Eschweiler/Wattrelos - Alles andere als eine Rallye à la carte

Alles andere als eine Rallye à la carte

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:
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Der älteste „Teilnehmer” im Feld: Der Chevrolet 3001 Pickup (Baujahr 1951) von Harald Bachmann und Doris Kettenbach war einer der Hingucker der Oldtimerfahrt. Foto: Stefan Herrmann

Eschweiler/Wattrelos. „Wir hatten zwei Tage lang wunderschönes Wetter!” Man mochte Stefan Jenneßen nicht so recht glauben, als er am frühen Sonntagabend im strömenden Regen, mit dem Schirm bewaffnet, auf dem Eschweiler Marktplatz stand und ein erstes Fazit zog.

Dem Veranstalter der 1. Internationalen Oldtimerfahrt Eschweiler-Wattrelos-Eschweiler sprangen aber schnell Zeugen helfend zur Seite. „Ich bin fast die ganze Zeit mit offenem Verdeck gefahren. Die Kappe als Sonnenschutz war da Pflicht”, schmunzelt Werner Henkelmann und zeigt auf sein Haupt.

Das ungemütliche Herbstwetter im Spätsommer ließen die 32 teilnehmenden Teams der Rallye für historische Automobile bereits eine gute Stunde nach dem Start am Samstagmorgen hinter sich.

Die Idee, eine Rallye zwischen den beiden Partnerstädten Eschweiler und Wattrelos ins Leben zu rufen, entstand bei der Scharwachsitzung im Jahr 2009. Die „Schnapsidee” gewann schnell an Gestalt. Und dass Karnevalisten nicht lange zaudern, bewiesen die Jecken nun am Wochenende. 26 Posten standen an beiden Tagen entlang der 330 Kilometer langen Strecke. Den Großteil stellten die Karnevalisten der Nothberger Burgwache, der Scharwache und der Dürwisser Narrengarde.

Los ging die Oldtimerfahrt durch vier europäische Länder (Deutschland, Niederlande, Belgien und Frankreich) am Talbahnhof. Nur wenige Kilometer hinter der Stadtgrenze meldeten die Posten dann schon die erste Panne. Der Ente Citroen 2 CV war bereits in Mausbach die Luft ausgegangen. „Zum Glück hatte sich nur ein Stecker gelöst. Fahrerin Janine Becker und Co-Pilot Uwe Stellbrink konnten kurze Zeit später weiterfahren”, berichtete Jenneßen.

Es war die erste von drei Pannen auf den insgesamt knapp 700 Kilometern. „Aber alles halb so wild”, sagte Jenneßen. Selbst als der Morgan von Heinz Mundt nach der Mittagspause in Belgien nicht mehr wollte, schleppte das Serviceteam den Oldtimer kurzerhand nach Eschweiler und reparierte ihn in Windeseile. „Um 20.30 Uhr stand er dann in Wattrelos”, erzählte Jenneßen.

Die Strecke führte das Teilnehmerfeld am Samstag über Mausbach und Breinig Richtung Eupen. Durch die Ardennen fuhren die Oldtimer mit traumhaften Aussichten hinab ins Maastal - Sonnenschein und offenes Verdeck inklusive. In der Abtei Maredsous trafen sich Samstagmittag alle zur gemeinsamen Pause. Dann rollten die schmucken Automobile durch die Region des alten belgischen Stahlindustriezentrums Charleroi Richtung Nordfrankreich mit dem Tagesziel Wattrelos.

„Kein Meter Autobahn, einfach eine traumhafte Strecke”, lobten nicht nur die Teilnehmer. Auch Stefan Jenneßen konnte der Fahrtleitung nur danken. 6000 Kilometer hatten Gaby Werth und Franz-Josef Müller in den vergangenen Monaten zurückgelegt und so diese außergewöhnliche Rallye im Sinne der Städtepartnerschaft überhaupt erst ermöglicht.

Ein wenig „holprig” wurde es für die Piloten besonders auf den letzten Kilometern, denn kurzfristig errichtete Baustellen zwangen immer wieder zu ungeplanten „Ausweichmanövern”. Trotzdem meisterten (fast) alle die verschiedenen Prüfungen auf der 330-Kilometer-Strecke.

Gut Lachen hatten die zwei (Ex-)Prinzen Dirk Sazma und Marco Zimmermann. Wie weitere Rote Funken waren auch die Beiden mit unterwegs, und zwar in einem einem Alfa Romeo Spider (Baujahr 1989). „Wir holen auf jeden Fall den Pokal für die meisten Strafpunkte”, lachte Rallye-Neuling Sazma bei der Zielankunft auf dem Marktplatz.

Dort wartete auf alle Teams die letzte Prüfung: Möglichst mittig mussten die Piloten ihren Oldtimer zwischen zwei Banden setzen. Jeder Zentimeter zählte, dreistes Feilschen um einen Strafpunkt mehr oder weniger brachte nichts. Ausnahmsweise durfte anschließend auch einmal direkt am Steuer getrunken werden, denn alle Teams wurden mit einem Begrüßungssekt empfangen.

Ein herzliches „Bonjour” schallte den Rallyefahrern tags zuvor am Stadtrand von Wattrelos entgegen. Von dort wurde die deutsche Oldtimer-Delegation von einem Motorradkorso zum Platz der Republik geleitet. „Ein wahnsinniger Empfang, unzählige Zuschauer”, dankt Jenneßen mit einem großen „Merci” den französischen Freunden.

So wie Bürgermeister Rudi Bertram die Teilnehmer zum Abschluss am Sonntag beglückwünschte, begrüßte sein französischer Amtskollege in Wattrelos, Dominque Baer, die Rallye-Sportler in Eschweilers Partnerstadt.

Sport bedeutete allerdings nicht, dass bei der Oldtimerfahrt der Schnellste am Ende die Nase vorn hat. „Bei uns geht es nicht um das Erzielen von Höchstgeschwindigkeiten und Bestzeiten”, erklärte Jenneßen.

Vielmehr sei fahrerisches Geschick und eine möglichst genaue Einhaltung der Route der Schlüssel zum Erfolg. Wer im vorgegebenen Zeitfenster die Durchfahrtskontrollen passierte, konnte die Strafpunktzahl klein halten. Alle anderen mussten noch Lehrgeld bezahlen.

So wie Sazma und Zimmermann. Trotzdem: „Es hat einen riesigen Spaß gemacht”, sprachen die Karnevalisten im Namen aller Teilnehmer, ob Rallye-Anfänger oder erfahrener Hase. Eines kündigte Dirk Sazma mit Augenzwinkern schon jetzt an: „Jetzt wissen wir, wie die Regeln funktionieren. Nächstes Jahr greifen wir nach dem Pokal!”

Dafür dürfen sie sich nicht mehr allzu viele Schlenker leisten. Am Wochenende landete das Gespann nämlich unter anderem plötzlich auf einer belgischen Kirmes und bei einem Rallye-Bergrennen eines anderen Veranstalters.

Sei´s drum: Alle Teilnehmer hatten ihren Spaß und lobten den Einsatz der Veranstalter. Und der freute sich, nicht nur ein neues Kapitel in der Städtepartnerschaft zwischen Eschweiler und Wattrelos mitgeschrieben zu haben, sondern versprach auch eine Fortsetzung.
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