Auf dem Sprung in einen neuen Lebensabschnitt

Von: Nicola Gottfroh
Letzte Aktualisierung:
Jetzt beginnt der Ernst des Le
Jetzt beginnt der Ernst des Lebens - auch für Abiturientin Linda Vetten. Sie beginnt eine Ausbildung. Foto: Nicola Gottfroh

Eschweiler. Die Abiprüfungen sind geschrieben und so langsam geht ein ganzer Lebensabschnitt für Eschweilers Abiturienten zu Ende. Nie wieder Schule, nie mehr die unbeliebtesten Lehrer sehen, nie mehr wie ein Kind behandelt werden.

Aber für viele junge Leute bedeutet das Ende der Schulzeit auch Schluss mit Hotel Mama - hinein in die erste eigene Wohnung in einer anderen, fremden Stadt zum Studieren oder Arbeiten.

Und so gehen - kein Wunder - Zukunftsträume und -ängste bei den jungen Leuten dieser Tage Hand in Hand. Sechs Abiturienten erzählen, was sie kurz vor dem Start in den „Ernst des Lebens” bewegt.

In trockenen Tüchern

Linda Vetten kann es kaum erwarten, dass die Zeit nach dem Abi endlich beginnt. Bei ihr ist alles in trockenen Tüchern. Die duale Ausbildung im Wirtschaftsingenieurwesen bei Porsche in Stuttgart hat sie fest in der Tasche. Und sogar für die erste Wohnung ist der Mietvertrag schon unterschrieben. „Von mir aus kann es losgehen!”, sagt die 18-Jährige Abiturientin von der Liebfrauenschule. Schon lange vor dem Abitur hatte sie ihre Ziele klar definiert und mit aller Anstrengung darauf hingearbeitet. „Ich habe Glück. Ich darf nun genau das machen, was ich immer machen wollte”, sagt sie. Angst hat sie deswegen auch nicht - allerhöchstes ein kleines Kribbeln im Bauch: „ Es geht ja doch in eine andere Stadt und dort muss man erstmal neue Kontakte knüpfen - da ist einem doch schon ein wenig mulmig”, sagt sie. „Aber trotzdem: Ich freue mich doch riesig auf den Start der Ausbildung und mein Leben in Stuttgart.”

Nach dem Abi in der Schwebe

So genau wie Linda Vetten wüsste auch gerne ihre Stufenkameradin Kristina Felkel, was in den nächsten Monaten auf sie zukommt. „Nach dem Abi ist man ja erstmal in der Schwebe”, sagt sie. Sie will studieren. Aber erst mit dem Abizeugnis kann sie sich an den verschiedenen Hochschulen bewerben. „Und erst wenn ich weiß, wo ich letztlich studieren werden, kann ich genauer planen”, sagt sie. Planlos ist sie trotzdem nicht. „Ich will Latein studieren - auf Lehramt”, sagt sie. Damit seien die Zukunftsaussichten gut.

„Ich hoffe, dass ich mich damit richtig entschieden habe”, sagt die 18-Jährige, die nun die Weichen für das restliche Leben stellen muss. Gewiss wird sie sich richtig entscheiden - denn auf die Frage, wo sie sich in 15 Jahren sieht, antwortet sie ohne Überlegen: „In 15 Jahren bin ich Lehrerin an der Liebfrauenschule und nehme den Schülern dann endlich mal wieder ein Abitur im Leistungskurs Latein ab”, prognostiziert sie.

Emotionaler Stress

Wie es an einer Hochschule zugeht, das weiß Abiturient Maik Luu schon lange: Wenn er zum Wintersemester studieren geht, dann betritt er nicht zum ersten Mal einen Hörsaal, sondern hat schon sein drittes Semester hinter sich. Der junge Mann, der sein Abitur am Städtischen Gymnasium ablegt, hat an einem Projekt „Studieren vor dem Abi” teilgenommen und neben der Schulbank eben auch die Hochschulbank gedrückt. „Das bringt mir Vorteile, weil ich vor dem Studieren selbst keine Scheu mehr haben brauche. Ich weiß nun, wie Stoff an der Uni aufgearbeitet und präsentiert wird. Das Abenteuer Uni hat sich gelohnt”, findet der 18-Jährige. Aber auch er hat ein mulmiges Gefühl. Immerhin steckt auch er noch in der Schwebe - trotz des Einser-Schnitts, der ihm prognostiziert wird.

