Alzheimer: Wie sich die Krankheit anfühlt

Von: ista
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Das letzte Buch hat sie gemein
Das letzte Buch hat sie gemeinsam mit ihrem Vater über seine Alzheimer-Erkrankung geschrieben: die niederländische Autorin Stella Braam. Foto: Kristina Mönch

Eschweiler. „Sprich nicht von morgen. Ich muss erst versuchen, mir das Heute zu merken.” So beschrieb der Psychologe und Autor René van Neer sein Leben in und mit Alzheimer. 2007 ist er verstorben.

Gemeinsam mit seiner Tochter, der Journalistin Stella Braam, hat er „Ich habe Alzheimer. Wie die Krankheit sich anfühlt”, ein Buch über seine letzten Jahre, geschrieben und damit einen unersetzbaren Einblick in die schwere Krankheit ermöglicht.

Am Mittwochabend war Stella Braam zu Gast im Talbahnhof und hat die vielen Interessierten mit auf eine Entdeckungsreise in die Welt demenzkranker Menschen genommen. Vier Jahre lang hat sie ihren Vater begleitet, hat mit ihm Interviews geführt, ihn in seiner neuen Welt besucht. Gemeinsam mit ihm hat sie versucht, Antworten zu finden. Antworten auf die Frage, wie man sich fühlt, wenn man an Alzheimer leidet. Oder auf die Frage, wie man die Pflege empfindet.

In einem Video hat sie sein Leben vielschichtig dokumentiert, zeigt ihn in seiner Wohnung, die er bis 2003 selbständig bewohnen konnte und seine anschließenden Aufenthalte in mehreren Pflegeheimen. Er selbst beschreibt in dieser Dokumentation seine Situation als Hilflosigkeit. Seine innere Ruhelosigkeit wird durch die vielen Mitpatienten und gut gemeinten Heimangebote nur verstärkt. Ständig möchte er nach Hause, versucht zu verstehen. Aber er kann nicht mehr verstehen, denn er hat vergessen. Vergessen, wer er ist. Vergessen, wo er ist. Vergessen, wer die Menschen um ihn herum eigentlich sind.

In ihrem anschließenden Vortrag erzählte Braam von dem unglaublich großen Bedürfnis ihres Vaters nach Nähe, nach Bezugspersonen, die ihm helfen, sich in der neuen Welt zurechtzufinden. Für gesunde Menschen ist es unvorstellbar, das Alte und Bekannte jeden Tag wieder neu entdecken zu müssen. „Jeden Morgen wachte er in einem neuen Zimmer auf, in einem neuen Bett, in einer fremden Umgebung.”

Sichtlich berührten Braams anschauliche Anekdoten die Zuschauer im Talbahnhof, unter denen neben Mitarbeitern von Pflegediensten auch viele Angehörige von Demenzpatienten waren. Sehr liebevoll und humorvoll beendete die Journalistin ihren Vortrag mit einem Gedicht, das sie zum Tod ihres Vaters verfasst hat und das noch einmal mehr zusammenfasst, wie unendlich hilflos sich Alzheimer-Patienten fühlen müssen, wenn ihnen durch die Krankheit jegliche Kommunikation versagt ist.

In der anschließenden Fragerunde hatten die Zuschauer die Möglichkeit, Fragen an die Autorin zu stellen, aber auch, sich ihre Sorgen von der Seele zu reden. Denn vielen Angehörigen wird der erkrankte Mensch plötzlich fremd. Man entdeckt aggressive Seiten an ihm, die man bisher nie gekannt hat. Braam sprach auch von einem Problem der Gesellschaft und der Politik, die bis heute die Augen davor verschließen, dass gerade die Angehörigen von Alzheimer-Betroffenen viel Unterstützung benötigen.

Im Anschluss an den Vortragsabend stand Stella Braam ihren Zuhörern persönlich zur Verfügung. Angehörigen von Demenzerkrankten bieten diverse Gesprächskreise in der Region und die „Alzheimer Gesellschaft Städteregion Aachen e.V.” die Möglichkeit zur Unterstützung. Weitere Informationen sind in Kürze auf der Homepage zu finden.
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