Zusatzschichten für das gelbe Christkind

Von: Heiner Schepp
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Wie im Bienenstock geht‘s zu, wenn ein Dutzend Boten über die Paketlieferung aus Aachen bzw. Köln herfällt. Dabei weiß jeder Zusteller den Straßennamen auf den Paketen sofort einem der elf Bezirke zuzuordnen. Foto: Heiner Schnepp
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Vorsichtig „baut“ Elmar Braun die Pakete in seinen T5, der später voll bis unters Dach sein wird. Imgenbroich, Widdau und Rohren sind sein Revier. Foto: Heiner Schnepp
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Noch bevor die Pakete eintreffen, verteilen Martina Braun, eine von zwei Frauen im Monschauer Zustellerteam, und ihre Kollegen die Briefpost für ihren Bezirk. Foto: Heiner Schnepp
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Dann rollt der erste von drei Paket-Lkws an diesem Morgen an und wird von den wartenden Mitarbeitern empfangen. Foto: Heiner Schepp
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Auch wenn nicht jeder Kunde vor Glück schreit, wenn der Postbote kommt, so sind Alfred Corda und seine Kollegen doch stets gerne gesehen. Foto: Heiner Schnepp
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Insgesamt elf Stammkräfte zählt das Monschauer Zustellerteam um Leiter Wolfgang Henk (vorne, 3. v. li.), hinzu kommen fünf Ersatzkräfte, da jeden Tag zwei Postboten frei machen und zusätzliche Paketfahrer unterwegs sind. Foto: Heiner Schnepp

Monschau. Es ist 7.30 Uhr und es schüttet wie aus Eimern an diesem ungemütlichen Freitagmorgen an der Laufenstraße in Monschau. Nicht mal den sprichwörtlichen Hund würde man bei diesem Regen vor die Tür schicken, geschweige denn einen Menschen.

„Zustellerwetter ist das nicht gerade“, sagt Wolfgang Henk naserümpfend beim Blick nach draußen, „aber das sind wir in dieser Jahreszeit gewohnt“, meint der Teamleiter des Zustellungsstützpunkts Monschau. „Besser als Schnee.“ Zeit zum Jammern bleibt ihm und seinen Kollegen an diesem Morgen auch gar nicht, „heute ist Großkampftag“, sagt Kollege Michael Behrendt, der nebenan sorgsam Brief um Brief in die Fächer rings um ihn herum steckt. Ein schmales Fach für jede Hausnummer in den Straßen seines Bezirks gibt es, angeordnet exakt in der Reihenfolge, wie er die Adressen später abfahren wird.

Drei Lkws voll mit Paketen

Noch haben Behrendt und Kollegen ein wenig Muße für diese Fummelsarbeit, war doch bislang nur der Lkw mit der Briefpost da. Das ändert sich schlagartig, als kurz vor Neun der zweite knallgelbe Posttransporter an diesem Morgen in den Hinterhof an der Laufenstraße 78 zurücksetzt. „Es kommen noch zwei“, lässt der Fahrer die schon wartenden Monschauer Kollegen wissen. Drei Lkw‘s voll mit Paketen und Päckchen nur für die gut 3500 Haushalte in Monschau. „Das ist schon extrem in diesen Wochen vor Weihnachten“, berichtet Wolfgang Henk von 500 bis 700 Stück in einer normalen Woche. In den letzten Tagen aber waren es stets zwischen 1200 und 1400 Paketsendungen pro Tag, „an einem Tag sogar 1800“, weiß der Teamleiter. Paketladung Nummer drei wird heute wohl kaum vor 11 Uhr in Monschau sein – „die kann dann heute nicht mehr verteilt werden, weil die Zusteller sich spätestens um zehn Uhr auf den Weg machen müssen. Und morgen ist auch noch ein Tag“, sagt Wolfgang Henk.

Eilig rollen seine Männer die übermannshohen Alucontainer der ersten Paketlieferung an diesem Morgen in den großen Sortierraum der Monschauer Postniederlassung, wo sogleich die versammelte Frühschicht über die Pakete herfällt. Schön nacheinander nimmt jeder ein Paket – von Taschenbuchgröße bis zum Großbildfernseher – heraus und stellt es in einen der elf Rollbehälter, mit denen die Zusteller sie später zu ihrem Auslieferfahrzeug bringen. Seit einigen Monaten beherrscht der T5 von Volkswagen – vormals war‘s der Caddy aus Wolfsburg – den winterbereiften DHL-Fuhrpark in Monschau. „Da geht alles rein, selbst jetzt“, berichtet Zusteller Robert Claßen und Kollege Oswald Klee ergänzt: „Und was nicht mehr reinpasst, nimmt Martin.“ Gemeint ist Martin Blum, der, meist zusammen mit einem Kollegen, zusätzlich und ausschließlich Pakete in alle elf Bezirke fährt.

Dass die Postboten heutzutage einen Großteil der Weihnachtsgeschenke bringen, ist für sie Fluch und Segen zugleich. „Das ist schon eine körperliche Herausforderung – und Übergewicht hat hier keiner“, sagt Robert Claßen lachend. „Aber es sichert auch unsere Arbeitsplätze“, hält Teamleiter Henk dagegen. Heutzutage werde alles, aber auch alles mit der Post oder einem Mitbewerber verschickt. „Letztens haben wir sogar Heuballen zugestellt“, sagt Henk lachend.

Vom Amazon-Streik letzte Woche hat man indes in Monschau nichts gemerkt. „Dann kommen die Geschenke eben vom Logistikzentrum in Polen“, weiß Gerd Barwasser, Leiter des Zustellstützpunkts Aachen, wie der Branchenführer die Arbeitsniederlegungen im Weihnachtsgeschäft umschifft hat.

Es ist kurz vor halb zehn, und die gelbe Flotte im Hinterhof der Laufenstraße hat sich, dem strömenden Regen zum Trotz, bis unters Dach gefüllt. Bis zum späten Nachmittag werden alle elf Zusteller und die beiden Zusatz-Paketboten heute unterwegs sein. „Das geht jetzt noch ein paar Tage so“, sagt Michael Behrendt; „außer Heiligabend, da soll um 14 Uhr die Schlacht geschlagen sein“, hofft er wie alle Kollegen, dann für ein paar Tage weihnachtliche Ruhe finden zu können. Und er ergänzt das, was sicher auch die vielen Menschen, die die Zusteller mit ihren Päckchen glücklich machen, denken: „Die Pause haben wir uns dann auch redlich verdient!“

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