Abschiebung schlimmer als Knast wegen Raubs?

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen/Eschweiler. Ein kurioser Prozess, meint auch die Staatsanwaltschaft. Denn der Angeklagte Paulin B. (41) hat vermutlich so gelogen, dass sich die Balken bogen. Und belastete sich damit schwer.

Zu Unrecht, wie ein verblüfftes Schwurgericht (Vorsitz Gerd Nohl) am Montag feststellte und Paulin B. von diesen Vorwürfen frei sprach. Er war unter anderem wegen versuchten Mordes und schwerem Raub, begangen im Jahr 1997, in Eschweiler angeklagt.

Allerdings blieben zwei Einbrüche übrig, einer in Übach-Palenberg im April 2010 mit einer Beute von 1500 Euro und eine miese Tat an seiner damaligen Freundin aus Herzogenrath im Jahr 2003. Sie erleichterte der Mann albanischer Herkunft um satte 13.000 Euro. Die Mutter hatte die Summe für die Ausbildung ihres Sohnes gespart. Für die Einbrüche kassierte er zwei Jahre und vier Monaten.

Warum nun glaubte das in solchen Fragen absolut erfahrene Aachener Schwurgericht nicht, dass der 41-Jährige damals im Sommer 1997, also vor mehr als 13 Jahren, dabei half, einen 83-jährigen Rentner um rund 98.000 Euro zu erleichtern? Das Opfer wurde so schwer zusammengeschlagen, dass es ein Schädeltrauma und Serienrippenbrüche davon trug.

„Wir sind der Meinung, dass B. diese Tat nicht begangen hat. Deshalb wird er von der Anklage wegen versuchten Mordes freigesprochen”, formulierte Nohl das Ergebnis und folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft, auch sie hatte einen Freispruch gefordert. Anlass zu Zweifeln gaben die Schilderungen, die B. vom Ort des Verbrechens gab. Da war einmal die Eingangstüre. Sie sei aus massivem Holz gewesen. Tatsächlich aber war sie aus Aluminium und hatte große Glasflächen.

Das Geld sei vom Mittäter aus dem Kühlschrank in der Küche geraubt worden, während B. den alten Herren auf dem Boden liegend festhielt. Das stimmte nicht mit den Tatortbeschreibungen überein. Auch sei der Mittäter wegen eines in Gips befindlichen Armes überhaupt nicht dazu in der Lage gewesen, das Opfer halbtot zu schlagen.

Das Ergebnis: B. hat gelogen. Warum, darüber spekulierte das Gericht: „Vielleicht warten in Albanien schlimmere Dinge auf ihn als im Gefängnis”, vermutete Nohl. Denn B. stellte sich im Sommer 2010 der Polizei, als er kurz vor seiner Abschiebung stand.
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