Eschweiler - Andreas und Melanie Stütz mit dem Fliewatüüt auf dem Jakobsweg

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Andreas und Melanie Stütz mit dem Fliewatüüt auf dem Jakobsweg

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:
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Vom Flughafen Aachen-Merzbrück aus starteten Melanie und Andreas Stütz zu einer außergewöhnliche Foto: Stefan Herrmann

Eschweiler. Familie Fliewatüüt ist zurück! Nachdem sich Andreas und Melanie Stütz vor gut einem Monat zu einem unglaublichen Flugabenteuer auf den Jakobsweg aufmachten, kehrte das Ehepaar nun zurück in die Indestadt.

Im Gepäck: eine Fülle an spannenden Geschichten, Erfahrungen und Erinnerungen, die ihr Leben veränderten und der innige Wunsch, die begonnene Reise fortzusetzen.

Dieses Mal kamen sie jedoch nicht mit dem Fliewatüüt, diesem außergewöhnlichen Fluggerät, das dem Kinderbuch „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt” entlehnt ist. Ihr Gyrocopter - so der richtige Name des Fliewatüüts - steht derzeit bei einer Freiburger Flugschule. Dort wird er vermutlich auch bleiben. Denn die Stütz werden ihr Fliewatüüt an die dortige Flugschule verkaufen. Schluss mit Abenteuer? „Keinesfalls!”, widerspricht Unternehmer Andreas Stütz. „Der Flug auf dem Jakobsweg bis nach Santiago de Compostela war im wahrsten Sinne des Wortes unser Pilotprojekt”, erzählen die Beiden.

Aber beginnen wir am Anfang der Reise: Von Merzbrück aus starteten die Luft-Pilger am 6. April ihren Lebenstraum. Eigentlich sollte das Projekt „Jakobsflug” am frühen Vormittag beginnen. Doch die schlechten Sichtverhältnisse ließen keine Start zu. „Bitte gedulden”, lauteten die vertröstenden Worte aus dem Tower.

Erst am späten Mittag trudelte dann die Starterlaubnis ein. „Jetzt geht´s endlich los!”, dachten sich die Abenteurer. Das tat es auch, allerdings nur bis zur deutsch-belgischen Grenze. Kaum hatten die Fliewatüüt-Piloten Kontakt mit der Flugsicherung des Benelux-Staates aufgenommen, sollten die Probleme auf den ersten 24 Stunden Jakobsweg erst so richtig an Fahrt aufnehmen.

Denn die Belgier erkannten die Kennung, die jedes Fluggefährt per Transponder absenden muss, nicht an. Die Technik streikte, so dass Melanie und Andreas Stütz nach einigem Hadern nur eine Wahl blieb: Zurück nach Merzbrück und möglichst schnell schauen, dass man das Fliewatüüt auch für den internationalen Luftraum fit bekommt. So dauerte es letztlich bis 17 Uhr, bevor der knuffig aussehende Flugzeug-Hubschrauber ein zweites Mal über die Piste rauschte und schließlich in luftige Höhen davonflog.

Trotzdem musste die erste Etappe gekürzt werden. So landete Stütz mit Frau und Fliewatüüt gegen halb acht im nordfranzösischen Valenciennes. Hätten sie gewusst, was in der ersten Nacht „on the road” auf sie zukommen würde... Wer weiß, vielleicht hätten die Stütz doch noch fluchtartig das Weite gesucht.

Denn nach der Landung auf der buckeligen Graspiste stellten die Stütz Fliewatüüt und ihr kleines Zelt in direkter Nähe zum Tower auf. Der hatte - wie der Rest des kleinen Flughafens auch - längst die Fensterläden zugeklappt. Zum Glück hatte wenigstens das Begleitteam, zu dem auch die Eltern von Melanie Stütz gehörten, bereits im Vorfeld alles abgeklärt. Nun ja, fast alles.

„Die erste Nacht war wirklich der Horror”, erinnert sich die 29-Jährige. Dass noch ein Flugzeug im Laufe des späten Abends landen sollte, hatte man ihnen mitgeteilt. Dass es sich dabei um eine riesige Trans-All-Transportmaschine handeln würde, die mit wild drehenden Propellern für einen wahren Sturm auf dem Feld sorgte, wussten die Beiden nicht.

Kaum bettete sich der für kurze Zeit zum emsigen Ameisenstaat mutierte Flughafen wieder zur Ruhe, zog ein schweres Unwetter auf. „Unser Zelt hielt die Wassermassen und Windböen überraschenderweise gut aus, der Gyrocopter ist dagegen nur bedingt wasserdicht”, erklärt Andreas Stütz rückblickend die plötzlich ausbrechende Hektik im Zelt und die Suche nach der Abdeckplane.

Die Zeiger auf der Uhr zeigten inzwischen Mitternacht an. Endlich Ruhe! Doch von wegen: Nach knapp drei Stunden Schlaf weckte ein anschwillendes Surren das völlig entkräftete Ehepaar auf. „Ich dachte mir nur: Für eine Klimaanlage ist das Geräuch zu laut, außerdem roch es verdächtig nach Kerosin”, wagte Andreas Stütz einen vorsichtigen Blick nach draußen.

Dort, nur wenige Meter entfernt, machte sich eine Düsenmaschine mit reichlich Krach auf den Weg zur Landebahn. „Mit all den Strahlern sah es für uns aus dem Zelt heraus fast wie eine Ufolandung aus”, kann Melanie Stütz rückblickend schon wieder über die Geschehnisse der ersten Nacht schmunzeln. „Nur eines haben wir nach diesen verrückten Stunden beschlossen: Ab jetzt nehmen wir die Kamera immer mit!”

Auf ihrem über 2000 Kilometer langen Weg nach Nordspanien erlebten Andreas, Melanie und das Fliewatüüt noch viele weitere Abenteuer, machten interessante Bekannschaften mit Menschen links und rechts des Wegerandes und stellten sich den zahlreichen Herausforderungen, die ihr ganz persönlicher Pilgerweg für sie bereithielt.
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