Ärger über Gema-Gebühren und teure Wagenengel

Von: Tobias Röber
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Einer von vielen Kostenfaktore
Einer von vielen Kostenfaktoren, die immer weiter steigen: Viele Vereine müssen Security-Personal engagieren, das die Wagen begleitet. Foto: Andreas Gabbert

Eschweiler. Auflagen, Vorschriften, kompliziertes Vereinsrecht - auch von „oben” wird so manches getan, das dem „kleinen Mann” im Verein die Arbeit verleidet. Norbert Weiland, Präsident des Eschweiler Karnevalskomitees, kennt das nur zu gut.

Manchmal gebe es Tage, „an denen ich denke, dass ich alles hinschmeiße”. Ehrenamt bringt eben manchmal neben viel Arbeit auch viel Ärger mit sich.

Worüber sich der Präsident des Karnevalskomitees sehr ärgert, sind Vorwürfe, seitens des Komitees werde nicht genügend Geld für die Sicherheit etwa beim Rosenmontagszug ausgegeben. „Ganz klar ist, dass wir uns der Sicherheit nicht verschließen”, sagt Weiland. So habe das Komitee bereits vor 20 Jahren die Verkleidung von Zugmaschinen vorgeschrieben, obwohl es dazu keine Vorschrift gibt.

Zudem muss jeder Wagen vom TÜV abgenommen werden. Auch dafür fallen Gebühren an. Seit mindestens ebenso langer Zeit gebe es Verhaltensregeln für die Zugteilnehmer. Die Wagen werden vor dem Zug kontrolliert. Mit dem Ordnungsamt müssen ohnehin viel mehr Gespräche geführt werden. Waren es vor einiger Zeit noch zwei bis drei vor einem Umzug, sind es jetzt oft 15 und mehr.

Auch Reiter müssen Nachweise erbringen, dass sie für die Teilnahme am Zug geeignet sind. Apropos Pferde. Im vorigen Jahr verzichtete etwa die Reiterkorporalschaft der Scharwache auf die Tiere. Der Grund: Tierschützer hatten sich beschwert, dass die Pferde vor Umzügen ruhiggestellt werden. In Aachen wurde sogar ein Reitstallbesitzer anonym bedroht, sollte er seine Pferde zur Verfügung stellen. Nun warten die Karnevalisten auf eine Entscheidung des Veterinäramtes, wie mit den Tieren in der aktuellen Session zu verfahren ist.

Seit dem Unglück bei der Loveparade im Jahr 2010 sind die Sicherheitsvorschriften noch einmal deutlich verschärft worden. Und das trifft auch die Karnevalsvereine. Bis vor zwei Jahren begleiteten vier sogenannte Wagenengel ein jedes Fahrzeug beim Rosenmontagszug. Kurz vor dem letzten Umzug gab es dann eine neue Maßgabe. Alle Wagen mit einer Länge von über zehn Metern müssen sechs Wagenengel an ihrer Seite haben. 40 bis 50 Wagen waren davon betroffen.

Etliche Vereine haben Freiwillige in ihren Reihen, die den Job übernehmen. Allerdings ist es auch mitunter schwierig, den Aktiven diesen Job zu vermitteln. Die meisten wollen verständlicherweise lieber im Zug mitgehen. Manche Vereine müssen das Begleitpersonal jedoch bezahlen, und da ist es ein großer Unterschied, ob sie vier oder sechs Wagenengel entlohnen müssen. Ein Beispiel eines Vereins: Zehn Euro pro Stunde sind pro Security fällig. Das macht 60 Euro für einen Wagen. Geht man von fünf bis sechs Stunden Umzug aus, kommt ein sehr ordentlicher Betrag zusammen.

Es habe bereits Vereine gegeben, die die immer weiter steigenden Vorschriften angemahnt und gewarnt hätten, dass eine Teilnahme unter solchen Voraussetzungen künftig vielleicht nicht mehr möglich sei. Eine Grenze sei erreicht, hört Weiland immer öfter.

Und dann kommt Norbert Weiland gerne auf sein „absolutes Topthema” zu sprechen: die Gema-Gebühren. Ein Beispiel: Für die Prinzenproklamation waren bisher 800 Euro fällig. Nach den neuen Bestimmungen wären es über 2000 Euro gewesen. Dank eines Rahmenvertrages des Bundes Deutscher Karneval (BDK) werden die Karnevalisten in dieser Session noch verschont. Allerdings werden die Preiserhöhungen kommen. Das betrifft natürlich nicht nur die Proklamation, sondern alle Veranstaltungen. Selbst für Proben von Tanzgruppen werden Gebühren fällig. Bei einer großen Gesellschaft mit vielen Gruppen, Mariechen und Tanzpaaren könne das durchaus einen vierstelligen Betrag ausmachen, erklärt Weiland.

Ein anderes Beispiel nennt Norbert Weiland aus dem Kölner Gürzenich. Dort seien die Gema-Gebühren von 900 auf über 4000 Euro gestiegen. In Zeiten, in denen das Geld nicht mehr so locker sitzt, keine einfache Aufgabe, das zu stemmen. Vor allem, weil bei den Gema-Gebühren die Raumgröße entscheidend ist, nicht die Anzahl der Gäste. Nicht jede Veranstaltung im Eschweiler Karneval ist ausverkauft. Gema-Gebühren schlagen dann so richtig ins Kontor.

Auch nicht einfach ist für die Vorstände, all diese Themen überhaupt im Blick zu halten. „Einen Verein kann man heutzutage nicht mehr so führen wie vor zehn oder fünfzehn Jahren”, sagt Weiland. Künftig müsse juristisches und steuerliches Wissen her. Das Eschweiler Karnevalskomitee hat bereits jetzt zwei Steuerberater im Vorstand.

Die Vereine müssen anders als früher eine Steuererklärung abgeben. Fällige Steuern von 2000 Euro und auch gerne mehr sind keine Seltenheit.

Ebenfalls neu und ebenfalls ärgerlich: Für die Veranstaltungsräume mussten neue Saalpläne erstellt werden. Und die haben zur Folge, dass das Fassungsvermögen mitunter um 100 Plätze oder auch mehr gesunken ist. Rechnet man der Einfachheit halber mit einem Eintrittspreis von 15 Euro, weiß jeder, was einem Verein hinterher in der Kasse fehlt. So fasste die Dürwisser Festhalle vor 20 Jahren noch 960 Gäste, aktuell liegt die Höchstgrenze bei 730.

Ärger hin oder her. Norbert Weiland weiß auch in dieser Session wieder, dass die große Belohnung für all die Mühen noch aussteht. Etwa mit dem Rosenmontagszug. „Wenn ich den Erfolg sehe, entschädigt das für all die Mühen”, sagt er. Also, die Session kann kommen - am besten ohne neue Auflagen...
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