Andreas Deutz tut die Landluft sichtlich gut

Von: Stefan Herrmann
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Froh über seinen betriebsintegrierten Arbeitsplatz auf dem Bauernhof: Andreas Deutz. Foto: Stefan Herrmann

Eschweiler. Es herrscht Nachmittagsruhe im großen Kuhstall. Andreas Deutz stapft in Stiefeln und Arbeitshose durch die Reihe. Noch gut zwei Stunden bis zum Melken, verrät seinem Chef der Blick auf die Uhr. Der heiß Erich Dohmen, ist Landwirt in Mausbach, und froh, seit Dezember vergangenen Jahres mit Andreas Deutz einen jungen Mann auf dem Hof zu haben, der mit anpacken kann.

Dass Andreas Deutz ein Mensch mit geistiger Behinderung ist, spielt für Erich Dohmen überhaupt keine Rolle. „Natürlich war es für Herrn Dohmen Neuland, und es stellte sich für ihn die Frage: „Welche Verpflichtung gehe ich da ein?”, weiß Wolfgang Wiesen.

Der Bereichsleiter der betriebsintegrierten Außenarbeitsplätze steht an diesem sonnigen Nachmittag gemeinsam mit Fredi Gärtner, dem Leiter des Sozialen Dienstes und der Beruflichen Bildung der Caritas-Behindertenwerk GmbH auf dem Hof des Mausbacher Landwirtschaftsbetriebs Erich Dohmen und freut sich.

Vom verhaltensauffälligen Mitarbeiter zum Leistungsträger lässt sich Andreas Deutz Werdegang beschrieben, bevor er plötzlich erneut auffiel, übermüdet und teils zu spät zum Dienst erschien. Der Grund: Er arbeitete nebenher bei einer mobilen Saftpresse. Doch war der Job saisonal begrenzt, der Wunsch, außerhalb der Caritas-Werkstätten zu arbeiten, aber blieb. Und so begab er sich wieder auf die Suche - und landete bei Erich Dohmen.

Der kannte den Jungen bereits als Zwölfjährigen. Beide wohnen im kleinen Örtchen Krewinkel. Damals kam Andreas mal vorbei, schaute dem Bauern bei der Arbeit zu. „Dann habe ich einige Jahre kaum etwas von ihm gehört”, erinnert sich Dohmen. Bis vor wenigen Monaten.

Anstatt in der Caritas-Schreinerei in Weisweiler zu bleiben, zog es Andreas Deutz aufs Land. Er selbst ergriff die Initiative: „Ich hab beim Erich nachgefragt und er hat ja gesagt”, berichtet der junge Mann vom Blitz-Bewerbungsgespräch.

Zusammen mit Gärtner, Wiesen und Dohmen wurden die Möglichkeiten eines sogenannten betriebsintegrierten Arbeitsplatzes ausgelotet. Das heißt: Deutz ist weiterhin Mitarbeiter des Caritas-Behindertenwerks, allerdings nicht mehr in den eigenen Werkstätten tätig. Er wird von der Caritas betreut, einen Teil der Finanzierung übernimmt der Landwirt.

„Es ist tragbar”, sagt der nach einigen Monaten rundum zufrieden und stellt seinem fleißigen Helfer sogleich einen „Blankoscheck” aus: „Solange ich das mache”, zeigt Dohmen auf den Hof, „kann Andreas hier weiterarbeiten.” Da blickt Fredi Gärtner zufrieden drein. „Eine Win-Win-Situation für alle”, bezeichnet er dieses Paradebeispiel für die Integration behinderter Menschen auf dem Arbeitsmarkt.

Und Andreas? Der ist einfach nur glücklich. Selbst das frühe Aufstehen - um sechs Uhr ist Melkzeit - macht ihm nichts aus. Ausmisten, Traktorfahren auf dem Hofgelände, das Füttern des Viehs. „Der Junge packt an und ist lernfähig”, lobt ihn der Chef.

Und dass er zwölf Kilo abgenommen habe, versichert Andreas, liege keinesfalls am Essen. Denn auch bei den Mahlzeiten ist er bei der Landwirt-Familie bestens aufgenommen worden: Ob bei Erich Dohmens Schwiegermutter Margarete Frehlenberg oder Dohmens Frau Claudia - Andreas fehlt es an nichts. Die purzelnden Kilos liegen wohl eher an der guten Landluft und an der körperlichen Arbeit.

„Ich mags hier draußen”, schaut er, die Sonne im Gesicht, über die verschneiten Wiesen, die sich hinter dem Stall erstrecken.
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