Am Zuckerhut wächst ein Stück Rheinland

Von: Rudolf Müller
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Düsseldorf, Prinz-Georg-StraÀ
Düsseldorf, Prinz-Georg-Straße 91: Hier ist der Sitz des neuen brasilianischen Konsulats für die Regierungsbezirke Düsseldorf, Münster und Detmold. Zum Honorarkonsul ernannt wurde jetzt Max Krieger, hier mit Ehefrau Carla Lima de Paula. Foto: R. Müller

Eschweiler/Düsseldorf. Das Land ist 205mal so groß wie die Niederlande. 191 Millionen Menschen verteilen sich im fünftgrößten Land der Erde auf einer Fläche, die fast 50 Prozent Südamerikas umfasst. Ein Land von unvergleichlicher Schönheit, mit unglaublichen Naturschätzen. Ein Land im Aufbruch, das zu Deutschland eine besondere Affinität besitzt.

Dennoch war es bislang ein „Einzelkämpfer”, der in Nordrhein-Westfalen - genauer gesagt: im Regierungsbezirk Köln - die Interessen Brasiliens vertrat und die Zusammenarbeit beider Länder auf kultureller, sozialer und wirtschaftlicher Ebene förderte: Honorarkonsul Klaus Peter Pavel aus Aachen.

Seit wenigen Tagen ist dies nun anders: Brasiliens früherer Botschafter und heutiger Generalkonsul in Frankfurt, César Amaral, führte Max Krieger offiziell in dessen brandneuem Düsseldorfer Büro in sein Amt als Honorarkonsul der Föderativen Republik Brasilien ein. Sein Zuständigkeitsbereich: die Regierungsbezirke Düsseldorf, Münster und Detmold.

Seit Jahren bereits ist Brasilien erklärtes Lieblingsland des Indestädters. Mehrere Reisen führten ihn bereits in das Land am Zuckerhut. Und umgekehrt, so weiß er, fühlen Brasilianer sich im Rheinland äußerst wohl. Das muss wohl an einer ähnlichen Mentalität liegen, sagt Krieger.

Und meint damit nicht nur die hier wie dort funktionierende völkerverbindende Verschmelzung von Nationen und Glaubensrichtungen, sondern auch die positive Lebenseinstellung: „Ein Brasilianer sagt nie ,Nie. Da wird viel improvisiert, und irgendwie klappt es dann.” Et hätt eben noch emme jot jejange.

Das hört sich ganz nach dem an, was Eschweilers Bürgermeister Rudi Bertram über Max Krieger sagte: „Er ist ein hoch engagierter Mann, der immer neue Wege gefunden hat, um gemeinsam zum Ziel zu kommen, und auch dann noch mit neuen Ideen kommt, wenn es gar nicht mehr weiter zu gehen scheint.”

„Brasilien ist seit Jahren ein Herzensthema für mich. Ich liebe Brasilien, und es erfüllt mich mit Stolz, dieses tolle Land hier vertreten zu dürfen”, sagt der 53-Jährige, der im Hauptberuf Kulturmanager der Städte Eschweiler und Stolberg ist. Engagements, die unter der neuen Aufgabe nicht leiden sollen, wie er betont. Im Gegenteil: Seine wachsenden Kontakte können auch dazu beitragen, die hiesige Kulturszene zu bereichern.

„Die Projekte für Eschweiler und Stolberg werden Jahr für Jahr langfristig geplant. Ich habe nach wie vor meinen Wohnsitz in Eschweiler, bin hier nach wie vor für jedermann ansprechbar und nutze mein Büro in Düsseldorf lediglich an einem Tag je Woche für ein paar Stunden. Ich werde mich auch künftig daran messen lassen müssen, was ich in Eschweiler und Stolberg leiste. In Eschweiler zum Beispiel muss ich jedes halbe Jahr dem Kulturausschuss detailliert Bericht erstatten. Ich gehe davon aus, dass ich den Ausschuss wie bisher mit meiner Arbeit überzeuge.” Und je länger Krieger im Geschäft ist, desto mehr werden manche Dinge zum „Selbstläufer” und andere aufgrund langjähriger vertrauensvoller Zusammenarbeit mit einer Vielzahl von Partnern wesentlich einfacher. Max Krieger hat eben einen guten Ruf in der Kultur- und Veranstaltungsszene. Da tun sich Türen leichter auf.

