Afrika-Festival in Eschweiler mit viel Musik und Artistik

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Eine atemberaubende Show bot Laurence Otoo aus Ghana. Und das gleich mehrfach. Hier tritt er als Feuerschlucker auf. Der in Duisburg tätige Tanztrainer überzeugte auf dem Eschweiler Festival aber auch als Michael-Jackson-Double.
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Ein Festival mit guter Laune und faszinierenden Auftritten. Links zeigen zwei Besucherinnen gelebte (Völker)Freundschaft. Mitte: Das Angebot, sich Rasta-Zöpfe flechten zu lassen, nahmen einige Mädchen gerne wahr. Rechts: Zwei Schlangenmenschen – Douglas und George bei ihrer Kontorsionsshow. Foto: Ebbecke-Bückendorf
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Immer nur Männer auf der Bühne ist langweilig. Zwischendurch kaperten Besucherinnen des Festivals die Bühne und tanzten zur Reggae-Musik aus der Konserve (links). Mitte: Wenn jemand das Gesicht nach hinten dreht, sieht es ja schon etwas gruselig aus... Rechts: Die Band Otumfuo heizte den Festivalbesuchern ordentlich ein.
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Immer nur Männer auf der Bühne ist langweilig. Zwischendurch kaperten Besucherinnen des Festivals die Bühne und tanzten zur Reggae-Musik aus der Konserve (links). Mitte: Wenn jemand das Gesicht nach hinten dreht, sieht es ja schon etwas gruselig aus... Rechts: Die Band Otumfuo heizte den Festivalbesuchern ordentlich ein.

Eschweiler. „Das Wetter ist schlecht. Aber die Musik ist gut!“ So kündigte der Sänger der Band Otumfuo am Samstagabend seinen Auftritt an. Und da hatte er Recht. Die ghanaisch-deutsche Band bot mitreißende Rhythmen und heizte den Zuhörern kräftig ein.

Von denen gab es allerdings wenig. Das 3. Eschweiler Afrika-Festival war schlecht besucht. Was vor allem am Wetter lag, ein wenig aber auch am geschrumpften Angebot. Das „afrikanische Dorf“ auf dem Drieschplatz bestand nur aus 16 Hütten, und da ist die Kinder-Hüpfburg schon eingerechnet.

Terence Bongwa Seydou, der Vorsitzende des Vereins Cameroon Multicultural Association e.V. (CMA), hat das Festival 2001 ins Leben gerufen, unter tätiger Mithilfe der Stadt Eschweiler und ihres Kulturmanagers Max Krieger. Bürgermeister Rudi Bertram als Schirmherr erinnerte am Freitagabend bei der Eröffnung der dritten Auflage an die Ziele des Festivals: Toleranz und Verständigung. Das passe gut in eine Stadt wie Eschweiler, in der Menschen aus 104 Nationen friedlich zusammen leben.

Für das Show- und Musikprogramm hatten die Veranstalter in diesem Jahr die „Hot Afrika Show“ verpflichtet, ein Zirkus-Unternehmen mit ausschließlich afrikanischen Künstlern, das vor allem auf Artistik setzt.

Davon gab es am Wochenende auf dem Drieschplatz dann reichlich zu sehen. Wer die Zeit mitbrachte und alle drei Abende auf dem Festival war, wurde mit atemberaubenden Auftritten belohnt – für die man sonst bei Zirkusauftritten deutlich mehr Eintrittsgeld bezahlen muss. Zu den Höhepunkten gehörte die Kontorsionsshow von „Douglas und George“. Kontorsion heißt Verdrehung, und genau das taten die beiden jungen Männer mit ihren Körpern. Ein Kontorsionist ist ein Akrobat, der seinen Körper extrem biegen kann. „Schlangenmensch“ nannte man das früher. Douglas und George nennen sich Knochenbrecher, aber ihr Auftritt wirkte so, als ob sie überhaupt keine Knochen hätten. Oder ein Rückgrat aus Gummi. Wie sonst kann jemand den Oberkörper so weit drehen, dass er nach hinten schaut? Oder seine Beine hinter dem Genick verschlingen? Die „Knochenbrecher“ schafften das und schnitten auch noch Grimassen dabei.

Akrobatische Auftritte wie diese herrschten beim 3. Afrika-Festival vor. Jonglage, Stangenakrobatik, Limbo-Show und Ähnliches standen auf dem Programm. Die „Hot Afrika Dancers“ (zu denen auch die beiden Kontorsionisten gehören) boten am Freitagabend eine artistische Tanzshow.

Dicht am Original ist der Michael-Jackson-Darsteller Laurence Otoo. Der aus Ghana stammende Duisburger Zumba- und Fitnesstrainer hat die Tanzbewegungen des verstorbenen Weltstars perfekt drauf. Ob Backslide, Smurfing oder Robot Dance – jede Bewegung und jede Geste stimmt.

Dass der Tänzer aus Ghana noch ganz andere Zirkustalente hat, bewies er am Samstag. Da trat er als Feuerschlucker auf und zeigte, dass nicht nur seine Mundschleimhaut aus Asbest sein muss: Er steckte sich eine der brennenden Fackeln auch in die Hose.

Als Musikgruppe sorgte vor allem „Otumfuo“ für Stimmung. Die in Ghana gegründete, jetzt in Essen beheimatete Band, die mit der Hot Afrika Show zusammen arbeitet, bot traditionelle afrikanische Musik ebenso wie Reggae. Vermisst wurden allerdings viele Interpreten und Gruppen, die bei den Festivals in den vergangenen Jahren auftraten, wie die Ngoma Africa Band, Leodelest und Palo Santo.

Der „afrikanische Basar“ auf dem Drieschplatz war in diesem Jahr nur mager bestückt. Offenbar hatten manche Aussteller den Wetterbericht gehört und abgesagt.

Der Trommelbauer Gad Osafo aus Unna zum Beispiel war diesmal nicht dabei. Auch CD-Stände gab es keine mehr. Dafür hielt aber der Maler und Batikkünstler Marcel Assogba aus Herzogenrath dem Eschweiler Festival im dritten Jahr die Treue. An zwei Verkaufsständen gab es typische afrikanische Speisen wie Chakalaka, Ndole und gegrillten Fisch mit Njasa-Soße. Neu war der Stand des Kölner Restaurants „Hdmona“ mit eritreischer Küche. Die Sauerteigfladen mit Linsen und die hausgemachten süßen Dattel-Brownies wollten viele Besucher probieren.

Und zumindest am Freitag, als das Wetter noch schön und warm war, hatten die Damen in der Cocktail-Bar alle Hände voll zu tun. Am Samstag allerdings, als immer wieder neue Regenschauer über dem Festivalgelände niedergingen, hätten die wenigen Besucher eher etwas Wärmendes gebraucht.

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