„Mein Traum ist es, molekulare Biomedizin zu studieren - und dafür sind die Plätze rar. An machen Hochschulen werden nur 30 Studenten pro Semester für dieses Fach angenommen. Ob meine Noten dann dafür reichen werden?” Und nicht nur die Frage, ob er sein Traumstudium bekommen wird, sondern - falls ja - in welcher Stadt er studieren darf bedeutet für ihn emotionalen Stress. „Habe ich noch Zeit, meine Freunde zu sehen oder in meiner Band zu spielen, wenn ich am anderen Ende von Deutschland studiere”, fragt er sich. Trotzdem bleibt er optimistisch - und glaubt, dass sich jeder Weg für sein Traumstudium lohnt: „Ich hoffe, dass ich eines Tages in der Krebsforschung arbeiten werden und dann selbst jungen Studenten als Dozent etwas beibringen kann”, sagt er.

Qual der Wahl

So klar wie Maik hat Carolin Meyer, Abiturientin am Liebfrauengymnasium, ihre Ziele noch nicht definiert. Sie schwankt noch zwischen Naturwissenschaft und Recht. „Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich nun lieber Jury studieren möchte oder doch eher Ingenieurwesen”, sagt die 19-Jährige. Während die meisten ihrer Klassenkameraden schon genau wissen, welche Richtung sie nach dem Abi einschlagen, ist sie noch „total unentschlossen”. „Ich denk derzeit ziemlich viel darüber nach, wofür ich mich nun letztlich entscheiden soll - aber ich bin optimistisch, dass ich bald eine Entscheidung treffe”, sagt sie. Nur vor einem hat sie Angst: „Dass ich in zehn Jahren zurückblicke und feststellen muss, dass ich mit dieser Entscheidung für das eine oder andere Studium die falsche Entscheidung getroffen habe.”

Zukunft mit Bytes und Bits

Eine falsche Entscheidung treffen - für Thomas Liepe unmöglich. Seitdem der Abiturient vom Städtischen Gymnasium mit acht Jahren seinen ersten Computer bekommen hat, war für ihn klar: „Meine Zukunft ist auf jeden Fall irgendwie mit Computern verbunden.” Mit 14 hat er zum ersten Mal ein Praktikum bei einer Computerfirma gemacht, seitdem er 15 ist, jobbt er für eine Firma, die sich mit Informatik beschäftigt. „Da ist es ganz klar, dass ich ein Informatikstudium beginnen werde”, sagt er. Auch dass dies künftig zulassungsbeschränkt sein wird, und nur die Bewerber mit den besten Noten die Chance auf einen Studienplatz haben, stresst ihn nicht. „Wenn es im ersten Anlauf mit dem Studienplatz nicht klappt, dann arbeite ich halt eben ein Jahr in der Firma, in der ich seit Jahren nebenbei jobbe”, sagt er.

Ein mulmiges Gefühl bereitet ihm nur der Blick in eine fernere Zukunft. „Der Gedanke, nach dem Studium keine Job zu finden, der macht mir schon etwas Angst. Deshalb will ich noch ein Studium in Pädagogik oder BWL hinten anhängen, damit ich auch in anderen Gebieten arbeiten kann - etwa als Informatiklehrer”, verrät der 19-Jährige seinen Plan. Weg aus Eschweiler will er aber erstmal nicht. „Ich will auch neben dem Studium weiter in der Computerfirma jobben”, sagt er. „Das macht sich bestimmt später gut im Lebenslauf”, meint er.

Studieren - komme, was wolle

Münster, Bielefeld, Paderborn - wo Gobika Logeswaran letztlich studieren wird, das weiß sie noch nicht. Dass sie definitiv studieren wird, da ist sie sich ganz sicher. „Ich will Deutschlehrerin werden”, sagt sie. Schon seit vielen Jahren ist dieser Berufswunsch bei ihr klar. Vor dem Studium hat sie keine Angst. Und auch vor dem Flügge werden nicht. Ich glaube es ist gut für die Entwicklung, wenn man mal auf eigenen Beinen steht und Mama und Papa nicht jederzeit da sind, um für einen die Kohlen aus dem Feuer zu holen”, sagt sie. Wenn es mit dem Lehramtsstudium nicht auf Anhieb klappt, will Gobika trotzdem im Hörsaal sitzen.

„Für den unwahrscheinlichen Fall, dass ich meine Wunschfächer nicht studieren kann, studiere ich ein anderes Fach - denn nächstes Jahr kommt der doppelte Abiturjahrgang. Und dann will ich schon einen festen Studienplatz haben”, sagt sie.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert