Als „Tagesoma“ für fremde Kinder sorgen

Von: Elisa Zander
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Zeit für einander: die kann individuell gestaltet werden. Lesen, spielen und kochen sind Erlebnisse, die zu Zweit besonders viel Spaß machen. Durch die gemeinsamen Tage entsteht zwischen Kind und Betreuer eine enge Bindung. Foto: Imago/Imagebroker

Eschweiler. Eltern, die eine zuverlässige Betreuung für ihre Kinder benötigen und fitte Pensionierte, die eine neue Aufgabe in ihrem Leben suchen – das kann man zusammenbringen, hat sich die SPD gedacht. Mit einen Antrag lässt die Eschweiler Ratsfraktion nun prüfen, ob eine Qualifizierung älterer Menschen zu „Tagesomas“ möglich ist.

In dem Antrag argumentiert man: „In einer immer älter werdenden Gesellschaft sollten Jung und Alt zueinander gebracht werden, um gegenseitig voneinander zu lernen und zu profitieren. Jung gebliebene „Tagesomas“ hätten hier eine erfüllende Aufgabe und könnten unter Umständen ihre Rente etwas aufbessern.“

Es sei eine Idee, „von der beide Seiten profitieren würden“, sagt Brigitte Knörchen, Fraktionsassistentin der SPD. „Damit gäben wir vielen Menschen die Möglichkeit, in dem Bereich tätig zu sein.“

Das Konzept der „Tagesomas“ ist nicht neu. In verschiedenen Städten Deutschlands wird diese Betreuungsform bereits praktiziert. Eine offizielle Berufsbezeichnung gibt es zwar nicht, doch die Nachfrage ist groß. Gezielt suchen Eltern nach „Tagesomas“, versprechen sich davon einen besonders liebevollen Umgang mit ihrem Kind.

„Vor allem, wenn keine leiblichen Großeltern mehr leben, kann das ein toller Ersatz sein“, findet Christina Siebertz. Die 32-Jährige ist Mutter einer Tochter, die im Oktober zwei Jahre alt wird. Die Suche nach einem Platz in einer Kindertagesstätte findet sie „mühselig“. Eine Tagesmutter wäre für sie eine Option, gerne auch eine im fortgeschrittenen Alter. „Das Kind baut eine enge Bindung zu dieser Person auf. Das vermittelt Kontinuität und Stabilität“, findet sie.

Das Vertrauen gegenüber einem Menschen mit mehr (Lebens-) Erfahrung ist oft größer im Vergleich zu jungen Tagesmüttern, weiß Monika Medic aus ihrer Arbeit als Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses. Sie war es auch, die den Stein ins Rollen brachte. „Ich werde oft von jungen Müttern angesprochen, weil sie gerne zwei Tage arbeiten gehen wollen. Aber sie möchten für ihr Kind keinen Mutterersatz und auch keine Vollzeitbetreuung.“

Medic, die selbst vier Kinder hat, weiß, dass man auf zuverlässige Hilfe angewiesen ist. Die „Tagesomas“ sind darum auch nicht als Vollzeitkräfte gedacht, sondern als ein Zusatzangebot. „Denn es kommen auch ältere Frauen zu mir, die erzählen, sie wollen so etwas machen, fühlen sich aber nicht als richtige ‚Tagesmutter“, erzählt Medic. Frauen, die selbst Kinder großgezogen haben und „Zeit, Ruhe und Geduld“ mitbringen.

Man wolle ein Zeichen setzen, dass man „nicht alles über das Ehrenamt machen muss“, betont die Ausschussvorsitzende. „Natürlich gehört eine entsprechende Ausbildung dazu, aber so können sich die Menschen etwas zu ihrer Rente dazuverdienen.“

Bei einer Sitzung des Aufsichtsrats der Betreuungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche (BKJ) wurde im Januar bekannt, dass in Eschweiler über 200 Betreuungsplätze für Kinder fehlen: 117 für Kinder unter drei Jahren und 87 für Kinder über drei Jahren. Mit Tagesmüttern will man dem Dilemma entgegentreten. Wären da auch „Tagesomas“ eine Option? „Unsere Idee hat absolut nichts damit zu tun, dass es zu wenig Plätze gibt“, betont Monika Medic. „Das ist nicht aus der Not heraus geboren.“

Fragen nach einer Altersgrenze, speziellen Schulungen und eventuellen Einschränkungen müssen jetzt geprüft werden. Grundsätzlich soll es nicht nur ein Angebot für Frauen sein. „Es kann sicher auch „Tagesopas“ geben, aber das muss, wie bei allen anderen auch, im Einzelfall das Jugendamt prüfen“, so Medic.

Ein „bedarfsgerechtes Angebot an Plätzen“ will die SPD schaffen. „Hierfür ist die Kindertagespflege unverzichtbar“, heißt es in dem Antrag. „Sie steht gleichrangig neben der institutionellen Kleinkindbetreuung in Tageseinrichtungen.“

Derzeit ist das Jugendamt noch mit der Prüfung des Antrages beschäftigt, wie Stadtsprecher Stefan Kaever berichtet. „Bislang gibt es noch keinen Ansatz und keine Empfehlung einer Marschrichtung seitens der Verwaltung.“

Am Dienstag, 5. März, findet die nächste Sitzung des Jugendhilfeausschusses statt. Dann wird die Kinderbetreuung auf der Tagesordnung stehen und in dem Zusammenhang auch die „Tagesomas“. Kaever schätzt, dass, sollte bis dahin keine Entscheidung bezüglich des Antrags gefallen sein, es dann zumindest einen Zwischenbericht geben wird.

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