Das hat Krieger auch bei einer ganzen Reihe von „brasilianischen” Projekten in der Region bereits unter Beweis gestellt. Von der Ausstellung des brasilianischen Vorzeige-Künstlers Carlos Bracher in Schloss Paffendorf bis hin zu unterschiedlichsten Konzerten, „Stolberg goes Brasil” mit 30.000 Besuchern und zur Art Open in Eschweiler mit Brasilien als Partnerland. Seit einigen Jahren fungiert er zudem als Berater der Deutsch-Brasilianischen Gesellschaft sowie als Kulturpartner des Generalkonsulats in Frankfurt.

Dass er gerade jetzt gebeten wurde, das Ehrenamt eines brasilianischen Honorarkonsuls zu übernehmen, ist für Krieger ein Zeitpunkt, wie er besser kaum sein könnte: 2013 ist in Brasilien zum „Deutschlandjahr” ausgerufen worden, 2013 ist Brasilien auch Partnerland der Frankfurter Buchmesse, 2013 findet in Brasilien der Weltjugendtag mit dem Papst statt, 2014 ist Brasilien Austragungsland der Fußballweltmeisterschaft, 2016 finden dort die Olympischen Spiele statt.

„Das Land ist im Aufbruch”, sagt Krieger. „Brasilien besitzt eine aufstrebende Wirtschaft und hat eine Menge Nachholbedarf, der überall im Land spürbar ist. Als Schwellenland sucht Brasilien deshalb vielfältige Kooperationen. Und wenn Brasilianer nach Deutschland blicken, dann sehen sie Zuverlässigkeit, Knowhow, Vertrauen und Pünktlichkeit - und genau all das braucht das Land jetzt.”

Schon jetzt besitzt Brasilien in Sao Paulo die größte Ansiedlung deutscher Firmen weltweit. Nirgendwo sonst bieten deutsche Unternehmen so viele Arbeitsplätze wie hier in der 17-Millionen-Stadt. „Brasilien ist eben nicht nur Samba, Fußball, Carneval”, betont Max Krieger und verweist auf die touristischen Potenziale des riesigen Landes mit seinen 7000 Kilometern Strand, aber auch auf die Erdölvorkommen entlang der gesamten Küste.

Es gibt viel zu tun für den frisch gebackenen Honorarkonsul, dessen Aufgabenliste sich wie die Beschreibung eines Vollzeitjobs liest: Betreuung von brasilianischen Staatsangehörigen, Gästen und Delegationen, Unterstützung von Staatsbesuchen, Vermittlung von wirtschaftlichen und kulturellen Kontakten, Förderung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, Herstellung und Pflege von Handelsbeziehungen, Organisation von Unternehmerreisen, Betreuung von Messen und Ausstellungen, Zusammenarbeit mit Ministerien, Behörden, öffentlichen Institutionen, Betreuung kultureller und sozialer Projekte, Mitarbeit bei Kultur- und Künstleraustausch.

Wenn das einer kann, dann ist dies Max Krieger, unterstrich auch Stolbergs stellvertretende Bürgermeisterin Hildegard Nießen beim Empfang im neuen Konsulat an der Prinz-Georg-Straße 91 in Düsseldorf. „Was Max Krieger macht, das macht er mit Herzblut. Es ist auch für uns Stolberger eine ganz große Freude und Ehre, dass Max Krieger diese Ernennung erhält.”

Und auch Kriegers Köln-Aachener Pendant Klaus Pavel, seit 1988 im Amt, gratulierte: „Wir sind keine Konkurrenten. Wir haben beide die Aufgabe, dieses fantastische Land zu fördern und zu vertreten. Ich bin froh, dass ich nun einen Kollegen habe, der den nördlichen Teil Nordrhein-Westfalens vertritt, und gehe davon aus, dass die Zusammenarbeit sehr gut sein wird.” Letzteres hat sich schon jetzt in einigen Veranstaltungen, in denen Krieger und Pavel gemeinsam die Sache Brasiliens vertraten, bewiesen.

Schon für die nächsten Tage plant Krieger die Gründung eines Runden Tischs für Unternehmen, die an Kooperationen interessiert sind. Eine brasilianische Kunstausstellung ist ebenso in Vorbereitung wie ein Benefizkonzert für ein brasilianisches Sozialprojekt, ein Sportleraustausch sowie Vorträge zu wirtschaftlichen und touristischen Themen.

Dass Max Kriegers frisch angetraute Ehefrau Carla aus Brasilien stammt und früher in der Banco do Brasil tätig war, gibt ihm bessere Einblicke in wirtschaftliche Gepflogenheiten dortiger Unternehmen. Und die Möglichkeit, zu Hause Portugiesisch zu lernen.
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