sich sogar – sofern man einen 3-D-Drucker hat – ein Modell der oben erwähnten Ablasstruhe herunter laden und ausdrucken. Nur Geld hineinwerfen sollte man dann nicht.

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