Arbeitsgememeinschaft „BiNE“: Werbetrommel rühren für Mutter Natur

Von: Rudolf Müller
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So sehen sie aus, die Skudden, denen die Umwelt-Bildungs-Arbeitsgemeinschaft BiNE in und um Eschweiler Obdach gewährt. Die vom Aussterben bedrohten Nutztiere sind genügsam und eignen sich besonders zur Landschaftspflege. Foto: stock/blickwinkel
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Runter mit der Wolle: Die Schüler der Montessori-Grundschule in Eilendorf sehen interessiert zu, wie Petra Röllicke Schaf „Nelli“ schert. Eine Woche lang waren vier Mutterschafe und vier Lämmer vielbestaunte Gäste im Schulgarten. Foto: Heike Lachmann
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Das Trio an der Spitze des Vereins „BiNE“ e.V., der sich über neue Mitglieder jederzeit freut: Andrea Burggraef, Friedrich Kratz-Maurer und Petra Röllicke (von links).

Eschweiler. Es soll Kinder geben, die haben noch nie ein lebendiges Schaf gesehen. Und damit sind nicht nur Sprösslinge in Rio oder New York, Berlin oder Frankfurt gemeint. Wenn allerdings Kinder von sich sagen, noch eine Skudde gesehen zu haben, ist das nicht weiter verwunderlich.

Die Ostpreußische Skudde gehört zu den ältesten Schafrassen, gilt als vom Aussterben bedroht und steht demgemäß auf der Roten Liste gefährdeter Nutztierrassen. Das gilt auch für Krainer Steinschafe. Kleine Herden beider Rassen haben in Eschweiler ein Domizil gefunden: Sie stehen in der Obhut eines Vereins engagierter Tier- und Naturschützer. Eines Vereins, der seit Dienstagabend vom Jugendhilfeausschuss des Eschweiler Stadtrats als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt wurde.

Schafe und Jugendhilfe? Das passt. Denn der Verein Bine hat es sich auf die Fahnen geschrieben, Kindern und Jugendlichen eine Menge wichtiges Wissen in Sachen Umwelt zu vermitteln. BiNE, das steht für „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“. Initiatorin des Vereins, der vor drei Jahren gegründet wurde, ist Petra Röllicke. Die Inde-städterin ist vielseitig umweltengagiert: Sie ist Referentin für den Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung und Umweltbildung, leidenschaftliche Biogärtnerin mit Kräuter-, Gemüse- und Obstgarten, zertifizierte Natur- und Landschaftsführerin für den Nationalpark Eifel, hat ein weiterbildendes Studium zur Umweltbildung an der Uni Rostock absolviert und ist Fachfrau für Schafe, Filz und Wolle. Gemeinsam mit Ina Sukkau, Monika Endner und Andrea Burggraef leitet Röllicke die Weiterbildungsveranstaltungen des Vereins.

Und das sind alles andere als dröge Lehrstunden. Auch wenn es um Inhalte wie Biodiversität, Natur und Umwelt, Ernährung, nachhaltiges Wirtschaften, Fairness, Eine Welt und Partizipation geht. Bei Bine tragen die entsprechenden Veranstaltungen so spannende Titel wie „Mord im Regenwald - Handeln erwünscht!“, „Wilde Früchtchen - Delikatessen aus dem Eschweiler Stadtwald“, „Soko Schoko“, „Vom Schaf zur Socke“, „Wasserdetektive unterwegs“, „Wie die Tiere den Wald erleben“, „Der Boden lebt - Zu Besuch bei der Müllabfuhr des Waldes“, „Treffpunkt: Alte Eiche im Hainbuchenwald“, „Vom Baum zum Papier“, „Der Boden unter unseren Füßen“, „Pitsch, patsch, platsch – ein Ausflug zum Bach“ und „Forschungsreise Ascvilare“.

Seit drei Jahren schon – so viel Zeit ist nötig, um die Anerkennung durch den Jugendhilfeausschuss bekommen zu können – pflegen Petra Röllicke und ihre Vorstandskollegen Andrea Burggraef und Friedrich Kratz-Maurer den Kontakt zu zahlreichen Schulen und einigen Kindergärten in Eschweiler und der Region. So veranstaltet BiNE zum Beispiel seit Jahren regelmäßig Ferienspiele gemeinsam mit der OGS Bohl. „Es sind sicher weit über tausend Kinder, die schon an unseren Programmen teilgenommen haben“, sagt Petra Röllicke.

Und es sind nicht nur Schulen und Kindergärten, an die das Bine-Team sich wendet, um die Werbetrommel für Mutter Natur und deren nachhaltigen Schutz zu rühren. Freie Veranstaltungen des Vereins können von allen Interessierten besucht werden.

„Unser vorrangiges Ziel ist es, Öffentlichkeitsarbeit für den Schutz unserer Lebensräume zu machen“, unterstreicht die Initiatorin. „Dazu gehört, Bine in der Region bekannter zu machen und diesbezügliche Angebote zu fördern, sowie durch Vermittlung, Organisation und Durchführung von Veranstaltungen zu nachhaltiger Umweltbildung bezahlbare Bildungsangebote für Schulen, Offene Ganztagsschulen, Kindergärten u.a. zu ermöglichen.“

Einen Schwerpunkt setzt der Verein dabei auf Bildungsangebote, die jeweils im direkten Lebensumfeld der Kinder und Jugendlichen stattfinden. Dies soll eine größere Bindung an das heimische Umfeld schaffen und damit eine größere Bereitschaft, dieses zu schützen angestoßen werden. Dieser Ansatz erspart außerdem Schulen die meist hohen Anfahrtkosten.“

Gesucht: Schaf-Paten

Wer Menschen für ihre Möglichkeiten der Gestaltung des eigenen Lebens, des Lebens der anderen und für unsere Umwelt sensibilisieren will, der muss sie auch dazu bringen, Verantwortung zu übernehmen. In einer Hinsicht geht Bine hier den umgekehrten Weg: Unter dem Motto „Sie haben den Spaß — wir tragen die Verantwortung“ bietet der Verein eine ganz besondere „Paten-Aktion“ an: Für eine Spende von 75 Euro bzw. 100 Euro (Schulklassen, Firmen) kann jeder Interessierte eine persönliche Patenschaft für eines der vom Aussterben bedrohten Skudde- oder Steinschafe des Vereins übernehmen. Damit sichern die Paten für jeweils ein Jahr den Unterhalt „ihrer“ Tiere und leisten so einen Beitrag zum Erhalt dieser wertvollen Rassen.

Jeder Pate erhält eine Patenschafts-Urkunde, eine Fotopostkarte „seines“ Schafs, Infos zu Aktivitäten rund um die Schafhaltung, (z.B. Scheren, Ausmisten, Zaun- und Stallbau, Klauenpflege, Lammzeit), einen kostenlosen Filzworkshop und natürlich eine Spendenquittung. In Aachen gibt es inzwischen übrigens eine kleine, feine Werkstatt, die sich darauf spezialisiert hat, exklusive Filzhüte zu fertigen: aus Bine-Skudde- und Steinschafwolle.

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