Acht Künstler sehen die Dinge „black and white“

Von: ran
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Gruppenbild mit Künstlern: Annette Wimmershoff, Markus Baldegger, Kunsthistorikerin Juliane Becker, Galeristin Anita Engert, Ingrid Roscheck, Anita Kontrec, Dieter Call, André Schweers und Birgit Pothoff freuen sich, die Ausstellung „Black & White“ präsentieren zu können.
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Unter dem Titel „Black & White“ stellen acht Künstler bis zum 30. Oktober Objekte, Bilder, Collagen, Skulpturen und Fotografien in der Galerie „Art Engert“ aus. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Sind es nun Farben oder sind es keine? Der Schweizer Kunsttheoretiker Johannes Itten bezeichnete Schwarz und Weiß jedenfalls als „Nichtfarben“. Doch unerheblich, welche Bezeichnungen Schwarz und Weiß erhalten, sie faszinieren seit jeher die Menschen.

Unter dem treffenden Ausstellungstitel „Black & White“ sind nun bis zum 30. Oktober Werke von acht Künstlern in der Galerie „Art Engert“, Wilhelmstraße 73g, zu bewundern, die sich mit den beiden Antagonismen befassen.

Dieter Call (Objekt, Malerei, Collage), Markus Baldegger (Malerei), André Schweers (Objekt), Ingrid Roscheck (digitaler Scherenschnitt, Skulptur, Slow Motion Art), Anita Kontrec (Skulptur), José Maria Guerrero Medina (Malerei), Annette Wimmershoff (Skulptur) sowie Birgit Pothoff (Fotografie) beschäftigen sich in ihren Arbeiten auf vollkommen unterschiedliche und individuelle Weise mit dem Phänomen „Schwarz und Weiß“. Während der Vernissage am Sonntag, zu der Gastgeberin Anita Engert neben zahlreichen Kunstliebhabern auch sieben der acht ausstellenden Künstler begrüßen konnte, machte nicht zuletzt Kunsthistorikerin Juliane Becker, die in die Ausstellung einführte, deutlich, dass acht Künstler auch acht Positionen mit sich bringen.

„Trotz der gegensätzlichen Assoziationen, die Schwarz und Weiß beim Betrachter auslösen, tauchen die beiden .Farben‘ sehr häufig gemeinsam auf. Vieles um uns herum ist von Schwarz und Weiß geprägt. Mode, Architektur, Fotografie und Malerei bedienen sich auffallend oft dieser Farben oder eben Unfarben“, erklärte Juliane Becker. Nach zuletzt vielen sehr bunten Ausstellungen beschäftige sich nun auch die Galerie „Art Engert“ mit dem Trend der schwarz-weißen Kunst. „Und trotz der vielen schwarzen und weißen Arbeiten ist es eine sehr bunte Ausstellung, die in keiner Weise nur an Finsternis und Erleuchtung erinnert, sondern ein erstaunlich vielfältiges Erleben von Schwarz und Weiß ermöglicht“, betonte die Kunsthistorikerin, bevor sie näher auf die einzelnen Künstler einging.

Der Schweizer Maler Markus Baldegger verfolge in seinen Arbeiten einen wahrnehmungstheoretischen Ansatz, in dem er sich auf die Möglichkeiten von Farbe und Licht beschränke. „Er möchte das, was er sieht, als seine Interpretation des Gesehenen völlig frei darstellen. Dabei möchte er nicht abbilden und politische oder gesellschaftliche Geschichten erzählen. Sein Ansatz lautet, eine analoge Metapher zu finden für das, was er in der Natur erlebt und gesehen hat.“ Erstmals stellt die Fotografin Birgit Pothoff in der Galerie „Art Engert“ aus: „Die Schwarzweißfotografie eignet sich mit ihrer Fähigkeit zur minimalistischen Motivabstraktion perfekt zur Steigerung der Bildintensität, was im Werk Icescapes´ besonders deutlich zu Tage tritt. Es zeigt Lufteinschlüsse im Eis, die sich durch den Wechel von Temperatur und Licht immer wieder zu neuen Motiven verwandeln. Sichtbar werden diese kleinen Eislandschaften erst durch ein Lupenobjektiv“, machte Juliane Becker deutlich.

