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Anarcho-Clowns erobern vom Dorf aus die Musikwelt

Von: Tom Lammertz
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Fühlt sich wohl auf allen Bühnen der Welt, aber auch auf Anhieb in der alten „Heimat“ wieder zu Hause: Deddi Köhne. Foto: Scheller
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Eschweiler/Stolberg. Als Deddi Köhne Anfang April eine Anfrage der Mundartband Puddelrüh bekam, hat es gerade einmal zwei Wochen gedauert, bis er einer der ihren war. „Stolberg und Eschweiler – da fühle ich mich noch zu Hause“, sagt der Wahl-Kölner, der einst von Stolberg auszog, um die Welt zu erstürmen. Aber der Reihe nach.

Deddi Köhne, der Schnellgreifer am Bass, hat schon mit etlichen großen Künstlern aus Rock, Klassik, Jazz und Musical zusammengearbeitet. Seine musikalische Lauf­bahn begann in Schweden, wo er erste Kontakte zur Jazzszene knüpfte. Dann kam er nach Deutschland und zelebrierte gnadenlos den Rock‘n‘Roll. Seine Heimat damals: Vicht. Von dort aus absolvierte er mit „Schroeder Roadshow“ eine internationale Tournee.

„Genau, Stolberg-Vicht. Vollkommen verschlafener kleiner Ort damals. Dort haben wir als Groß-­ WG in einem – ich glaube – ehemaligen Bauernhof gewohnt, in dem auch noch eine Kneipe war, und die wurde von uns betrieben. Gewohnt haben dort alle Schroeder-Mitglieder und deren Ehefrauen beziehungsweise Freundinnen und auch die Töchter von Uli und Rich. Im Hof hat Richard Herten dann immer zwischen den Touren am Bus rumgeschweißt und die Sicherungen rausgehauen, während in der Kneipe ein paar Stammgäste rumsaßen.“

Deddi stieß erst später zur Band. Er hatte mit Mick, einem der damaligen Gitarristen von Schroeder, eine andere Band in Köln. Als Schroeder-Bassist und Gründungsmitglied Rich krank wurde, rief Mick bei Deddi an: „Ob ich einspringen könnte. Danach ging alles sehr schnell. Rich hat mich eingeprobt, und los ging‘s.“ In Vicht bekam er vorübergehend ein Zimmer neben Küche und Toiletten im Erdgeschoss. „Wir haben hauptsächlich dort geprobt, mit PA und allem drum und dran, sind immer circa zehn Tage zu Hause gewesen und dann wieder für zwei bis drei Wochen auf Tour, haben Deutschland, Schweiz und Österreich erobert.“

Das war 1979/80. Zwischendurch fuhr er immer mal wieder nach Köln, um sein Studium zum erfolgreichen Abschluss zu bringen. Vielleicht aber auch, um ein wenig durchzuatmen: „Kann sich wohl jeder vorstellen, dass es bei so einer Wohngemeinschaft mit rund zehn Leuten, zwei Kindern und ständigen Gästen nicht ganz ohne Trouble abging. Da ging definitiv auch zu Hause der Rock‘n‘Roll ab. Das Ganze dauerte etwa eineinhalb Jahre, dann bin ich wieder zurück nach Köln und hab‘ bei Zarah Zylinder gespielt. Die hatten ein ähnliches Programm, den gleichen Booker – und dort spielte damals schon Frank Hocker die Gitarre, der dann ja später zu Schroeder gewechselt ist. Das ging damals alles ziemlich schnell, aber gut.“

Schroeder Roadshow, so steht in der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia nachzulesen, „war eine in Köln gegründete Politrock-Anarcho-Clown-Band und machte von 1975 bis 1986 durch ihre teils beißend ironischen und politischen Texte sowie ihre Konzertauftritte von sich reden“. Auch mit Zarah Zylinder ging Deddi ins Studio und auf Tour, und dann folgten unzählige Auftritte mit den legendären Hardbeats, deren erste Single, man staune, sogar auf Kölsch war. Die Hardbeats bekamen als beste und rotzigste Coverband damals den heiß begehrten Plattendeal bei Ralph Siegel.

Kölsch ist für ihn also ein alter, aber liebgewonnener Hut. Doch bei all den musikalischen Projekten, die ihn mit vielen Größen des Musikgeschäfts zusammenbrachten, hat Deddi Köhne noch nie eine Karnevalssession absolviert. Diese Premiere feiert er nun mit der Band Puddelrüh, die sich in der Städteregion zwar besonders, aber eben nicht nur hier zu Hause fühlt.

Die Zeichen stehen bei Puddelrüh, wo nach dem längsten Winterschlaf der noch jungen Bandgeschichte wieder fleißig gearbeitet wird, ganz klar auf Session 13/14, denn ab November stehen in den Sälen und Zelten zwischen Krefeld und Bonn einmal mehr etliche Gastspiele auf dem Tourplan – und das mit komplett neuer Rhythmusgruppe, denn auch am Schlagzeug gibt’s ein anderes, allerdings recht bekanntes Gesicht: Christian Schulze aus Alsdorf, der mit den Bands Germanphil, Nighthshift und Four Kings schon auf fast allen Bühnen der Region, als betrogener Ehemann, Streifenpolizist oder Rechtsanwalt aber auch in diversen Fernsehserien aufgetreten ist.

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