Aggression kann auch positive Energie sein

Von: ran
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Stark sein und überlegt reagieren: die Teilnehmer des Deeskalationskurses mit Nadine Gärtner (links), Herman Moonen (Mitte) und Rosemarie Zentes (rechts). Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Jeder Mensch hat Stärken. Doch gerade junge Menschen werden (zu) häufig ausschließlich auf ihre Fehler reduziert. Dabei kann selbst eine Eigenschaft wie „Aggressivität“, in die richtigen Bahnen geleitet, durchaus auch Positives hervorbringen.

In Kooperation mit der Willi-Fährmann-Schule organisierte und finanzierte die Evangelische Kirchengemeinde Eschweiler in den zurückliegenden Monaten im Martin-Luther-Haus ein Deeskalationstraining. Die Diplom-Sozialpädagogin Nadine Gärtner arbeitete an zwölf Montagen jeweils zwei Stunden lang mit zwei Schülerinnen und fünf Schülern, um deren Stärken zum Tragen zu bringen und sie dazu zu bewegen, über ihr Sozialverhalten nachzudenken.

„Die Idee zu diesem Projekt ist aus der Initiative Stärken vor Ort, die die Stadt Eschweiler vor einigen Jahren initiierte, hervorgegangen. Und das Thema Deeskalation ist so wichtig, dass wir alles daran gesetzt haben, es bisher jährlich wiederholen zu können“, betont Rosemarie Zentes, Presbyteriumsmitglied der Evangelischen Gemeinde Eschweiler.

Intensive Gespräche

Eine Meinung, die Nadine Gärtner ausdrücklich teilt. Die Sozialarbeiterin arbeitete mit ihren Schützlingen sowohl in der Gruppe als auch in der Kleinstgruppe. „Je intensiver die Gespräche, je kleiner die Gruppe“, erklärt die Übach-Palenbergerin, deren erste Aufgabe darin bestand, eine Beziehung zu den Kindern aufzubauen. „Die Kinder haben oft schlechte Erfahrungen damit gemacht, anderen Menschen Vertrauen zu schenken“, weiß sie aus Erfahrung. „Allerdings gibt es auch ein konkretes Regelsystem, um den Kindern Orientierung zu geben.“

Entscheidend sei, vorhandene Ressourcen der Kinder aufzudecken und diesen die eigenen Stärken auch zu vermitteln. „Das Selbstwertgefühl ist bei diesen Kindern oft sehr gering. Wenn sie sich selbst beschreiben sollen, beginnen sie fast immer damit, ihre Schwächen aufzuzählen. Geht es dann um Stärken, bleiben sie häufig stumm“, so Nadine Gärtner. Dies gelte übrigens für Mädchen genauso wie für Jungen. „Mädchen neigen aber eher dazu, ihre Aggressivität gegen sich selbst zu richten.“

Der Versuch, aggressives Verhalten vollkommen zu unterdrücken, ist nach Meinung der Sozialpädagogin aber zum Scheitern verurteilt. „Aggression bedeutet auch Energie. Diese muss in vernünftige Bahnen geleitet werden“, betont Nadine Gärtner, die ihre konfrontative Methode, zu der auch „Raufspiele“ gehören, mit den Worten „klare Linie mit Herz“ umschreibt. „Regeln und Grenzen spielen aber eine wichtige Rolle. Die Kinder müssen begreifen, das Stopp eben Aufhören bedeutet.“

Großen Wert legt Nadine Gärtner darauf, dass ein Lehrer oder ein Schulsozialarbeiter, im Fall der Willi-Fährmann-Schule ist dies Herman Moonen, am Projekt teilnimmt. „Ich bin nach zwölf Wochen wieder weg. Deshalb ist es die Aufgabe des Lehrers oder des Sozialarbeiters, die Arbeit fortzusetzen, damit Nachhaltigkeit möglich ist“, unterstreicht sie. Und zieht nach drei Monaten ein positiives Fazit: „Die Kinder setzen sich mehr mit ihrem eigenen Verhalten auseinander. Auch die Art der Kommunikation untereinander hat sich verändert“, hat Nadine Gärtner festgestellt. „Gewalt ist ein Symptom. Die Frage muss lauten, wo dessen Wurzel liegt.“ Und nicht selten müsse eben tief gegraben werden.

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