40.000 Medien lagern jetzt in Containern

Von: Michael Cremer
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Verloren im Raum? Keineswegs. Auch während der Renovierungsarbeiten gibt es für die Mitarbeiterinnen der Bücherei - hier Ingrid Nicoleitzik, Danja Moritz und Yvonne Huwer - genug zu tun. Foto: Michael Cremer

Eschweiler. Ist der Teppichboden hin, dann muss ein neuer her. Und zuvor heißt es meist schleppen, denn schließlich muss die Einrichtung solange anderweitig untergebracht werden. Das ist in der Stadtbücherei nicht anders, nur dass hier in Tonnen und Kubikmetern gedacht wird.

Nach dem Jahrhundertregen im August vergangenen Jahres standen Teile des Rathauses unter Wasser, darunter auch das Bürgerbüro und die Bibliothek. Der Textilbelag in beiden Abteilungen wurde durch die Fluten derart in Mitleidenschaft gezogen, dass gehandelt werden musste; zudem stammte der Bodenbelag noch aus den Anfangszeiten des Rathauses, hatte also mehr als 30 Jahre auf dem Buckel. Im Bürgerbüro müssen 160 Quadratmeter neu verlegt werden, in der Bibliothek sind es satte 530, Gesamtkosten: etwa 33.000 Euro.

Während die Mitarbeiter des Bürgerbüros im SPD-Fraktionssaal, Raum Nummer sieben, ihren Dienst versahen, gingen die Renovierungsarbeiten an gewohnter Wirkungsstätte zügig voran. Auf den neuen, pflegeleichten Wischboden aus PVC muss die Bücherei hingegen noch einiges länger warten.

Am Mittwoch und Donnerstag hieß es zunächst einmal, die Räume leerzuräumen. Dafür hatte die Stadt eine erfahrene Eschweiler Möbelspedition engagiert. Hatte Büchereileiterin Christine Rohe im Gedanken an die bevorstehende Aktion noch Bauchschmerzen gehabt, so verschwanden ihre Sorgenfalten am Donnerstag zusehends. „Hier sind absolute Profis am Werk, die machen das ganz hervorragend.”

Tief beeindruckt waren die Mitarbeiterinnen der Bibliothek ebenso vom Tempo, mit dem die Arbeiten voran gingen. „Die machen quasi keine Pause”, meinte Ingrid Nicoleitzik. Sie gehört seit 1983 zum Büchereiteam und konnte somit auch spezielle Fragen der Kolleginnen beantworten, als diese angesichts der gähnenden Leere in den Räumlichkeiten den Blick über den Teppichboden schweifen ließen. „Was war denn hier einmal?” Die gut zwei Meter lange dunkle Stelle in Hufeisenform? „Bis wir damals umgebaut haben, hat hier die Sitzgruppe gestanden.”

Tags zuvor standen hier noch Regale voller Bücher. Sehr viele Regale. Wer bedenkt, dass der Bestand der Bibliothek weit über 40000 Medien umfasst, der bekommt eine vage Vorstellung von dem, was hier in zwei Tagen bewegt wurde. Ronny Jakubaschk ist Kolonnenführer bei der Möbelspedition und weiß es ziemlich genau. Mit vier weiteren Kollegen hat er die Herausforderung locker gestemmt, schließlich war sie nicht wirklich neu: Beim „Umzug” der Bibliothek der Stadt Frechen hat die Spedition bereits reichlich Erfahrung gesammelt.

Um die zehn Lkw-Container voller Regale, Kisten und Möbel, manche bis zu fünf Tonnen schwer, haben die Spediteure innerhalb zweier Tage zum Lager des Unternehmens an der Auerbachstraße geschafft. Hier wird die Eschweiler Bücherei quasi zwischengelagert: weit über 300 Kubikmeter Material. Darunter sind mehr als 500 vollgepackte und beschriftete Kartons. Schließlich weiß man nachher nur genau, was drin ist, wenn„s auch draufsteht.

Noch einmal die selbe Menge an Büchern blieb auf den Regalen; diese wurden kurzerhand mit stabiler Folie fest umschlossen und komplett in die Container verladen. Das hat den entscheidenden Vorteil, dass die Regale beim Wiedereinzug nicht wieder eingeräumt werden müssen.

Während der Renovierung der Bücherei bleibt für die Mitarbeiterinnen des Teams - wenn auch an anderer Stelle im Rathaus - genug zu tun. Die Vorbereitung des „Sommer-Lese-Clubs” etwa und die Aufarbeitung der Bestände. Richtig zur Sache geht es dann, wenn die Container wieder anrollen. Dann bleiben drei Tage, um alles wieder auszupacken und an Ort und Stelle zu setzen.

Jetzt wissen alle: Literatur kann manchmal ganz schön schwer sein.
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