Auf den Spuren eines berühmten Aacheners

Von: mah
Letzte Aktualisierung:

Eschweiler. Auf die Spuren Adolph Sutros begab sich Dr. Hermann-Victor Johnen in einem kurzweiligen Vortrag im Rahmen der Reihe „Literatur und Kultur“ der Buchhandlung Oelrich & Drescher. „Ein Aachener erobert Amerika“, lautete das Fazit des ebenfalls gebürtigen Aacheners über das Lebenswerk Sutros an der amerikanischen Westküste.

25 Umzugskartons ist die Zahl, die Dr. Hermann-Victor Johnen in rund 20 Jahren Recherche über den wirkungsmächtigen, visionären, teilweise auch umstrittenen Aachener Adolph Sutro angehäuft hat. Bis zum Jahr 1994 sagte ihm der Name Adolph Sutro, wie vielen anderen Aachenern auch, recht wenig. Als er dann die Geschichte des jüdischen Auswanderers erzählt bekam, war das Interesse geweckt.

Es folgten Recherchen, die dazu führten, dass der studierte Wissenschaftler seine Doktorarbeit Adolph Sutro widmete und einige Jahre später als Gastwissenschaftler an der Universität Berkeley beauftragt wurde. Nicht nur aus ökonomischer Sicht untersuchte Johnen dabei unweit von San Francisco, wo Sutro ebenso kurzzeitiger wie beliebter Bürgermeister war, dessen Lebenswerk. Dort zeigen sich auch heute noch Sutros Spuren mit den sogenannten Sutro Baths, dem Cliff House oder dem Sutro Tower.

Biografie über Twain

Dass es trotz Johnens nun endender Gastprofessur in Berkeley zu einer Lesung in kleiner Runde in der Buchhandlung Oelrich & Drescher gekommen ist, ist Mark Twain zu verdanken. Vor gut eineinhalb Jahren spazierte Johnen durch die Indestadt und entdeckte eine Biographie über Twain im Schaufenster der Buchhandlung. Mit Jörg Drescher, ebenfalls von Mark Twain in den Bann gezogen, führte er ein anregendes Gespräch, an dessen Ende Johnen Drescher zu einem Vortrag über Sutro in die Aachener Stadtbibliothek einlud.

Johnen stellte am Freitag erstaunt fest, dass es für ihn die erste Lesung in Eschweiler, dem Heimatort seiner Großeltern, war. Für Johnen selber ist es immer noch ein wenig überraschend, dass er damals an der Universität in Münster seine Doktorarbeit über den berühmten Sutro-Tunnel aufnahm, denn er selbst schätzte sich als unwissenschaftlicher Typ ein. Nichtsdestotrotz ließ ihn das Thema Sutro nie los, so dass Johnen nicht müde wurde, dessen Lebenswerk und Auswirkungen auf die heutige Zeit zu ergründen.

Über Nacht zum Millionär

Adolph Sutros Reise ins damals weite Amerika begann mit 16 Jahren, als sein Vater starb und er infolgedessen mit seinen Brüdern die Aachener Tuchfabrik übernehmen musste. In den Wirren der Deutschen Revolution von 1848 ging die Fabrik zu Grunde und die Mutter brach mit ihren zahlreichen Kindern nach Amerika auf. Dort trennte sich Adolph alsbald von seiner Familie und machte sich zur Westküste auf, wo der Goldrausch in Kalifornien gerade erst begann.

Zunächst betrieb er mehrere Tabakläden für die Goldgräber und verkaufte sie wieder, als in Nevada ein großes Silbervorkommen entdeckt wurde. In Virginia City erkannte Sutro die territorialen Missstände und Schwierigkeiten, die er durch einen Tunnel zur Entwässerung und Belüftung zu lösen versuchte. Nachdem die Finanzierung dazu in Amerika trotz Sutros Bemühen scheiterte, reiste er über 20 Mal nach Europa und konnte die Geldgeber dort überzeugen.

Das Bauprojekt war ein Erfolg und machte Sutro über Nacht zum Multimillionär. Dass der Verkauf seiner Sutro-Tunnel-Company nicht ganz sauber über die Bühne lief, verschwieg Johnen in seinem Vortrag, nicht ohne schmunzeln zu müssen. Mit seinem neu gewonnenem Reichtum, so Johnen, konnte Adolph Sutro zahlreiche bauliche Projekte in San Francisco, so zum Beispiel die Sutro Baths mit sieben Schwimmbecken unterschiedlicher Temperatur mit einem Fassungsvermögen von gleichzeitig 10.000 Besuchern und einem täglichen Verbrauch von 40.000 Handtüchern auf die Beine stellen.

Nicht nur bei den Sutro Baths, so fand Johnen in seinen Forschungen heraus, orientierte sich Sutro häufig an Kindheits- und Jugenderinnerungen aus Aachen. Neben wirtschaftlichen und kulturellen Errungenschaften gelang es Sutro auch, den größten zusammenhängenden Wald im Bundesstaat Kalifornien zu kultivieren.

In seiner interdisziplinären Forschung an der Universität Berkeley konnte Johnen einiges zusammentragen, so auch Sutros Bemühungen, europäische Technologie und Kultur nach Amerika zu bringen. Daher kaufte Sutro zahlreiche hochwertige Bücher in Europa und sammelte in seiner und damals größten Privatbibliothek rund 200.000 Werke.

Bemerkenswert deutete Johnen, dass Sutro Bürgermeister von San Francisco wurde, ohne einer Partei anzugehören und ihm auch nach nur kurzer Amtszeit eine Büste gewidmet wurde, die in der City Hall of San Francisco zu bestaunen ist.

Abenteuerliche Erlebnisse

Am Ende seines Vortrags blickte Johnen auf die Rolle Sutros für Aachen, den er neben Mies van der Rohe als berühmtesten Aachener aller Zeiten sieht. Johnen konnte einige Ausstellungen etablieren und eine Straße wurde nach Adolph Sutro benannt. Eine halbmeterhohe Version der Originalbüste aus der City Hall in San Francisco soll im kommenden Jahr in der Synagoge in Aachen aufgebaut werden.

Eine kleinere Version davon konnten die Gäste bereits am Freitagabend in der Buchhandlung Oelrich & Drescher bewundern. Das aufmerksame Publikum bedachte den Vortragenden mit Applaus und auch Jörg Drescher dankte Johnen für seinen gleichwohl kurzweiligen wie interessanten Ausflug in die abenteuerliche Biografie von Adolph Sutro.

Einige Gäste nutzten nach dem Vortrag noch die Chance, mit Johnen ins Gespräch zu kommen. Sowohl Dr. Hermann-Victor Johnen, aber auch Jörg Drescher zeigten sich zufrieden für das entgegengebrachte Interesse bei und den gelungenen Ausklang nach dem Vortrag.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert