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Als Belohnung gibt´s Eis und Bier

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:
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Jede Stimme zählt: Am Sonntag helfen 272 Indestädter mit, dass die Landtagswahl in Eschweiler reibungslos verläuft. Foto: Stefan Herrmann

Eschweiler. Die vierte Wahl innerhalb eines Jahres, da kommen die Wahlhelfer landauf und -ab ganz schön ins Schwitzen. Am Sonntag heißt es noch einmal: Antritt um 7.30 Uhr im jeweiligen Wahllokal, damit ab 8 Uhr zehn Stunden lang die rund 42.000 Eschweiler Wahlberechtigten von ihrem grundlegenden Bürgerrecht Gebrauch machen können.

Doch ist für viele schon der Gang zur Wahlurne eine zu hohe „Belastung”. Warum also zusätzlich auch noch Wahlhelfer werden?

„Einfach aus Interesse”, antwortet Verena Ortmanns prompt. Die 24-jährige Studentin fand bereits während der Schulzeit das Thema Politik und Wahlen unglaublich spannend. „Als ich dann wahlberechtigt war, wollte ich halt wissen, wie das genau abläuft.”

Einen kurzen Anruf später im Eschweiler Wahlamt war sie dabei. Und ist es bis heute geblieben. 2009 war sie natürlich bei allen Stimmenauszählungen dabei. Und 2010? Keine Spur von Wahlhelfer-Müdigkeit. In ihrem Stammwahllokal im Hastenrather Kindergarten St. Wendelinus wird sie selbstverständlich auch am Sonntag wieder sitzen und mithelfen. Ein Stück weit, findet die Studentin der Sozialwissenschaften, legitimiere man so als „normaler” Bürger schließlich auch das Wahlsystem mit.

„Da opfere ich dann gern auch mal einen Sonntag”, sagt die überzeugte Demokratin mit einem Lachen. Und langweilig werde ihr und ihren Mit-Wahlhelfern in Hastenrath ebenfalls nicht. Die Beteiligung in Eschweilers Süden ist gewohnheitsmäßig hoch. Gerade rund um die Messzeiten ist immer viel los, insbesondere ältere Wähler kommen dann vorbei.

Und was gibt´s noch? Leute, die schon um 7.59 Uhr auf der Matte stehen und welche, die noch um 18.02 Uhr um die Stimmabgabe bitten. Aber dann geht nichts mehr. Die Auszählung beginnt. Für Verena Ortmanns, die sich in ihrem Studium viel mit Statistik und empirischen Forschungsmethoden beschäftigt, kein Problem. Und der kleine „Lohn”, den es für die ehrenamtliche Tätigkeit gibt? „Das Geld reicht nicht für die Studiengebühren”, schmunzelt sie, „aber einige Eis im Sommer sind damit drin.”

Brigitte Oster (68) und ihr Mann Alfred (69) freuen sich da auf eine ganz andere Belohnung. Seit gut zehn Jahren sind sie als Wahlhelfer ehrenamtlich aktiv, und zwar stets in einem der Briefwahlvorstände im Rathaus.

„Der Bürger verlangt immer nur etwas vom Staat. Da könnte man dem Staat doch auch mal etwas zurückzahlen”, dachten sich der einst bei RWE Power für die Besucherbetreuung zuständige Alfred Oster und seine Frau. So meldeten sie sich bei der Stadt und wurden Wahlhelfer. Beide sind seit jeher als Ehrenamtler unterwegs, sie unter anderem bei der Eschweiler Tafel, er beim Deutschen Roten Kreuz und als Vorlesepate.

Im Wahlamt sind sie mittlerweile bekannt für ihre tatkräftige Unterstützung. „Man hat es da mit vernünftigen Leuten zu tun, ein richtig eingespieltes Team”, lobt Alfred Oster die Zusammenarbeit mit den anderen Helfern. Wobei seine Frau Brigitte zugibt, dass die Konzentration beim genauen Sortieren, Zählen und Abgleichen irgendwann schon anstrengt. „Abends raucht dann der Kopf, gerade wenn es mal nicht stimmt und nachgezählt werden muss.”

Doch selbst das ist für die Beiden kein Problem. Gewissenhaft verrichten sie ihre wichtige Rolle, damit für jedermann in Eschweiler freie, geheime und gleiche Wahlen stattfinden können. Los geht´s bei den Briefwahlvorständen in der Regeln übrigens etwas später, die Stimmenauszählung aber beginnt natürlich ebenfalls um Punkt 18 Uhr.

Abends, irgendwann nach 20 Uhr, wenn alle Briefwahlpäckchen letztlich ausgezählt sind und das Ergebnis übermittelt wurde, gehen die Osters nach nebenan in die Fraktionsräume. „Da sehen wir entweder lachende oder lange Gesichter”, sagt Alfred Oster. Ob man halt beim Wahlsieger- oder verlierer steht. Der Wahlhelfer gönnt sich mit seiner Frau in jedem Fall traditionell eine Belohnung: ein leckeres, kühles Bierchen.

Bei Michaela Baader laufen am Sonntag im Rathaus alle Ergebnisse zusammen. Gemeinsam mit ihren sechs Kollegen hat die Leiterin des Wahlamts einiges zu tun. Feierabend? „Nach der Stimmenauszählung”, sagt Baader lapidar. Eine genaue Uhrzeit gebe es da nicht. Denn viele Faktoren spielen eine Rolle: Wie hoch ist die Wahlbeteiligung, wie viele Stimmen müssen folglich ausgezählt werden? Gibt es knappe Stimmbezirke, wo noch einmal nachgezählt werden muss? Da heißt es dann auch für die Helfer in den Wahllokalen vor Ort: „Jede Hand wird bei der Stimmenauszählung gebraucht!”

Insgesamt 272 Wahlhelfer sind am 9. Mai von Weisweiler bis St. Jöris und von Neu-Lohn bis Scherpenseel in 29 Wahllokalen im Einsatz. Hinzu kommen die fünf Briefwahlvorstände, die direkt im Rathaus zusammenkommen. „Ein großer Teil der Helfer wird von der Verwaltung und den Parteien gestellt”, weiß Baader.

Die Bürger, die freiwillig den ehrenamtlichen Staatsdienst an der Wahlurne verrichten, sind deutlich in der Minderzahl. Trotzdem: Einen Engpass wie teilweise in anderen Städten, berichtet Baader, gebe es in Eschweiler nicht. Dafür sorge nun mal der Einsatz der Partei-Aktivisten und besonders der Verwaltungskollegen: „Es ist zwar eine ehrenamtliche Tätigkeit, aber in der Form, dass man sie nur aus einem wirklich wichtigen Grund ablehnen kann.” Der geplante Sonntagsausflug mit der Familie zählt da also nicht als Ausrede.

Herkulesaufgabe: 110.000 Helfer landesweit

Eine Landtagswahl ist eine logistische Herkulesaufgabe. NRW-weit dürfen über 13 Millionen Wahlberechtigte am 9. Mai an der Wahlurne abstimmen.

Dafür stehen gut 110.000 Wahlhelfer in circa 15.500 Wahllokalen von Rhein bis Ruhr bereit.

Einer der insgesamt 128 Wahlkreise ist der Wahlkreis Aachen IV, zu dem auch Eschweiler gehört. In ihm dürfen 113536 Wahlberechtigte (darunter 8339 Erstwähler) ihre Stimme abgeben.

Der Wahlkreis Aachen IV umfasst, eingeteilt in 130 Stimmbezirke, neben der Indestadt die Gemeinden Monschau, Roetgen, Simmerath und Stolberg.

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