Eschweiler - Affenhitze? Der Bauarbeiter schwitzt, der Schlachter friert

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Affenhitze? Der Bauarbeiter schwitzt, der Schlachter friert

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Knochenarbeit in der brütenden Hitze: Auch bei steigender Temperatur geht die Arbeit auf der Baustelle Marienstraße weiter. Michele Posteraro (links) und seine Kollegen sind für die Pflasterarbeiten zuständig. Foto: Carmen Welsch

Eschweiler. 26 Grad zeigte das Thermometer am Freitag in unserer Redaktion. Da hilft nur Wasser und ein Ventilator. Wie es andernorts zugeht, erfuhr unsere Praktikantin Carmen Welsch (17). Sie sah sich auf der Baustelle Marienstraße und im Schlachthof um.

Die Straßen sind noch fast leer. Die meisten Menschen liegen noch im Bett oder machen sich für die Arbeit fertig. Die Sonne wirft bereits vereinzelt Strahlen auf den Asphalt. Der Tag verspricht heiß zu werden.

Während die meisten Menschen gerade erst ihren Wecker ausschalten, betritt Michele Posteraro die Baustelle. Er ist Bauarbeiter bei der Firma JP Garten- und Straßenbau, die zurzeit die Marienstraße in der Innenstadt Eschweilers erneuert. Bereits um sechs Uhr beginnt für ihn und seine sechs Kollegen die Schicht.

Nachdem sie sich einen kurzen Überblick verschafft haben, werden das Werkzeug und die nötigen Materialien beschafft, damit die Pflasterarbeit anfangen kann. Den ganzen Tag über werden Flächen abgesteckt, Schnüre gespannt und Stein für Stein wird in den Boden geschlagen.

Nach der Frühstückspause der Bauarbeiter, die um 9.30 beginnt, wird die Arbeit nicht weniger, die Temperatur jedoch steigt weiter an. Inzwischen sind es 24 Grad. „In der Mittagszeit wirds richtig extrem. Bis 25 Grad gehts, aber ab 30 Grad wird´s zu heiß”, so Posteraro.

Manche Firmen nehmen bei den Arbeitszeiten Rücksicht auf die hohen Temperaturen, die der Sommer mit sich bringt. „Es gibt Firmen, die sagen: ab 30 Grad wird nicht mehr gearbeitet. Nicht alle, aber manche”, sagt der Bauarbeiter und blinzelt in die Sonne. Um 16 Uhr packen die Straßenarbeiter ihre Sachen zusammen und verlassen die Baustelle. Der Asphalt glitzert in der Nachmittagshitze. Allerdings flüchten die Arbeiter, zu Hause angekommen, nicht in den Schatten: „Jetzt geht#s in den Garten mit nem kühlen Bierchen”, sagt Michele Posteraro und verabschiedet sich.

Nicht für jeden ist es zu heiß

Etwas später am Tag betritt Klaus Philippi die Kühlräume des Schlachthofs Eschweiler. Schlagartig ist von der Hitze, die noch vor ein paar Minuten draußen zu spüren war, nichts mehr zu merken. In diesen Räumen wird das Fleisch bis zur Verarbeitung gelagert. Die Temperaturen fallen, als wäre plötzlich der Winter ausgebrochen

„Im Winter ist es oft noch kein Grad über null. Dann reicht nicht, wie jetzt, ein Unterhemd unter dem T-Shirt. Bei den Temperaturen stehen wir hier in voller Montur mit Skiunterwäsche”, erzählt Philippi.

Auf dem Schlachthof, bei dem 25 bis 30 Mitarbeiter angestellt sind, werden bis zu 300 Schweine und 70 Rinder in einer Woche verarbeitet. Die Schlachttage beschränken sich auf Montag und Donnerstag. Bei viel Betrieb wird auch dienstags geschlachtet.

„Wir führen hier einen hohen Qualitätsstandard. Die Tiere sollen nicht merken, dass sie geschlachtet werden”, so der 35-Jährige. Dies könne nur durch eine schonende Schlachtung und durch ausreichende Ruhepausen der Tiere vor der Schlachtung erreicht werden. Im Betrieb des Eschweiler Schlachthofs haben alle Mitarbeiter eine ordentliche Ausbildung. Darauf wird besonderer Wert gelegt.

Der Körper gewöhnt sich

Nach langjähriger Ausübung seines Berufs kann sich Klaus Philippi einen Wechsel kaum vorstellen, trotz der kühlen Temperaturen im Betrieb. „Einen Job in der Hitze bis 30 Grad stelle ich mir schwierig vor. Der Körper gewöhnt sich daran. Ich bekomme einen Schlag, wenn ich nach der Arbeit im Sommer nach draußen komme”, sagt er. In der prallen Sonne zu liegen hält er nicht lange aus. Er selbst bezeichnet sich als „Wintermensch”. „Im Sommer sind die Temperaturen bei der Arbeit schön erfrischend.”

So geht ein langer Arbeitstag bei 30 Grad zu Ende. Da in der Sonne liegen und Cocktailtrinken bisher nicht als Beruf gilt, muss jeder arbeiten. Nur gibt es einen Unterschied: Der eine schwitzt, der andere friert.
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