Eschweiler-Kinzweiler - Am Kirmesmontag entsteht der Kreuzweg

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Am Kirmesmontag entsteht der Kreuzweg

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
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Viele Kinzweiler Bürger packten vor 100 Jahren am Montag nach dem Dreifaltigkeitssonntag mit an, um den Kreuzweg auf dem Kalvarienberg zu errichten. Repro: Heimatfreunde Kinzweiler

Eschweiler-Kinzweiler. Sie ist ein Stück Heimat: die Oktav zur Mutter vom Guten Rat in Kinzweiler. Dort, in Eschweilers Nordwesten, wird seit 1767 das Gnadenbild der Gottesmutter verehrt, das sich in der Kirche St. Blasius befindet. Das Vorbild und Original ist in Genazzano, einem kleinen Ort etwa 50 Kilometer östlich von Rom, zu finden.

Wenn am Sonntag die diesjährige Oktav eröffnet wird, feiert die Gemeinde ein Jubiläum: Vor genau 100 Jahren errichtete die Bruderschaft der Mutter zum Guten Rat unter tatkräftiger Hilfe vieler Kinzweiler Bürger den Kreuzweg auf dem Kalvarienberg.

Über 100 Helfer aktiv

Auch heute noch ist die Wallfahrt ein Zeitpunkt, an dem die Menschen in Kinzweiler enger zusammenrücken. Über 100 Helfer stehen der Bruderschaft und dem Pfarrer Dr. Rainer Hennes in dieser Woche zur Seite. „Die Menschen sind mit Freude dabei und diese Freude ist ansteckend“, schildert der Kinzweiler Geistliche seine Erfahrungen.

Bereits im Vorfeld müssen viele Dinge organisiert werden: Die Stationen des Kreuzweges werden gesäubert, der Kalvarienberg hergerichtet. Nach den Prozessionen lädt die Bruderschaft zu Kaffee und Kuchen in die Festhalle. Auch da helfen viele Menschen mit. Zudem seien die Veranstaltungen gut besucht, sagt Dr. Rainer Hennes.

Der Kalvarienberg blickt auf eine lange Geschichte zurück, die der inzwischen verstorbene Josef Granrath von den Heimatfreunden Kinzweiler vor Jahren genau erforschte. Die heutige Pilgerstätte stammt aus dem Mittelalter. Der Kalvarienberg entstand nämlich als eine von zwei Wehranlagen in Kinzweiler am Merzbach, als sogenannte „Motte“. Die andere ist heute noch an der „Oberen Mühle“ zu erkennen. „Motten“ sind Erdanhäufungen, die von einem Wassergraben umgeben waren und auf deren Spitze sich meist ein Wehrturm befand.

Historiker vermuten, dass sich die Anlage auf dem Kalvarienberg auch bis zum Standort der heutigen Pfarrkirche erstreckte. Nach dem Untergang der Burganlage blieb der Hügel zunächst verwaist. Erst im Jahr 1905 konnte er von der Pfarrgemeinde erworben werden. Auch in den Wirren des Zweiten Weltkrieges sollte der Berg noch einmal eine wichtige Rolle spielen.

Zunächst baute man einen Bunker mit Sanitätsraum zum Schutz der Menschen vor Luftangriffen. Nach der Evakuierung der Menschen richtete die Wehrmacht dort im Herbst 1944 Stellungen ein. Die Folgen des Weltkrieges waren auch in Kinzweiler verheerend. Die Stollen im Kalvarienberg brachen noch Jahrzehnte später immer wieder ein, so dass selbst die Kreuzkapelle auf seinem Gipfel abgerissen werden musste.

Dass vor 100 Jahren ein Kreuzweg in Kinzweiler gebaut wurde, ist auf den damaligen Pfarrer Walter Maßberg zurückzuführen. Er war gerade nach Kinzweiler gekommen, als er sich mit der Idee an einige Kinz­weiler wandte. Die Resonanz war dermaßen groß, dass bereits innerhalb von zwei Wochen für jede der 14 Stationen ein Stifter gefunden war. Ein Jahr später wurde der etwa 300 Meter lange Prozessionsweg hinauf zum Kalvarienberg angelegt.

Viele Kinz­weiler halfen mit: Der Bau geschah in 1914 am Montag nach dem Dreifaltigkeitssonntag. Warum? Weil an diesem Tag in Hoengen Kirmes gefeiert wurde und aus diesem Grund die Bergwerke in Mariadorf geschlossen waren. Viele Kinzweiler waren dort beschäftigt. Schon Heiligabend 1915 waren die Stationen im Rohbau, einige vollständig fertig. Die Einsegnung erfolgte schließlich während der Oktav ein halbes Jahr später. Nach dem Krieg musste der Kreuzweg saniert werden – aber bis heute ist er erhalten geblieben.

Dass Leben auf dem Kalvarienberg herrscht, ist dem Kinzweiler Pfarrer Dr. Rainer Hennes im ganzen Jahr Recht: „Dort dürfen Kinder ausdrücklich spielen. Das ist mir sogar lieb, weil die kleineren Kinder die bösen Buben ansprechen, die dort achtlos eine Flasche hinwerfen oder etwas zerstören“, sagt er. Außerdem sei die ehemalige Motte ein beliebtes Ziel für Geocacher.

In den nächsten Tagen ist der Berg allerdings vorrangig Pilgerstätte für Hunderte Gläubige aus der gesamten Region. Verschiedene Geistliche werden bei den Messen predigen. Die Oktav steht in diesem Jahr unter dem Leitmotiv: „Du Königin des Friedens, bitte für uns!“

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