Zwist unter Helfern: Jetzt geht es getrennt nach Kenia

Von: Julia Bäumler
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Eine abgesagte Safari brachte das Fass zum Überlaufen: Walter Stehling fährt jetzt allein mit seiner Frau nach Kenia, um dort Hilfe zu leisten. Die Schüler, die ihn begleiten wollten, haben sich von ihm abgewendet und eine andere Möglichkeit gefunden. Foto: stock/imagebroker
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Engagiert sich seit 25 Jahren für Projekte in Kenia: Walter Stehling aus Paustenbach.

Nordeifel. Eine fünfwöchige Reise nach Kenia wollten acht Schüler gemeinsam mit Walter Stehling und seiner Frau antreten, um in Okunda, einem 25.000-Einwohner-Ort in der Nähe von Mombasa, Hilfe vor Ort zu leisten. Daraus wird nichts. Die Stehlings werden alleine reisen, die Schüler haben abgesagt. Aufeinander treffen werden sie in Okunda voraussichtlich dennoch.

Walter Stehling (55) plante gemeinsam mit acht Abiturienten, ab 17. Juli den Weg in das ostafrikanische Dorf anzutreten, um dort bei Reparaturen eines Friseursalons, einer Buschbar sowie einer Massagehütte am Strand mit anzupacken. Außerdem sollten die Schüler in Afrika zu Lehrern werden und Deutsch unterrichten. Kostenpunkt: 2100 Euro pro Nase, inklusive Hotelunterbringung und Safari-Trip. Seit 25 Jahren engagiert sich der früher in Mönchengladbach und jetzt in Paustenbach lebende Helfer auf Privatbasis für Projekte vor Ort.

Der gemeinsame Flug war schon gebucht, die Vorbereitungen schienen getroffen zu sein – doch hier widersprechen sich die Darstellungen von Walter Stehling und den acht Schülern aus der Region. Denn diese wandten sich fünf Wochen, bevor der Flug starten sollte, von dem Privatmann ab und suchten sich eine neue Organisation, mit der sie fünf Wochen in Afrika verbringen wollen. Da die Flüge ja schon gebucht waren, werden sich die acht Abiturienten zur selben Zeit am gleichen Ort mit ihrem ehemaligen Projektleiter Walter Stehling befinden. Ob sie sich tatsächlich begegnen, bleibt abzuwarten.

Gestört hatte die acht Schüler, dass nicht alles „vernünftig geplant“ gewesen sei. Es habe von Beginn an Komplikationen gegeben, und mit der Zeit habe sich ein ungutes Gefühl bei den Schülern entwickelt. Das Hotel, in dem sie leben sollten, sei immer noch nicht gebucht gewesen, berichten die Schüler. Und „von Schülern zu Lehrern werden“ sei auf einmal auch nicht mehr möglich gewesen, erzählen die jungen Leute. Von ihrer neuen Organisation erfuhren sie nämlich, dass exakt in dem Zeitraum, in dem sie die afrikanischen Kinder unterrichten sollten, Schulferien in Okunda sind.

Völlig irritiert wandten sich die Schüler von Walter Stehling ab, suchten eine Lösung und fanden auch eine: Mit der Hilfsorganisation wollen sie im gleichen Zeitraum in Okunda eine Art Ferienbetreuung mit Spiel und Sport anbieten. Wohnen werden sie in einem Selbstverpflegungshaus.

Walter Stehling, der als Aushilfs-Busfahrer in der Eifel unterwegs ist, hat für die neue Situation kein Verständnis: „Das Hotel war lediglich nicht gebucht, weil die Schüler mir das Geld dafür noch nicht gegeben hatten“, schimpft er. Und von Schulferien an der Alexandra Secondary School in Okunda wisse er auch nichts. Seiner Meinung nach hätten die Schüler nur „Kenia“ gehört und gar nicht über die damit verbundene Arbeit nachgedacht.

Er meint zu wissen, wo der wahre Grund für die Absage der Schüler liegt: Die ursprünglich geplante Safari-Tour habe nicht stattfinden können. „Dafür reichen einfach die Spendengelder nicht“, erklärt Stehling. Auf diese Andeutung reagieren auch die Schüler: „Stimmt“, sagen sie, „die Absage der Safari-Tour hat das Fass zum Überlaufen gebracht.“ Denn ursprünglich habe Walter Stehling diese mehrtägige Safari-Tour als Lockmittel genutzt, als Belohnung für ihre Arbeit.

Die eigentliche Aufgabe der Schüler, in Okunda Deutsch zu unterrichten, sei immer mehr in den Hintergrund getreten. Stattdessen seien immer mehr andere Aufgaben hinzu gekommen, die sie übernehmen sollten. Schließlich waren das Vertrauen in Walter Stehling und die Motivation der Schüler ausgeschöpft.

Walter Stehling steht nun alleine da. Er beurteilt das Ganze als „Verrat an den Menschen da unten“ und an ihm. Er ist nun auf der Suche nach neuen Mitreisenden: Fliegen wird er in jedem Fall nach Okunda, „selbst wenn ich dafür den ganzen Tag dort arbeiten muss“, erklärt er. Denn schließlich dreht sich bei Walter Stehling alles um Kenia.

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