Zecken warten im Gebüsch auf ihre Opfer

Von: ag/ds/xenia
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Ein Zeckenweibchen voller Blut: Ein vollgesogenes Exemplar kann bis zu 200 Mal so viel wiegen wie ein hungriges. Fotomontage: www.zecken.de

Nordeifel. Das schöne Sommerwetter lädt zu Aktivitäten im Freien ein. Doch aufgepasst, in diesem Jahr gibt es, bedingt durchs warme Wetter, eine deutlich erhöhte Aktivität von Zecken. „In den letzten Wochen häufen sich die Fälle“, sagt Dr. Andrea Schweitzer, die in Simmerath ihre Praxis hat.

Etwa zehn Fälle hat die Ärztin zurzeit pro Woche in ihrer Praxis bzw. in der Notfallpraxis im St. Brigida Krankenhaus zu behandeln.

Die widerlichen Krabbler sind weltweit verbreitet und natürlich auch in Wäldern, auf Wiesen oder Gärten in der Nordeifel vorhanden. Der Parasit ernährt sich vom Blut seiner Wirte. Das sind Wirbeltiere wie Mäuse, Igel oder Rotwild, aber auch Hunde und Menschen. Die Zecken klettern auf Gräser und Büsche. Bei einem kurzen Kontakt mit Tieren oder Menschen greifen sie mit ihren Vorderbeinkrallen zu und halten sich fest, dazu benötigt es nur Sekundenbruchteile.

Danach begibt sich die Zecke auf die Suche nach einer geeigneten Einstichstelle. Diese ist bevorzugt dünnhäutig, feucht und gut durchblutet, beim Menschen zum Beispiel die Kniekehle, Achselhöhle, der Haaransatz oder Genitalbereich. „Da, wo es warm ist und man schwitzt, sticht die Zecke besonders gerne zu“, sagt Dr. Andrea Schweitzer.

Dort reißt die Zecke mit ihrem Mundwerkzeug die Haut des Wirtes auf und gräbt mit ihrem Stechrüssel eine Grube ins Gewebe, die mit Blut vollläuft. Dieses Blut saugt die Zecke in ihren Darm, der sehr dehnbar ist, so dass die Zecke während des Blutsaugens wächst. Eine vollgesogene Zecke kann bis zu 200 Mal so viel wiegen wie eine hungrige. Während des Stechens und Saugens sondert die Zecke Betäubungsmittel ab, so dass ein Stich nicht schmerzt. Auch enthält der Speichel der Zecke entzündungshemmende Stoffe.

Mit dem Speichel können außerdem eine Vielzahl von Krankheiten übertragen werden. Zu den bedeutendsten in Deutschland durch Zecken übertragenen Infektionskrankheiten gehört zum einen die Borreliose, zum anderen die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).Die Borreliose kommt landesweit vor.

Die Krankheit hat verschiedenste Symptome an Haut, Nervensystem, Gelenken oder Herz und ist deshalb schwierig zu diagnostizieren. Charakteristisch ist jedoch die Wanderröte.

Einige Tage bis Wochen nach einem Zeckenstich ist diese als ringförmige Hautrötung um die Einstichstelle zu erkennen. Die Borreliose kann zu Hirnhautentzündung und Herzproblemen führen. Es gibt keine Schutzimpfung für Borreliose, sie kann aber nachträglich mit Antibiotika behandelt werden. Das Risiko, an Borreliose zu erkranken, steigt mit Dauer des Saugaktes. Im Schnitt dauert es zwölf bis 24 Stunden. Es ist also wichtig, die Zecken so schnell es geht zu entfernen. Drei Wochen lang solle man die Stelle beobachten, empfiehlt Dr. Andrea Schweitzer. Sollte sich eine ringförmige Rötung um die Einstichstelle entwickeln, sollte man einen Arzt aufsuchen. Auch grippeähnliche Symptome wie Müdigkeit, Fieber oder Kopfschmerzen können Anzeichen dafür sein.

Es gebe auch Fälle, in denen Personen nicht wissentlich einen Zeckenstich hatten und ebenso nicht wissend an Borreliose erkrankt waren, sagt die Ärztin. Gleichzeitig beruhigt sie aber auch, denn die wenigsten gestochenen Menschen würden an Borreliose erkranken. „Aber es ist halt eine Gefahr“, sagt Schweitzer.

Erfahrungen mit Zecken hat sie inzwischen mehr als genug gemacht. Ihr Mann ist Jäger und geht nicht ungeschützt in den Wald. Trotzdem hat es ihn in den vergangenen Wochen schon vier- bis fünfmal erwischt. „Es hat auch schon Jahre gegeben, da habe ich ihm im Laufe eines Sommers 20 bis 30 Zecken gezogen“, sagt Schweitzer.

Die FSME-Viren werden sofort übertragen. FSME beginnt ähnlich wie eine Sommergrippe mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Unter Umständen ist die Erkrankung damit überstanden. Falls nicht, wird danach das zentrale Nervensystem befallen. Hirnhaut- und Gehirnentzündungen oder sogar Schädigungen des Rückenmarks können die Folge sein. Manchmal ist die Krankheit tödlich. Die FSME tritt nur in bestimmten Gebieten auf. Dem Robert-Koch-Institut (RKI) sind vereinzelt Erkrankungsfälle gemeldet, die in der Städteregion Aachen erworben wurden. Das Risiko, durch einen Zeckenstich an FSME zu erkranken, lässt sich auch in der Eifel nicht ausschließen, eine offizielle Impfempfehlung hat das RKI für die Region jedoch noch nicht ausgesprochen.

Für Tiere gibt es Tropfen für in den Nacken oder Halsbänder, die vor Zecken schützen können. Aufgrund der Nebenwirkungen besteht diese Möglichkeit für den Menschen aber nicht. Im Gegensatz zum Menschen ist bei Hunden auch eine Schutzimpfung gegen Borreliose möglich, wie Tierärztin Pia Rizgalla-Kessel aus Simmerath erklärt. Dafür ist bei Menschen eine Impfung gegen FSME möglich, bei Hunden aber nicht. Wer wissen möchte, ob die Zecke, die ihn gestochen hat, Krankheitserreger in sich trug, kann die Zecke untersuchen lassen. Dabei handelt es sich aber nicht um eine Kassenleistung. Die Kosten liegen bei rund 25 Euro.

Praktisch zum Beispiel für den Urlaub: Auf der unten stehenden Internetseite zeigt eine Karte das Verbreitungsgebiet der FSME an, durch Eingabe der Postleitzahl können verschiedene Regionen überprüft werden.

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