Eschweiler - 65 Millionen Euro für mehr Flexibilität

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65 Millionen Euro für mehr Flexibilität

Von: Andreas Gabbert
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Hier entsteht der Strom: Die umfangreichen Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten am Block H des Kraftwerks Weisweiler ermöglichen einen Blick in den Generator. Foto: Andreas Gabbert

Eschweiler. Wo sonst Temperaturen über 1000 Grad herrschen, wird derzeit geflext, geschraubt und gehämmert. Das Feuer im 600-Megawatt-Braunkohlenblock H des Kraftwerks Weisweiler ist vorübergehend abgestellt, um die Anlage zu sanieren und zu modernisieren. Dafür investiert RWE Power 65 Millionen Euro.

Der Schwerpunkt der Arbeiten liegt auf der Flexibilisierung der Anlage. „Wir machen das, um schneller und flexibler auf die schwankende Einspeisung regenerativer Energien reagieren zu können”, sagt Kraftwerksleiter Gerhard Hofmann. Dazu wird die Leittechnik komplett erneuert.

„Sie wird die Grundlage für die neue Flexibilität schaffen”, erklärt Hofmann. Statt der bisherigen Mindestlast von 400 Megawatt ist es künftig möglich, den Block lediglich mit 290 Megawatt zu fahren. Das bringt zum Beispiel am Wochenende Vorteile, wenn in der Nacht wenig Strom verbraucht und am Morgen die Leistung schnell wieder hochgefahren werden muss. Ein komplettes Abschalten ist nicht sinnvoll, da es acht Stunden dauert, bis die Anlage wieder hochgefahren ist.

Seltener Anblick

Im neuen Leitstand sind die Rollcontainer für die Bürosachen der Mitarbeiter schon angekommen, über den Tischen liegt noch Folie, und vor der hellen Fensterfront sitzt ein Mitarbeiter am Computer, der mit der Installation der Software beschäftigt ist. Hier werden in Zukunft alle Fäden zusammenlaufen. Dann werden die Mitarbeiter die Anlage am Bildschirm mit der Maus steuern, statt bisher über Potis und Schreibzeigeranzeigen.

Im Maschinenhaus bietet sich ein seltener Anblick. Die Gehäuse der Turbinen und des Generators liegen offen da. Die sogenannten Leitschaufeln sind zu sehen, die eigentliche Turbine fehlt - sie ist zur Generalüberholung in Berlin. Obwohl die Teile bis zu 15 Meter lang und tonnenschwer sind, ist beim späteren Zusammenbau Millimeterarbeit gefragt. Jeder noch so winzige Spalt muss geschlossen werden, denn „das Spaltmaß ist für den Wirkungsgrad verantwortlich”, sagt Revisionsleiter Peter Raabe, der bei dem Großprojekt für die Termin- und Kostenplanung sowie die Organisation der Arbeitssicherheit verantwortlich ist. Künftig soll sich die Temperatur feiner steuern und besser regeln lassen, um so einen höheren Wirkungsgrad zu erreichen. „Das spart Braunkohle und damit auch CO2”, sagt Raabe.

Auch der Kessel wird modernisiert. Allein dort gibt es 100 Einzelbaustellen. Der Kessel wird in einem im Boden verankerten Gerüst eingehangen und in 120 Metern Höhe befestigt, so dass er sich bei Hitze um 50 bis 60 Zentimeter nach unten ausdehnen kann. Damit die Konstruktion nicht schwankt, wird sie an verschiedenen Punkten fixiert.

Auch hier heißt das Motto „Mehr Flexibilität”. Die vorherige Konstruktion verhinderte die flexible Ausdehnung des Kessels, weshalb es immer wieder zu Spannungen, Verformungen und damit zu Kesselschäden kam. Damit soll jetzt Schluss sein. Gleichzeitig werden von den insgesamt 800 Kilometern Rohrleitungen im Kessel rund 40 Kilometer ausgetauscht.

Die Revisionsarbeiten an dem im Jahr 1976 in Betrieb genommen Block sind bereits am 2. September gestartet und sollen Mitte November abgeschlossen sein. Bereits 2009 hatte ein Expertenteam mit der Detailplanung begonnen. 2010 wurden die ersten Aufträge vergeben. Zum Beispiel für den rund 13 Millionen Euro teuren Umbau der Leittechnik. Weitere zwölf Millionen fließen in die Optimierung der Lasteinleitung des Kessels und sechs Millionen Euro in Modernisierungen im Bereich der Turbine.

Von der Gesamtinvestition in Höhe von 65 Millionen Euro fließen 40 Millionen an rund 35 Firmen aus NRW. Insgesamt sind 60 Partnerfirmen beauftragt, weit mehr als 1000 Arbeitsaufträge auszuführen. Damit der reibungslose Ablauf der Revision gewährleistet ist, werden auf dem Kraftwerksgelände Sozialeinrichtungen für die bis zu 1500 Mitarbeiter der Partnerfirmen vorgehalten. „Das Projekt fordert die Menschen ganz schön, aber noch haben wir die Lust nicht verloren”, sagt Revisionsleiter Raabe.

So viel Betrieb herrscht selten rund um das Kraftwerk. An allen Ecken und Enden wird gearbeitet. Deshalb wird auch besonderes Augenmerk auf die Arbeitssicherheit gelegt. Das heißt, jeder Mitarbeiter der beauftragten Firmen erhält eine umfangreiche Sicherheitseinweisung. Zudem werden Grundlagen der Arbeitssicherheit in zahlreichen Sprachen an speziellen PC-Terminals abgefragt, bevor die Arbeiten im Kraftwerk aufgenommen werden dürfen. Wer den Test nicht besteht, muss wieder umkehren.

Nach der Modernisierung soll der Block H noch bis 2035 im Betrieb bleiben, danach wird er endgültig abgeschaltet. Im nächsten Jahr steht die Revision des zweiten 600-Megawatt-Blocks G an.
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