Zukunft der Schulen: Eltern entscheiden

Von: Heiner Schepp
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Die Grundschule in Imgenbroich verliert ihre Eigenständigkeit und ist künftig ein Teilstandort der Grundschule Konzen. So zumindest sieht es die derzeit von allen Beteiligten favorisierte Lösung der grundschulentwicklungsplanung vor. Eine endgültige Aufgabe der Schulen in Imgenbroich und Kalterherberg komme auch deshalb nicht in Frage, weil die Gebäude für die Stadt nicht vermarktbar seien.

Monschau. „Es besteht Handlungsbedarf!” So lautete die unmissverständliche Aussage von Bürgermeisterin Margareta Ritter beim Blick auf die Schülerzahlen in den nächsten Jahren. Schon vor knapp zwei Jahren sei dies im Schulausschuss erkannt worden, doch habe man eine Entscheidung bewusst auf die Zeit nach der Kommunalwahl vertagt, „denn diese Diskussion ist zu wichtig, um sie in Wahlkampf-Zeiten zu führen”, so Ritter.

Nun also ist es soweit, und Micha Kreitz (CDU) sprach von der „wichtigsten Vorlage für die nächsten Jahre überhaupt im schulischen Bereich”, als der Schulausschuss die Grundschulentwicklungsplanung am Mittwoch auf der Tagesordnung hatte. Fünf kleine, oft einzügige Grundschulen in einer Stadt wie Monschau - dies sei mit Blick auf weiter fallende Anmeldezahlen „nicht mehr darzustellen”, sagte Margareta Ritter.

Und Schulrat Christoph Esser, der der wichtigen Sitzung ebenfalls beiwohnte, wurde noch deutlicher: „Den Zustand mit nicht gesetzeskonformen Klassengrößen werde ich in Zukunft nicht mehr mittragen”, bezog sich Esser auf Klassengrößen unter 18 Kindern, die er bislang per Sondergenehmigung (beispielsweise in Kalterherberg) erlaubt hatte. Ausdrücklich lobte der Schulrat jedoch die Monschauer Vorgehensweise, für die Zukunftsplanung alle Beteiligten an einen Tisch zu holen: „Das ist so in meinem Bereich einmalig und garantiert eine hohe Transparenz und Akzeptanz.

Gleichwohl werde es „Entscheidungen geben, die weh tun”, meinte Christoph Esser, das sei auch in anderen schulischen Bereichen in den nächsten Jahren nicht zu vermeiden. Um den Eingriff in liebgewonnene Strukturen abzumildern, favorisiere der Arbeitskreis aus Vertretern der Eltern und Schulen sowie Rat und Verwaltung eine „Vorgehensweise der kleinen Schritte”, sagte Bürgermeisterin Margareta Ritter. Dies bedeute, dass zwei Grundschulen - Kalterherberg und Imgenbroich - ihre Eigenständigkeit verlieren würden, jedoch vorerst weiterhin Schulstandorte, dann aber als „Nebenstelle” der benachbarten Grundschulen, seien.

Da bei einer endgültigen Schließung der Schulen die Gebäude ohnehin „nicht vermarktbar” seien, gewährleiste diese Lösung kürzere Wege für die Grundschulkinder. Diese Lösung indes bedeutet nicht nur für die Kinder in Imgenbroich und Kalterherberg zwingend einen weiteren Weg zur Grundschule. „Denkbar ist beispielsweise für die Grundschule Konzen/Imgenbroich, dass das erste und zweite Schuljahr in Konzen unterrichtet werden und das dritte und vierte Schuljahr im Gebäude Imgenbroich”, erläuterte Margareta Ritter. Gleiches gelte für Mützenich und Kalterherberg.

Wie die neue Struktur aber letztlich umgesetzt werde, liege letztlich bei der Schulleitung und ihrem pädagogischen Konzept. Und eine gewichtige Rolle spielen dabei auch die Eltern und ihr Anmeldeverhalten, denn seit 2006 sind sie bekanntlich nicht mehr an einen bestimmten Schulbezirk gebunden. Deshalb wird es im Januar 2010 in allen Ortschaften mit Schulstandorten Informationsveranstaltungen des Schulträgers für betroffene Eltern (einschließlich der Eltern der jetzigen Kindergartenkinder) geben.

„Die Lösung, wie auch immer sie ausfallen wird, wird die Solidarität Vieler fordern”, warb die Bürgermeisterin um Verständnis und konstruktive Mitarbeit der Eltern. Die nun vorgeschlagene Lösung mit drei Schulen und fünf Standorten sei „nur ein Zwischenergebnis”; eine Entscheidung werde erst gefällt, wenn ein Resümee aus dem Wahlverhalten der Eltern und den Infoveranstaltungen im Januar gezogen sei, so Ritter.

Micha Kreitz (CDU) sprach im Schulausschuss dennoch schon von einem „tragfähigen Konzept”, das Verlässlichkeit für die nächsten jahre garantiere. Es bleibe aber abzuwarten, wie seitens der Eltern letztlich gewählt werde. Auch Brigitte Olschewski (SPD) sprach von der „besten Lösung”, die die Chance biete, „mit der Schule Leben in den Orten” zu halten. Und vielleicht, so die Sozialdemokratin hoffnungsvoll, „steigt die Geburtenrate ja auch irgendwann einmal wieder”.

Bernd Händler (Grüne) begrüßte die „Vorgehensweise in kleinen Schritten” und regte einen ständigen Austausch der Schulleiter unter Moderation der Verwaltung an, „damit wir rechtzeitig sehen, wo die Reise hingeht”. Schulrat Christoph Esser bekräftigte, dass er die vorgetragene Lösung unterstütze. Eine Genehmigung sei das aber noch nicht, denn Voraussetzung für eine dauerhafte „Drei/Fünf-Lösung” sei, „dass die Eltern auch nach der Neustrukturierung entsprechend anmelden”.

Esser verwies auf den „Sinn des Gesetzes der freien Schulwahl”, der den Eltern auch jetzt noch die Möglichkeit gebe, ihr Kind umzumelden. Auch wenn für das Schuljahr 2010/11 noch kein Handlungsbedarf erkennbar ist, weil alle Eingangsklassen bei mindestens 18 Schülern liegen (siehe Grafik), könnte die neue Struktur also möglicherweise schon im nächsten Sommer greifen.

Eine Entscheidung wird der Schulausschuss darüber in seiner Sitzung am 23. Februar fällen.
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