Alexandra hat keine Angst vor großen Hunden

Von: Andreas Gabbert
Letzte Aktualisierung:
tierheim-bu
Hat bewiesen, was sie kann: Alexandra Hofmann (links) mit ihrer Ausbilderin Steffi Baum und zwei Kaninchen aus dem Foto: Andreas Gabbert

Eschweiler/Aachen. Voller Selbstbewusstsein schreitet Alexandra Hofmann voran. Das rötliche Haar hat sie zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden, auf der Nase trägt sie eine Brille.

Auf dem Weg in die Küche kommt sie an den kläffenden Hunden in ihren Zwingern vorbei. Sie hält kurz an, bückt sich und redet beruhigend auf die Tiere ein.

Gleich ist Essenszeit, und die Tiere haben Hunger. In der Küche warten schon jede Menge Näpfe darauf, gefüllt zu werden. Die Hunde und Katzen bekommen ihre tägliche Portion Fleisch und für die Kleintiere gibt es Gemüse. Die Zubereitung des Fressens gehört ebenso zu Alexandras Aufgaben wie das Reinigen der Zwinger und Käfige. Salat, Paprika und Chicorée schneidet sie in kleine Streifen und strahlt dabei über das ganze Gesicht.

Die 34-Jährige ist richtig stolz auf das Vertrauen, das man ihr im Aachener Tierheim entgegen bringt. Die Arbeit macht ihr sichtlich Spaß, hier kann sie zeigen, was sie kann.

An die Grenzen gehen

Alexandra ist geistig behindert und nimmt an einem Programm des Caritas-Behindertenwerks in Eschweiler teil. Das Ziel ist die Vermittlung von Menschen mit Behinderung in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse.

Da aber viele Betriebe zurückschrecken, wenn von der Sozialversicherung die Rede ist, setzt das Behindertenwerk auf betriebsintegrierte Arbeitsplätze. Das heißt, die Beschäftigten arbeiten in ganz normalen Betrieben, bleiben aber Angestellte der Werkstätten des Behindertenwerks.

Alexandra macht erstmal ein Praktikum. In den vergangenen sieben Wochen hat sie viel gelernt, sie kennt sich aus im Tierheim, kann alles erklären, hat immer eine Antwort parat und arbeitet selbstständig. „Ich komm hier gut zurecht und die Leute sind nett. Mit Tieren zu arbeiten, ist genau das Richtige für mich”, sagt Alexandra.

In einem solchen Praktikum sollen Menschen mit Behinderung an ihre Grenzen gehen. „Uns ist vor allem wichtig, eine Einschätzung zu erhalten, ob sie in dem entsprechenden Bereich arbeiten können”, erklärt Wolfgang Wiesen, Bereichsleiter der Außenarbeitsgruppen des Behindertenwerks.

Die Arbeitsabläufe müssen unter Umständen zwar etwas angepasst werden, aber für die Betriebe soll kein Mehraufwand entstehen. Deshalb betreut Wiesen seine Schützlinge vor Ort und übt gegebenenfalls mit ihnen auch die Handgriffe. Mit einem jungen Mann, der bei einem Metzger ein Praktikum machen durfte, hat er nach Feierabend Frikadellen gebacken und auch Alexandra ist er am ersten Tag zur Hand gegangen. „Das hat mich wirklich überrascht”, sagt Steffi Baum, die im Tierheim für die Ausbildung und die Praktikanten zuständig ist.

Sie lobt die gute Zusammenarbeit mit dem Behindertenwerk und Alexandras Einsatzwillen. „Wir wollen Arbeitsplätze, die wegrationalisiert wurden, in Nischen neu entdecken”, sagt Wiesen. Dabei gehe es in den meisten Fällen weniger um eine Ausbildung als um Helfertätigkeiten. Das habe auch den Vorteil, dass sich die Fachkräfte wieder auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren könnten.

Vor ihrem Praktikum hat Alexandra 14 Jahre in einer Küche des Behindertenwerks gearbeitet. In einer Außenarbeitsgruppe wurde sie mit Schulungen auf das Praktikum vorbereitet, dazu gehört auch das Verfassen eines Lebenslaufs und einer Bewerbung. Mittlerweile hat sie in Würselen sogar eine eigene Wohnung gefunden. Morgens setzt sie sich in den Bus und fährt zur Arbeit. „Ich bin fit genug, selbstständig und alle sind mit mir zufrieden. Ich bin stolz auf mich, dass ich es soweit geschafft habe”, sagt Alexandra.

Die schwer zu vermittelnden Tiere hat sie besonders ins Herz geschlossen, wie zum Beispiel die Hündin Gina, an deren Zwinger sie immer wieder vorbei geht. Aber auch die anderen Tiere kommen bei ihr nicht zu kurz. „Ich mag sie alle, egal ob Hunde, Katzen oder Kaninchen”, sagt Alexandra.

Aber die Aufgaben sind nicht immer angenehm, die Arbeit im Tierheim ist kein Zuckerschlecken. Die Tiere haben auch schon mal Durchfall, dementsprechend sieht dann der Käfig oder Zwinger aus. Aber auch das muss sauber gemacht werden. „Viele denken, es geht hier nur ums Schmusen, da hat sich schon mancher vertan und ist gescheitert”, sagt Steffi Baum. Alexandra macht das nichts aus, das hat sie bewiesen.

In der nächsten Woche geht das Praktikum für Alexandra zu Ende. Dann werden sich Wolfgang Wiesen und Steffi Baum noch einmal auszutauschen. Eins steht jetzt schon fest, das Tierheim will auch in Zukunft mit dem Behindertenwerk zusammen arbeiten. „Wenn es immer so gut läuft wie mit der Alex - gerne.”

Ein neues Betreuungskonzept für mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Das Caritas-Behindertenwerk hat mit dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) eine Rahmenzielvereinbarung abgeschlossen und ein neues Betreuungskonzept erstellt.

Dabei geht es vor allem darum, die Anzahl der Übergänge auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu erhöhen.

Menschen, die den Wunsch nach einer allgemeinen Beschäftigung haben, werden bei ihren Bemühungen unterstützt.

Als Vorbereitung werden sie intensiv in den leistungsorientierten Arbeitsbereichen des Behindertenwerks oder in einer Außenarbeitsgruppe gefördert.

In Gruppenschulungen oder Beratungsgesprächen werden eine individuelle Berufswegeplanung und eine Situationsanalyse angeboten. Außerdem geht es um die Erstellung von Ausbildungsplänen und um Bewerbungstraining.

Unternehmen, die an einer Kooperation mit dem Behindertenwerk der Caritas interessiert sind, erhalten bei Gisela Bungart 02403/790739 weitere Informationen. Die Betriebe werden von einem Mitarbeiter des Sozialen Dienstes begleitet. Ein Ansprechpartner ist immer erreichbar.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert