60 Jahre THW, über 56 Jahre mit Franz Pastor

Von: Tobias Röber
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1957 ist Franz Pastor ins THW eingetreten und ihm bis heute treu geblieben. In seine Zeit fielen die verschiedensten Aufgaben, Übungen und Projekte, etwa eine Übung in Vogelsang (Bild oben links), der Bau einer Behelfsbrücke an der Neustraße im Jahr 1976 (oben rechts), oder den Brückenbau im Stadtwald im Jahr 1980 (unten rechts). Den Fuhrpark Ende der 70er Jahre sieht man auf dem Bild links unten. Foto: Tobias Röber

Eschweiler. Der Ortsverband Eschweiler des Technischen Hilfswerks (THW) ist fast genau 60 Jahre alt. Nach einem Aufruf an die Bürger der Stadt Eschweiler gründete der Major der Schutzpolizei a.D., Hans Ebels, am 9. September 1953 den Ortsverband.

Die ersten Zusammenkünfte fanden in der Wohnung des Gärtnermeisters Wilhelm Wynands statt, der die Aufgabe der Ausbildung übernommen hatte. Wilhelm Wynands ist es auch gewissermaßen „schuld“, dass Franz Pastor, der im November 80 Jahre alt wird, zum THW stieß. Am 11. Februar 1957 trat Pastor Mitglied dem THW bei. Klar, dass er in den vielen Jahren einiges erlebt hat. Grund genug, ihn zum Jubiläum zum Interview zu treffen.

Herr Pastor, Sie werden häufig „Mr. THW“ genannt. Ist Ihnen das manchmal auch ein wenig unangenehm?

Pastor (lächelt): Nein, das ist eine große Auszeichnung für mich. wenn ich jetzt beim THW bin, dann werde ich dann und wann auch schon mal um Rat gefragt. Das ist eine schöne Sache und Anerkennung.

1953 wurde der Eschweiler Ortsverband des THW gegründet, Sie sind seit 1957 dabei. Wie sind Sie zum THW gekommen?

Pastor: Ich habe damals meine Ausbildung beim Gärtnermeister Wynands gemacht. Bei ihm zu Hause fanden damals die ersten Treffen des THW statt, eine eigene Unterkunft gab es noch nicht. Das THW sollte damals Bäume bei der Schwester, des Majors der Schutzpolizei, Hans Ebels, fällen, da sie drohten, auf das Haus zu fallen. Ich habe geholfen und bin dabei geblieben. Es hat mir von Anfang an Spaß gemacht zu helfen.

Welche Erinnerungen haben Sie an die Anfänge?

Pastor: Das war natürlich eine ganz andere Zeit. Wir hatten zunächst wie gesagt keine eigene Unterkunft, später sind wir dann in die Kaserne gezogen. All diese modernen Geräte, wie wir sie heute kennen, gab es damals natürlich noch nicht. Fahrzeuge gab es nicht. Zu Einsätzen sind wir mit privaten Motorrädern und Autos gefahren. Wir hatten nur Schaufel, Hacke, Schubkarre und Säge. Und natürlich Leinen zum Binden, die waren sehr wichtig.

Inwiefern?

Pastor: Alles wurde mit diesen Bindeleinen gemacht. Auch Brücken über die Inde zum Beispiel. Die wurden mit Holz und den Leinen gebaut.

Das war aber sich nicht das einzige, was damals ganz anders war...

Pastor: Nein, natürlich war vieles anders. Wir hatten damals einmal pro Woche Dienst. Wir haben uns immer montags nach der Arbeit getroffen. Dann lagen Aufträge bereit, die wir erledigt haben. Wir waren anfangs eine Gruppe von zehn Leuten. Das Zusammengehörigkeitsgefühl war sehr groß. Es ging schon etwas kameradschaftlicher zu, weil eben alle freiwillig dabei waren. Meine rechte Hand sozusagen war damals Heinz-Werner Bodelier. Wenn wir zu Terminen kamen, gab es dann schon mal den Spruch: „Da kommt der Pastor mit seinem Küster.“

Hat sich das Zusammengehörigkeitsgefühl im Lauf der Zeit geändert?

Pastor: Ja schon ein wenig. Als man sich vom Wehrdienst freistellen lassen konnte und so neue Helfer dazukamen, war es nicht mehr wie am Anfang. Natürlich waren da auch gute Helfer bei, aber hinter etlichen musste man hinterher sein und schauen, dass sie auch zur Arbeit kommen.

Apropos freistellen. Stellen sich Arbeitgeber oft quer?

Pastor: Das kommt immer ganz auf den Betrieb und auf die Situation an. Ich hatte damit nie Probleme. Natürlich kommt es auch mal vor, dass ein Chef nein sagt, aber wenn es in der Situation nicht anders geht, muss man dafür auch Verständnis haben. Im Großen und Ganzen ist es aber in der Regel kein Problem, für einen Einsatz freigestellt zu werden.

Welche Einsätze sind besonders haften geblieben?

Pastor: Da fällt mir vor allem der Brand bei Wenzel & Weidmann im März 1985 ein. Uns wurde natürlich bei der Alarmierung etwas über das Feuer mitgeteilt, mit diesen Ausmaßen haben wir aber nicht gerechnet.

Waren Sie auch im Ausland unterwegs?

Pastor: Im Jahr 1991 habe ich einen Hilfstransport nach Minsk geleitet. Diese Eindrücke bleiben natürlich auch hängen. Die Menschen vor Ort waren sehr arm. Wir hatten eine Dolmetscherin vor Ort. sie war Lehrerin, ihr Mann Schweißer. Die Leute wohnten dort quasi in Kasernen. Wir wurden mal zum Essen eingeladen. Da gab es zwar Fleisch, aber nur ein Messer für alle, das herumgereicht wurde.

Was genau haben Sie dort gemacht?

Pastor: Wir haben Hilfsgüter geliefert. Es war bemerkenswert. Als wir an einem Krankenhaus ankamen, haben auch die Ärzte in ihren weißen Kitteln beim Abladen geholfen. Das würde hier niemand machen. Die Menschen dort waren sehr hilfsbereit.

Ist es Ihnen schwergefallen, das Amt des Ortsbeauftragten abzugeben?

Pastor: Nein, das ist ein normaler Vorgang. Irgendwann müssen die Jüngeren ran. Ich kam immer gut mit der Jugend zurecht, aber jüngere schaffen das eben noch besser. Daher war das richtig so. Und frische Ideen sind ebenfalls wichtig. Es ist mir auch leichtgefallen, das Amt an Arnold Willecke und seine Mannschaft, weil ich wusste dass gute Nachfolger da sind. Das war ein beruhigendes Gefühl.

Sind Sie nach wie vor aktiv?

Pastor: Ich fahre so gut wie jeden Donnerstag zur THW-Unterkunft, wenn dort Dienst ist. Wenn es auf dem Hof etwas anzupacken gibt, dann mache ich das. Das hält auch jung (lacht). Natürlich geht das alles nur, wenn die Familie mitspielt, und darauf konnte ich mich immer verlassen.

Was haben Sie beim THW gelernt?

Pastor: Wer beim THW ist, muss alles können. Die Grundausbildung ist da sehr wichtig und auch lehrreich. Im Grunde muss man mit einem Stück Holz und Bindeleinen alles bauen können. Im Lauf der Zeit lernt man auch viele Freunde und Kameraden kennen. Mir hat die Arbeit beim THW immer viel Spaß gemacht. Es ist einfach toll, viel zu lernen und vor allem, anderen Menschen helfen zu können.

Was hat sich ansonsten verändert?

Pastor: Die Ausrüstung habe ich bereits erwähnt. Auch die Erreichbarkeit hat sich verändert, Handys gab es schließlich früher nicht. Wenn jemand nicht zum dienst kam, kriegte man den nicht. Und trotzdem hat es funktioniert, weil die Absprachen viel verbindlicher waren. Es war persönlicher. Natürlich hat die moderne Technik auch viele Vorteile, eben beispielsweise die bessere Erreichbarkeit.

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