Annette Wimmershoff zeigt ein Objekt, das sehr unterschiedliche Techniken in sich vereint. „Es sind Ansätze von Bemalung und Grafik oder Collagen unter der hellen Oberfläche zu erkennen, die der Arbeit Tiefe geben, der der Betrachter folgen möchte, die sich diesem aber hinter jeder Biegung und Rundung wieder entzieht. Unverkennbar an den Bildobjekten ist eine Nähe zur japanischen Papierkunst. Kein Wunder, schließlich absolvierte Annette Wimmershoff mehrere Studienaufenthalte in Japan“, brachte die Kunsthistorikerin den Zuhörern die Künstlerin näher.

Bekannt durch seine Papiergußarbeiten ist André Schweers, der nun eine Arbeit aus der Werkgruppe der „Scriptuale“ zeigt. „Seine Exponate bestechen durch die Andeutung horizontaler Linien, die die benutzten Flächen gliedern. Schrift im eigentlichen Wortsinn ist nicht sichtbar, doch die Lineaturen, Aussparungen und Ausbrüche, die den Charakter von Zeilen besitzen, vermitteln die Vorstellung, die Idee von Schrift und Text“, zitierte Juliane Becker die Museumspädagogin Pia vom Dorp. Über die Bildhauerei kam Anita Kontrec zur Malerei. In der Galerie „Art Engert“ sind nun Objekte aus Kunstharz zu sehen, die nicht bemalt wurden, sondern in die während des Trocknungsprozesses Farbpigmente eingearbeitet wurden. Durch die verschiedenen Stufen der Transparenz des Materials sei die Wirkung der Arbeit auch auf den sie umgebenden Raum und dessen Licht angewiesen. „Das Licht, dargestellt durch Weiß und Transparenz, ist für mich der Archetyp für die geistige Schöpfungskraft.“

José Maria Guerrero Medina, der als einziger ausstellender Künstler während der Vernissage nicht zugegen sein konnte, gilt als einer der bekanntesten zeitgenössischen Künstler Spaniens. „Und dies nicht nur wegen seiner Arbeiten, die die Kunstgattungen Malerei, Skulptur und Graphik umfassen, sondern auch durch seine sozial- und politikkritische Aufarbeitung der Geschichte der Exilspanier“, so Juliane Becker. In Eschweiler ist nun ein großformatiger Siebdruck des Südeuropäers zu sehen, in dem der Künstler 20 (!) verschiedene „Schwarztöne“ vereint. „Das wohl herausragendste an dieser Arbeit ist die ungewöhnliche Größe des Siebdrucks. Je größer nämlich der Rahmen für das Siebdruckverfahren ausfällt, desto schwieriger ist es, die Schablone auf Spannung zu halten, die Stabilität des Rahmens zu gewährleisten und ein ebenmäßiges Druckbild der unterschiedlichen Schichten zu erreichen. Dies erfordert ein hohes Maß an technischer Versiertheit und künstlerischem Auge, welches José Maria Guerrero Medina hier einmal mehr zeigt“, lobte die Kunsthistorikerin.

Ingrid Roscheck zeigt drei Arbeiten aus den Bereichen Scherenschnitt, Slow-Motion-Art und Objekt. Die Idee zu den digitalen Scherenschnitten sei aus dem Freistellen von Objekten zur weiteren Verwendung in digitalen Medien entstanden. Deren Fortführung mündete schließlich in der von Ingrid Roscheck entwickelten Kunstform der Slow-Motion-Art, bei der Videofilme ein Ausgangsbild in kaum wahrnehmbarer Geschwindigkeit verändern. Das ehemals statische Bild werde dynamisch und nehme den Betrachter mit auf eine entschleunigende Reise.

Das Objekt, das Dieter Call in der Galerie zeigt, stellt ein Quadrat aus 49 grob behauenen Fichtenholzblöcken dar, die mit einer vom Künstler entwickelten Farblösung, mal auf Wasser-, mal auf Ölbasis, mittels Ruß gefärbt wurden, bis eine tiefschwarze, matt glänzende Oberfläche geschaffen war. Dabei ist die Anordnung der Holzblöcke willkürlich. „Diese Kunstform bildet nichts ab, sondern setzt die Geschichte des abstrakten Denkens innerhalb der Kunst fort“, so Juliane Becker, die abschließend ihre Kollegin Helga Scholl zitierte. „Schwarz ist eine, keine oder hunderttausend Farben in einer.“ Eine Feststellung, die in der Ausstellung „Black & White“ perfekt wiederzufinden sei.

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