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Alles Illusion: Zwergenmützen und antike Säulen

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Links die weißen Schuhe, rechts die schwarzen, und das dann nicht nur in zwei Regalen, sondern einen ganzen Raum voll - ob man sich so etwas auch zuhause bauen könnte?

Eschweiler/Aachen. „Wenn Sie durch diese Tür gehen, erwarte ich ein lautes Ahhhhh!” Anke Woopen, beim Stadttheater Aachen verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit, hatte genau so viel Spaß an der Führung durch die Theaterwerkstätten wie die Besucher aus Eschweiler.

Und deren Ahhhhh kam natürlich prompt: Ahhhhh, so ein riesiges Gemälde! Der Boden der Halle ein einziges Bild! So also wird aus Holzlatten, Leinwand und Farbe die Theaterwelt - eine Welt aus Imagination und Phantasie.

Die Eschweiler Volkshochschule hatte die Exkursion zu den Werkstätten organisiert. In der einstigen Tuchfabrik Nellessen an der Mörgensstraße in Aachen, ein paar hundert Meter vom Theaterplatz entfernt, entstehen die Kostüme und Kulissen für die Opern und Schauspiele des Aachener Stadttheaters.

So viele Hüte!

Nicht nur im Malersaal, wo nach zwei Wochen Arbeit das Bühnenbild für „Robin Hood” fast fertig ist, hatte die Eschweiler Besuchergruppe Anlass zum Staunen. Auch im Fundus: Boah, so viele Schuhe! Und: Wow, so viele Hüte! Strohhüte, Filzhüte, Studentenkappen, Turbane, Torerokäppchen, Dreispitze, Stahlhelme (aus Pappmaché), Pelzkappen hell, Pelzkappen dunkel - ein ganzer Lagerraum voll bis unter die Decke. Bis hin zu skurrilen Zwergenmützen mit Glühlampenbeleuchtung in der Spitze. Die probieren wir gleich einmal auf! Licht an: Ahhhhh!

Regale voller Kästen: Strumpfhosen, Federboas, Straußenfedern, Halstücher. Auch Unterwäsche, lange, kurze. „Die Schauspieler werden komplett eingekleidet”, berichtet Anke Woopen. Unterwäsche inklusive.

Im Schauspiel „Nathan der Weise” zum Beispiel, das zurzeit gespielt wird, gibt es zum Schluss eine hochsymbolische Szene, da stehen alle Schauspieler nur in Unterhosen auf der Bühne. Es müssen weiße sein, sagt die Regie - weiß ist die Farbe der Unschuld, der Reinheit. Da kann der Hauptdarsteller schlecht in seinen buntgemusterten privaten Boxershorts auftreten, nicht wahr?

Hoch untern Fabrikdach schließlich der Kostümfundus. 3000 Herrenkostüme und 6000 Damenkostüme hängen dort in endlos scheinenden Reihen. Kostüme für Geistliche, für Verbrecher, für Rokoko-Damen, für griechische Philosophen...

Und es entstehen immer neue. Dafür sorgen die Damenschneider und Herrenschneider - streng getrennt - in der Schneiderwerkstatt, wo die Bügeleisen dampfen und Rüschenberge sich türmen. „Pelléas und Mélisande” heißt die Oper, für die jetzt die Kostüme genäht werden.

Rund 300 Mitarbeiter hat das Stadttheater Aachen. Etwa 100 auf der Bühne (nicht nur Schauspieler, sondern auch Sänger, der Opernchor, das Orchester), aber 200 hinter der Bühne. Die meisten in den Werkstätten.

Wer sich nicht auskennt, läuft dran vorbei, an der Kaschierwerkstatt. Denn die Eingangstür unterscheidet sich nicht von den Backsteinmauern links und rechts. Eine perfekte Illusion, hergestellt aus Styropor, Gips und Farbe - den wichtigsten Arbeitsmaterialien in der Kaschierwerkstatt.

Hier entstehen Fachwerkhäuser, antike Säulen und wuchtige Denkmäler, die man mit einer Hand hochheben kann. Auf einer Anrichte liegen zwei Berliner, zum Anbeißen lecker sehen sie aus. Der eine ist schwer wie ein Stein, der andere weich, so wie ein frisch gebackener Berliner sein soll. Aber auch er ist nicht echt, sondern aus einem Schwamm.

Ende in der „Abschlachterei”

In der Schreinerei werden gerade dicke Stahlträger gebaut. Sie sehen jedenfalls aus wie Stahlträger, aber das ist nur die grün-schwarz-rostige Bemalung. Aus der Nähe riechen sie nach frischem Holz. Alle Kulissen, die hier entstehen, lassen sich zusammenklappen und auseinandernehmen. Denn sie müssen in den Lkw passen, der sie zum Stadttheater bringt und zwischen den Aufführungen in das große Lager in Belgien, gleich hinter der Grenze.

Und was geschieht mit Kulissen, die nicht mehr verwendet werden? Anke Woopen zeigt auf ein Schild im Fabrikhof: Abschlachterei. Dort fließt allerdings kein Blut, dort rotieren Schraubendreher und machen aus Theaterwänden wieder Holzplatten. Ende der Illusion. Aber sie entsteht immer wieder neu.
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